30.09.2018 - 17:07 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Große Klänge, große Gefühle

Traditionell startet die Konzertsaison der Stadt Amberg mit schwerem Gerät, nämlich Orchester in bühnenfüllender Besetzung, mit großen Komponisten-Namen, mit gewichtigem Programm. Diesmal ist es hochrangiger Besuch
aus München.

Unter Leitung von Michael Balke – mit Solistin Marianna Shirinyan (Klavier) – eröffnen die Münchner Symphoniker die Klassik-Saison am Amberger Stadttheater. Auf dem Programm stehen Werke von Sergei Prokofjew, Sergei Rachmaninow und Ludwig van Beethoven.
von Peter K. DonhauserProfil

Am Freitag sind die Münchner Symphoniker zu Gast, sie firmierten von 1945-1990 als „Symphonieorchester Graunke“. Der fabelhafte (Gast-) Dirigent Michael Balke organisiert und inspiriert seine Kollegen mit unaufgeregt klarem Dirigat. Dieses darf sich gleich bei Prokofjews Symphonie Classique D-Dur op. 25 bewähren. Leicht könnte hier überhitztes Hantieren mit dem Dirigentenstab nervöse Unruhe ob der vielen heiklen Partien verbreiten (Intonation der exponierten 1. Violinen), könnte Unschärfe oder schwammige Aufplusterung verursachen. Balke setzt auf Eleganz, auf fast zu nüchterne Transparenz, vermeidet Schwulst im langsamen Satz, bäurische Derbheit in der Gavotta. Das virtuose Finale gelingt flink und figulant ohne atemknappe Hast.

Herrscherin der Tasten

Für das 2. Klavierkonzert c-Moll op. 18 von Sergei Rachmaninow tritt Marianna Shirinyan ans Klavier. Sie hat 2006 beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD einen beachtlichen 2. Preis gewonnen. Ihre Spieltechnik lässt weder Probleme noch Mühen erkennen, sie hat den Kopf frei, mit den Orchesterkollegen in einen engstens verzahnten Dialog zu treten. Suggestiv gelingen die acht einleitenden Akkorde in f, dann dürfen Arpeggien sprudeln, innige Melodien anrühren, Momente in den Kadenzen wutbebend aufbrausen. Shirinyan lebt die Musik und lässt sie uns mit-erleben. Die Münchner Symphoniker zeigen ihr Potenzial an romantisch-schwelgenden Klängen. Es wird aber auch erkennbar, dass ein solcher Klangapparat einen großen D-Konzertflügel fordert. Als charmante vierhändige Zugabe „En Bateau“ aus der „Petite Suite“ von Debussy. Balke wechselt für diese „Schifffahrt“ vom Stab an die Tasten.

Humanität und Revolution

So gut die Akustik des Stadttheaters Kammermusik oder Gesang unterstützt, so sehr kommt sie bei einem Ensemble dieser Größe und vollem Haus an ihre Grenzen. Der Nachhall wirkt wie abgeschnitten, der Klang verliert an Brillanz, speziell die Bläserklänge verschleichen in den Bühnenturm. Das Kulturamt hat gut daran getan, für die bevorstehende Generalsanierung Akustiker einzuplanen. Nach der Pause liefern die Münchner mit Beethovens 2. Symphonie D-Dur op. 36 ihr Meisterstück ab. Spiel mit dem Wechsel von weichem Holzbläser-„Humanitätston“ und harschem Revolutions-Sound. Apollinisch durchgehörte Klarheit im Allegro con brio. Wunderbar sinnig gestaltete Phrasen im Larghetto, nie wird aufgedunsen oder pappig verschleppt. Delikater Witz im Scherzo. Blendend heraus ziselierte Kontraste im Finale, die Liebe zur Detailarbeit trägt reiche Früchte.

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