14.02.2020 - 18:47 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Hund wird ungewollt zum "Filmstar"

Dass zwei Hunde beim Gassigehen aneinandergeraten, ist ja nichts ungewöhnliches. Wenn der Stärkere von beiden allerdings nicht angeleint ist und die Hundebesitzer alkoholisiert sind, kann die Sache eskalieren.

Der Boxer konnte auch nichts dafür, dass ihn sein betrunkenes Herrchen von der Leine ließ.
von Autor HWOProfil

(hwo) Bis zur juristischen Aufarbeitung der Provinzposse dauerte es nahezu zwei Jahre. Dann allerdings zog die Komödie in einem halbstündigen prozessualen Akt vorüber. Begleitet von einer Handlung, die tief hineinreichte in menschliche Befindlichkeiten. Zunächst spielte ein kleiner Hund die Hauptrolle. Er wurde von seinem Frauchen spätabends in der Amberger Innenstadt ausgeführt und sah sich plötzlich einem knurrenden Artgenossen gegenüber, den das Tierlexikon als Boxer beschreibt. Der Größere war nicht angeleint, sein Herrchen stand sichtbar betrunken neben ihm. Da rief die Besitzerin des kleinen Vierbeiners nach der Funkstreife.

Mit der Ramme vor der Tür

Zwei Uniformierte erschienen und taten, was angebracht erschien. Einer hakte den schwankenden Boxer-Besitzer unter, der andere ergriff dessen Hund und führte ihn am Halsband ab. Zur nahen Wohnung, wie sich Protokollen entnehmen ließ. Das allerdings missfiel der Anzeigeerstatterin. Sie, ebenfalls nicht nüchtern, zog ihr Handy und filmte den von der Exekutive begleiteten Heimweg. Denn immerhin, so monierte die Frau, sei da ein Verstoß gegen die Anleinpflicht amtlich aufzunehmen gewesen.

Die zürnende 32-Jährige gab noch von sich, sie werde mit dem Video zur Zeitung gehen. Das machte die Ordnungshüter misstrauisch. Was dann geschah, war fast schon unglaublich: Ein Staatsanwalt erhielt Nachricht und bekam tatsächlich einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung der Frau. Bei Sonnenaufgang standen dann, wie Verteidiger Jörg Jendricke vor der Amtsrichterin Nadine Sand berichtete, "Zivilbeamte mit einer Ramme vor der Tür". Das schwere Gerät zum Einschlagen des Portals musste nicht eingesetzt werden. Die 32-Jährige öffnete und gab ihr Handy heraus.

Recht am eigenen Bild

Was hatte die Frau aufgenommen? "Wenig zu sehen", wurde im Prozess vermerkt. Doch immerhin: Die merkwürdige Sequenz vom Abführen des Mannes und seines kläffenden Vierbeiners war über Whatsapp im Privatkreis verschickt worden. War das ein Verstoß gegen die Vertraulichkeit des Wortes? "Es gab nur Kommentare der Angeklagten", wurde argumentiert. Gleichwohl hielt die Richterin entgegen: "Es könnte sich aber um ein Nichtbeachten des Kunst-Urhebergesetzes gehandelt haben. "Weil ja Menschen das Recht am eigenen Bild besitzen." In diesem Zusammenhang wurde ein Urteil des Oberlandesgerichts in Düsseldorf zitiert. Der Konter des Anwalt hörte sich so an: "Wenn's keine Polizisten gewesen wären, säßen wir nicht hier."

Als sich der Vorhang nach 33 Minuten schloss, schien es so, als ob alle zufrieden waren, den Fall "Boxer" endlich vom Eis gebracht zu haben. Die 32-Jährige zahlt 150 Euro in drei Raten an den Amberger Tierschutzverein. Danach wird das Verfahren eingestellt.

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