19.06.2020 - 09:48 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

"Imageschaden" für Eslarn befürchtet

Im Bericht über eine Anti-Corona-Demo in Weiden wird auch Helmut B. aus Eslarn erwähnt, weil er ebenfalls eine Protestaktion organisieren will. Ein Leser stört sich an der Ortsangabe.

Das war nicht in Weiden, sondern in München: Eine Frau hält bei einer Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der Politik ein Schild mit der Aufschrift „Freiheit / Fake Pandemie“ in den Händen.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Im Beitrag "Demonstration gegen Corona-Beschränkungen" (Lokalteil Weiden), so ärgert sich der Leser, seien bei "keiner Person Ortsangaben gemacht" worden, doch bei Helmut B. stehe "Eslarn" dabei. "Wir Eslarner schämen uns für die Worte und Taten" von B., der in dem Markt nicht einmal geboren worden sei, hielt der Leser fest und fragte: "Muss es sein, dass unser Ort so durch den Dreck gezogen wird?", nur weil Der Neue Tag "in wirklich jedem Bericht" über B. den Herkunftsort nenne? "Sie betreiben damit Imageschaden für einen gesamten Ort", warf der Leser der Redaktion vor.

Der Reporterchef der Lokalredaktion Weiden/Neustadt/Eschenbach, Ralph Gammanick, antwortete dem Leser: "Tatsächlich wirkt die Ortsnennung von Eslarn in dem Text zunächst willkürlich, da bei anderen Personen kein Ort genannt ist. Das haben Sie richtig beobachtet. Allerdings handelt es sich um einen Allerweltsnamen, der schon eine nähere Beschreibung verlangt. Letztendlich sehe ich überhaupt kein Problem in der Nennung des Ortsnamens, weil meiner Meinung nach die persönliche Haltung eines einzelnen Bürgers nicht auf seinen Wohnort zurückfällt."

"Eslarn", so Gammanick weiter, "wird durch die Nennung weder durch den Dreck gezogen, noch entsteht ein Imageschaden. Was könnten sich da erst die Weidener beschweren, als Einwohner eines Ortes, in dem solche und andere Demonstrationen sogar regelmäßig stattfinden? Oder andere Orte, in denen in der Öffentlichkeit viel umstrittenere Zeitgenossen als Herr B(...) leben, oder die Schauplatz z. B. eines Verbrechens waren? Tatsächlich vernehme ich diesen Vorwurf in Zusammenhang mit negativer Berichterstattung das erste Mal in nunmehr über 30 Redakteursjahren." Der Leser aus Eslarn schien mit dieser Argumentation nicht zufrieden zu sein. In einer weiteren Mail entgegnete er, auch der in dem Artikel genannte Sch. sei "ein Allerweltsname, der dann näherer Beschreibung bedürfte".

Die persönliche Haltung eines einzelnen Bürgers wirke sich "sehr wohl" auf seinen Wohnort aus. "Tatsächlich wird das auch in der Öffentlichkeit so empfunden, kommentiert und diskutiert." Kommentare wie "Typisch Eslarner", "Was hat man aus dem Ort anders zu erwarten" seien im Zusammenhang mit Helmut B. "öfters zu hören oder zu lesen". Bei etlichen Gesprächen komme immer wieder die Frage auf, braucht's die Ortsnennung unbedingt?

Auch Reporterchefin Simone Baumgärtner bezog Position: "Die Behauptung, ein ganzer Ort werde wegen eines Einwohners verunglimpft, scheint mir generell schwer nachvollziehbar. Ich schätze, die Ortsangabe steht hier, weil es ungewöhnlich ist, wenn ein Nicht-Weidener eine Demonstration auf dem Weidener Festplatz organisiert. Und weil der Herr anscheinend auch keine Probleme hat, seinen Wohnort zu nennen. Die anderen im Text sind entweder bekannte Weidener oder Landkreisbürger oder durch eine Berufsbezeichnung für den Leser einzuordnen. Wäre der Organisator ein Mann aus München, hätten wir das auch genannt. Und: Auch Frau Loew als Organisatorin haben wir in einem vorangegangenen Artikel genauer vorgestellt (Hintergrund, Herkunft, Beweggründe)."

  • Die Sicht des Leseranwalts:

Ich will es in diesem Fall kurz machen und betonen, dass ich mich den Worten der Kollegen Baumgärtner und Gammanick anschließen kann. Was diese Anti-Corona-Demo in Weiden angeht, besteht nach meiner Auffassung ein legitimes Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht nur an der Veranstaltung, über die berichtet wurde, sondern auch an der Identität der daran maßgeblich beteiligten Personen. In diesem Zusammenhang hätte ich bei den im Artikel erwähnten Weidenern beziehungsweise Landkreisbürgern trotzdem nicht auf die Ortsangabe verzichtet. Denn täglich gibt es Leser, die mit diesen Leuten und Namen nicht automatisch etwas anzufangen wissen.

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