25.11.2019 - 13:54 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

(K)Eine Stunde Ruhe

Amüsanter Theaterabend mit der Komödie "Eine Stunde Ruhe" von Florian Zeller

„Primus inter pares“ war Timothy Peach, der als Michel eine Glanzrolle hatte und mit großer Präsenz diese auch fantastisch ausfüllte, wie auch das gesamte Ensemble lustvoll zu spielen wusste.
von Autor MSCProfil

Genauso muss Boulevardtheater sein: leicht und locker, frivol und frech, witzig und verwickelt. Die Komödie "Eine Stunde Ruhe" von Florian Zeller überzeugte im Stadttheater Amberg von A bis Z mit Turbulenzen, taktisch klugen Dialogen, tollen Charakteren und witzig spritziger Komik.

"Ich hab sie" jubelt Timothy Peach und stürmt durchs Parkett auf die Bühne. Triumphierend hält er die so lange gesuchte Schallplatte von Niel Youart, seinem Idol aus der Jugendzeit, hoch. "Me, Myself And I" heißt das Album, das nun genussvoll und in Ruhe angehört werden soll. Was er dafür braucht? Eine Stunde Ruhe, mehr nicht.

Der Vorhang öffnet sich, gibt den Blick frei in einen eleganten Salon in grün, weiße Möblierung, ein Schrank mit üppig bestückter Plattensammlung wie ein Altar erhöht in der Mitte, dazwischen Lautsprechertürme und davor ein bequemer Sessel - es ist eigentlich alles vorhanden für den perfekten Musikgenuss. Was fehlt ist etwas Zeit und Ruhe. Das sollte sich doch einrichten lassen! Aber es kommt ganz anders.

Wie bei einem lockeren Hefeteig, müssen auch bei einer Komödie die Zutaten passen, die Temperatur stimmen damit die Masse aufgehen kann. Und Monsieur Zeller versteht es, das Boulevardgebäck Schritt für Schritt zum Höhepunkt zu führen. Keine Längen, keine Pausen, die Zutaten harmonieren. Dabei bedient er sich bildhafter Momente, hier das Paar mit seinen Eheproblemen, parallel dazu der unfähige Handwerker, der mehr demoliert als repariert. Die Lust am Hören gerät immer mehr in den Hintergrund. Es wird gebeichtet und gehämmert und das alles an einem Samstag, der doch ein Ruhetag ist! Davon lassen sich Gattin, Sohn, Freund, Nachbar und Geliebte nicht abhalten. Sie geben sich die Klinke in die Hand und sorgen für immer neue Komplikationen und Katastrophen.

Die Produktion von Eurostudio Landgraf präsentiert für das grandiose Stück auch ein exzellentes Team: Timothy Peach als Michel, Nicola Tiggeler als seine Frau Nathalie, Saskia Valencia als Geliebte, Benjamin Kernen der beste Freund Pierre, Johannes Lukas, der Sohn Sébastien, Raphael Grosch, der chaotische Handwerker, und Reinhard Froboess, der Nachbar Pavel. Diese bunte und hochmotivierte Truppe lässt Regisseur Pascal Breuer ungebremst auf das Publikum los. Das Ergebnis: Bauchschmerzen vor lauter Lachen, schmerzende Hände nach einem überwältigenden Applaus und gute Laune beim Nachhauseweg. Dieser Theaterabend war amüsant verpackt und hat richtig gut geschmeckt!

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.