Ein wild fuchtelnder Tontechniker aus der Karibik brüllt sich die Seele aus dem Leib - seine Halsadern pulsieren: "Falsches Mikrofon, falsches Mikrofon!" Ein Augenblick der Panik bricht aus. Eric gehört seit zehn Jahren zum inneren Kreis der "Bad Boys of Reggae" und sein höchstes Gebot ist es, den Band-Mitgliedern einen perfekten Auftritt zu garantieren. Die Reggae-Takte sind laut, aber keine Stimme ist zu hören. Trevor "Skatta" Bonnick wirkt etwas irritiert, singt aber weiter. Eine lange Minute dauert die Ursachenbehebung. Und plötzlich jubelt der Saal und alle Hände schießen in die Höhe. "Ich wusste doch, dass ihr mich nicht hört. Yah, mon. Alright, alright. Fangen wir nochmal an!"
Entspanntes Lebensgefühl
Ob "Hotstepper", "Games people play" oder ein stilübergreifendes "Let it be" - die Gründer und Brüder Ian und Roger Lewis und ihre Crew vermitteln Jamaica: Ein entspanntes Lebensgefühl und Verbundenheit untereinander. Für Roger Lewis ist Musik aus allen Genres das Sprachrohr der Einigkeit. "Es ist doch egal, wer der Überbringer der Nachricht ist. Das Wichtige ist doch, wird die Nachricht verstanden?"
Der Rastafari übt große Kritik an Trump und fragt sich, warum die Farbe der Haut auf diesem Planeten immer noch eine Rolle spielt. Im Interview prangert er scheinheilige Christen und die sogenannte westliche Zivilisation an: "Kinder mit ihren aufgeblähten Bäuchen und Fliegen, die um ihre Gesichter kreisen leiden in Afrika, während sich die USA als Militärmacht der Welt aufspielt und nicht genug Geld in den Hals bekommt." Er hat keine Antwort auf die Frage der Lösung - nur, dass jeder Mensch Eigenverantwortung trägt. Die Religion der Rastafari ist von christlichem Ursprung, lehrt aber die Göttlichkeit Haile Selassies.
Zehn Jahre nach der Gründung von Inner Circle, während einer der blutigsten Phasen in der Geschichte von Jamaika, spielten sie im April 1978 auf dem berühmten "One Love Peace Concert" im "National Stadium" von Kingston. Es war Bob Marley, der damals Michael Manley und den Oppositions-Führer Edward Seaga zusammen auf die Bühne brachte und herrschende politische Konflikte mit einem Handschlag beendet werden sollten. "Die Energie war elektrisch. Als junger Kerl zu sehen, wie die Gesellschaft mit Musik verändert werden kann - unglaublich." Das war einer der bedeutendsten Momente im Leben des 66-Jährigen. Als einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere nennt er die Zusammenarbeit mit Carlos Santana und Lauryn Hill, die zusammen im Inner-Circle-Studio das Lied "To Zion" aufnahmen und produzierten.
Dank an treue Fans
Dass die "Bad Boys" ihre Jubiläums-Tournee in Deutschland beginnen wollten, kommt nicht von ungefähr. Es war ihr Hit "Sweat", der 14 Wochen in den deutschen Charts platziert war - und dafür wollen sie sich bei ihren treuen Fans erkenntlich zeigen. Sie lieben das Land und die Leute, sind begeistert von der Herzlichkeit, aber auch Direktheit. Zum Erstaunen vieler Besucher des Konzertes im Musikomm, sind sie für alle Fotos, Selfies, Autogramme und Unterhaltungen offen.
"Wir brauchen nicht arrogant oder hochnäsig zu sein", erklärt Tontechniker Eric, der jetzt entspannt und lachend seiner Arbeit nachgeht. Das wäre nicht im Sinne eines Rastafari und den Fans gegenüber nicht fair. Ihr Erfolg basiert auf Bescheidenheit. "Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Welt zu bereisen." Dafür werden sie bis an ihr Lebensende dankbar sein.











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