12.03.2020 - 15:46 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Ein Liebespaar und unendliche Möglichkeiten

Ein rundes Podest und kleine Lämpchen, die von der Decke hängen, erinnern an eine Planetenlaufbahn. Vier gestapelte Stühle bilden die Requisiten. Konstellationen von Nick Payne ist die eine etwas andere Liebesgeschichte.

Eine Liebesgeschichte - 42 unterschiedliche Möglichkeiten des Endes: Konstellationen ist ein grandioses Stück von Nick Payne über die Unendlichkeit im Paralleluniversum. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns spielen Marianne und Roland im Stadttheater Amberg.
von Dagmar WilliamsonProfil

Ein rundes Podest und kleine Lämpchen, die von der Decke hängen, erinnern an eine Planetenlaufbahn. Vier gestapelte Stühle bilden die Requisiten. Die Zuschauer am Mittwochabend im Amberger Stadttheater sind die Beobachter der Stadien einer Beziehung - so wie das erste missglückte Date. Dieser Flirt variiert sechs Mal, dazwischen akustische Trenner und Lichtwechsel. Die Dialoge bleiben fast identisch, aber Stimmung und Rollen wechseln. Mal ist es er, dann wieder sie, die wild entschlossen ist oder zögerlich agiert. Und immer wieder geht es anders aus.

42 Szenen einer Liebe werden in Konstellationen nicht chronologisch erzählt, sondern in raffinierten Vor- und Rückblenden. Das knifflige und verwirrende Spiel fordert dem Publikum hohe Konzentration ab und kann nur mit exzellenten Schauspielern gelingen, die zwischen Ernsthaftigkeit, Verletzlichkeit und purem Glücksgefühl mit Humor hin- und herspringen können.

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns verkörpern die Protagonisten mit so viel Perfektion, dass der Glaube an ein Paralleluniversum nicht mehr infrage gestellt werden kann. Präzise und leidenschaftlich geben sie sich in den Rollen des Bienenzüchters Roland und der Quantenphysikerin Marianne. Die erste Begegnung, die erste gemeinsame Nacht, die Enthüllung der Untreue, der Heiratsantrag, ein Gehirntumor und Sterbehilfe - das ist der Verlauf der Romanze.

Roland orientiert sich an der Erfahrung, die er mit seinen Bienen gewonnen hat: Klare Strukturen, klare Funktionen. Marianne hingegen nutzt die Sprache der Teilchenphysik und der Mathematik, um über das irdische Dasein und Handeln zu philosophieren: "Die Grundgesetze der Physik kennen weder Vergangenheit noch Gegenwart. Zeit ist irrelevant auf der Ebene von Atomen und Molekülen. Wir haben alle Zeit, die wir jemals hatten. Du wirst immer noch all unsere Zeit haben. Es wird weder mehr noch weniger davon geben. Wenn ich weg bin." Und dann beginnt alles wieder neu - bei einem unverhofften Wiedersehen in einer Tanzschule. Nick Payne gelang es vor acht Jahren mit diesem Stück, Komödie mit Tragik zu verbinden, ohne, dass es schwer wird. Hochphilosophische und existenzielle Fragen werden mit verblüffend fröhlichen Szenen durchmischt.

Gibt es Zufall oder ist es Schicksal? Ist Zeit nicht nur relativ, sondern gar unerheblich? Das sind die Fragen, die sich der junge Autor stellte, als er mit dem Tod seines Vaters konfrontiert wurde und in "Konstellationen" mit Hilfe seiner hoffnungsvollen Gedanken an Multiuniversen verarbeitete. Für das Publikum ist dieses Stück ein Segen, legt es doch nahe, im Moment zu leben, einfach zu sein, und den Augenblick zu genießen.

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