25.01.2019 - 08:31 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Lust auf Sex mit Goethe

Leila Lowfire ist Podcasterin ("Besser als Sex"), Model und Schauspielerin: Sie machte nicht nur im RTL-Dschungelcamp auf sich aufmerksam, sondern auch mit ihrer Wortwahl. Womit sich die Frage stellt: Was ist dem Leser zuzumuten?

Leila Lowfire bei einer „Echo“-Verleihung. Im RTL-Dschungelcamp hat sie ihr Beuteschema verraten, was Männer angeht.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Der Artikel, um den es hier geht, stand kürzlich auf der "Weltgeschehen"-Seite. Überschrift: "Schwache Quoten". Unterzeile: "Dschungel-Zeit bei RTL: Die Kandidaten liefern". Ein Leser aus Amberg kommentierte: "Jetzt brechen scheinbar alle Dämme."

Ihm ging es in seiner Mail um die Sex-Podcasterin Leila Lowfire und folgenden Ausspruch von ihr, der in dem dpa-Artikel als Zitat wiedergegeben wurde: "Ich bin schon eher so'n Charakterficker. Mein Typ ist Goethe. Wenn Goethe heute noch leben würde, dann in meiner Vagina". "Über dieses Weib Leila Lowfire will ich mich nicht weiter äußern", schrieb der Amberger Leser, "aber ihre primitiven Aussagen im neuen Tag zu finden, macht mich eher zornig als ratlos." Er beziehe die Amberger Zeitung seit mehr als einem halben Jahrhundert. Lowfires Worte so abzudrucken, sei für ihn "einer der Höhepunkte journalistischen Versagens". Abschließend fragte sich der Leser: "Wie kann das passieren?"

"Auch wenn es kritische Worte sind - vielen Dank dafür", antwortete ich in meiner Funktion als Leseranwalt. Ist doch Kritik für uns immer wieder Anlass, uns und unsere Arbeit zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Die zitierte Stelle muss nicht gefallen, auch ich hatte gewisse Probleme damit. Von einem "journalistischen Versagen" könne allerdings keine Rede sein, schrieb ich dem langjährigen Zeitungsleser aus Amberg. Denn "dann müsste man dieses auch so renommierten Medien wie ,Zeit', ,Tagesspiegel', ,Spiegel' oder ,Frankfurter Allgemeine' vorwerfen. Auch sie haben diesen von dpa angebotenen Artikel mit der Aussage dieser Leila Lowfire veröffentlicht."

Manchmal treffe die Sprache der Berichterstattung nicht jedermanns Geschmack. "Hier hat sich Lowfire einer gewissen Sprache bedient, die polarisiert. Ob es gut oder schlecht war, ob es richtig oder falsch war, das von Ihnen monierte Zitat zu bringen, darauf möchte ich hier nicht näher eingehen. Ich habe aber eine Meinung dazu: Aus journalistischer Sicht kann man das veröffentlichen. Wird damit doch auch in gewisser Weise schwarz auf weiß dargelegt, um welche Art von Sendung es sich beim Dschungelcamp handelt und wie die Mitwirkenden ,gestrickt' sind. Im Gesamtzusammenhang betrachtet, ist dieses Zitat damit nicht einmal so unwichtig und sogar recht aussagekräftig. Wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung, gut möglich, dass es innerhalb der Kollegenschaft unterschiedliche Ansichten dazu gibt."

Die Mail an den Leser schloss ich so: "Ihnen ist sicherlich Rudolf Augstein ein Begriff. Sein Leitspruch: ,Sagen, was ist'. In diesem Sinne." Übrigens: Der Amberger Abonnent dankte für die in seinen Augen "sehr fundierte und sachliche" Antwort und fügte dem noch hinzu: "Sie hat mich überzeugt!"

 

 

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