04.09.2018 - 18:01 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Martin Sturm gibt Orgelkonzert

Was Eingeweihte ahnten, bewahrheitet sich in der Schulkirche: Der Organist Martin Sturm entfacht bei einem Konzert einen Sturm der Begeisterung.

Der Velburger Organist Martin Sturm (1. Preisträger der ION Nürnberg 2018) an der Sandtner-Orgel der Schulkirche Amberg
von Peter K. DonhauserProfil

2018 steht für einen Meilenstein in der Karriere des herausragend begabten Musikers: Er gewann im Juni den ersten Preis beim renommierten Wettbewerb der Internationalen Orgelwoche Nürnberg. Sein Auftritt in der Amberger Orgelmusikreihe (das zehnte von elf Konzerten) ist wie gewohnt bestens besucht. Deren Termin, der prachtvolle Kirchenraum, die außerordentlich klangfarbenreiche Königin der Amberger Orgeln (Sandtner 1993, 26/II/P) sind attraktiv. Der unterirdisch miserable Auftritt von Enrico Presti vor zwei Wochen blieb glücklicherweise ohne abschreckende Spätfolgen.

Mission Mendelssohn

Martin Sturm, 1992 in Regensburg geboren, beginnt sein Programm mit der Sonate A-Dur op. 65/3 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit überragendem Klanggespür weckt er die frühromantischen Farben der Sandtnerin, die charmante Schalmei 8 darf das Plenum delikat einfärben, immer ist eine bestechende Transparenz gewahrt. Vom ersten Ton an fasziniert Sturms Kunst einer atmenden Phrasierung, die Struktur und Zusammenhang schafft, die die Töne schier aus dem Gefängnis der Taktstriche befreit. Erhellend, wie er den phrygischen Beginn der Fuge als doppelte Fragegeste deutet. Den Choral "Aus tiefer Not schrei' ich zu dir" spielt er gravitätisch im Pedal, ohne die polyphonen Fugenstrukturen darüber zuzudecken. Temperamentvoll das feurige Pedalsolo, mit meditativer Ruhe singen die Flötenstimmen den Andante-Schlusssatz.

Dann zeigt Sturm sein Talent als Improvisator: Mit einer formal freien "Metamorphose" legt er ungeahnte Farben der Orgel frei: Reduktion des Winddrucks durch teilweise gezogene Registerschwerter, mit Buntstiften fixierte Tasten, Ausschalten des Gebläsemotors. Zu diesen Bildern des Ersterbens fügt Sturm, der in Velburg lebt, "menschliche" Töne, gespielt auf der Melodika, eine Metamorphose, eine Wandlung, die speziell die Musik, nicht die Malerei so zwingend darstellen kann.

Kunst der Improvisation

Die folgenden vier Sätze der "Missa pro organo" sind tonal und formal konventioneller, wenngleich mit großer Raffinesse, Virtuosität und durchaus Ironie und Witz gewürzt. Ein Concerto im Stil von Heinrich Knecht zum Offertorium, eine italienische Luft atmende, erstaunlich besinnliche Toccata, ein Kuckucks-Stück im Stil von Johann Caspar Kerll zur Communio und eine prächtige Doppelfuge als Postludium, alles improvisiert mit Spaß am Spiel, meilenweit fern jeder akademisch-trockenen Fingerübung. Standing Ovations. Man darf auf die weitere Karriere dieses jungen Organisten gespannt sein.

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Martin Sturm

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