07.05.2019 - 15:53 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Musik, die den Zeitgeist aufnimmt

Der Pianist Jermaine Landsberger zählt durch seine „Ausbrüche“ aus der Gypsy-Tradition als Avantgardist der europäischen Gypsy-Szene. Nach einem sensationellen Gastspiel in London kommt er mit seinem neuen Projekt nach Amberg.

Innerhalb der Konzertreihe „Jazz is back in town“ gastieren am Dienstag, 14.Mai um 20 Uhr im Casino Saal Amberg Jermaine Landsberger (links) und Sandro Roy. Ihr aktuelles Projekt heißt „Modern Gypsy Jazz“.
von Louis ReitzProfil

Sein kraftvolles und sogleich melodisches Piano-Spiel würzt Jermaine Landsberger mit hörbaren Elementen der Gypsy-Musik. Mittlerweile kann er auf europaweite Tourneen zusammen mit internationalen Musikern wie zum Beispiel Randy Brecker, Bob Mintzer, Larry Coryell zurückblicken. Sein in den USA besonders erfolgreiches Album „Gettin Blazed“ wurde in Los Angeles produziert. Im Studio mit dabei: US-Jazzstars wie Pat Martino, Harvey Mason, James Genus! Neun Wochen lang war Jermaine mit diesem Album unter den Top 10 der US-Jazzcharts.

Sandro Roy, Shootingstar an der Violine im Bereich Klassik und Jazz, gilt als einer der vielversprechendsten jungen Jazzviolinisten weltweit. 2015 veröffentlichte er seine Debüt-CD “Where I Come From”, seitdem hat der junge Ausnahmeviolinist eine bemerkenswerte Karriere absolviert und spielte bei diversen großen Festivals in Europa und auch in den USA. Neben Auftritten und Preisen folgten einige Fernsehauftritte, so u.a. beim ZDF Morgenmagazin und Gastspiele auf Schloss Bellevue in Berlin bei Bundespräsident Joachim Gauck sowie Frank-Walter Steinmeier.

Am Dienstag, 14. Mai (20 Uhr), findet das letzte Konzert der Reihe „Jazz is Back in Town“ in der Spielzeit 2018/19 mit dem Jermaine-Landsberger-Trio feat. Sandro Roy im Casino-Saal in Amberg statt.

Im Gespräch erläutert Jermaine Landsberger seine musikalischen Intentionen:

ONETZ: Sie sind in Maxhütte/Haidhof in der Oberpfalz geboren und wohnen in Nürnberg. Können Sie kurz ihren eigenen Werdegang beschreiben? Für einen Sinti ist das Klavier ja nicht gerade typisch, man denkt da eher an eine Gitarre oder eine Geige.

Jermaine Landsberger: Ich stamme aus einer sehr musikverbundenen Familie. Mit 14 trat ich schon als „Entertainer“ bei Festen auf. Als ich 18 war, habe ich mich für das Jazz-Piano interessiert, für Leute wie Oscar Peterson, Keith Jarrett oder Herbie Hancock. Damit habe ich die Liebhaber der traditionellen Sinti-Musik etwas verschreckt. Andererseits gab es kaum einen anderen Sinti, der als Jazz-Pianist bekannt war, und ich hatte ein Alleinstellungsmerkmal. Mir wird immer wieder bestätigt, dass ich als Sinti vom Ausdruck her eine andere Spielkultur einbringe. Ich spiele gerne Musik, die den neuen Zeitgeist aufnimmt.

ONETZ: Der 25-jährige Geiger Sandro Roy ist relativ neu in der Szene. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Sandros Vater, ein begeisterter Jazz-Gitarrist, ist ein Freund unserer Familie. Ich kenne Sandro schon als Fünfjährigen. Er ist mit der Musik aufgewachsen. Als er 13 war, haben wir schon zusammen gejammt, und schon damals ist sein herausragendes Talent aufgefallen. Er kam auch öfter zu meinen Konzerten mit Bireli Lagrene oder Stochelo Rosenberg, und ich habe ihn auch gelegentlich auf die Bühne geholt. Bei seiner ersten Platte habe ich dann als Gast mitgewirkt. Heute ist er im Jazz und auch in der Klassik wahnsinnig erfolgreich. Im letzten Jahr waren wir viel unterwegs. Ein Höhepunkt war ein Auftritt im legendären Londoner „Ronnie Scott‘s Jazz Club“ und auch mit Klassik ist er viel unterwegs, vor kurzen erst spielte er als erster Geiger zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester im Prinzregententheater. Meist ist man nur in einer Gattung erstklassig und spielt das andere eher nebenbei. Aber Sandro spielt Klassik und Jazz auf höchstem Niveau.

ONETZ: Am Bass steht diesmal Markus Schieferdecker, am Schlagzeug sitzt Matthias Gmehlin. Wie lange arbeiten Sie schon mit diesen Musikern zusammen und was schätzen Sie an ihrem Spiel?

Mit Matthias Gmehlin arbeite ich schon seit 1996 zusammen. Er war auf meinen beiden ersten CDs dabei: Er ist ein begnadeter Münchner Drummer. Ich bin sehr froh dass er diesmal wieder dabei ist. Die Rhythmusgruppe ändert sich immer wieder, da jeder auch viele andere Projekte hat, die sich überschneiden. Aber die Musik bleibt immer gleich. Wir sind eine feste Band, und es geht nicht darum Sandro herauszustellen.

ONETZ: Das Konzert steht unter dem Motto „Modern Gypsy Jazz“. Was erwartet uns musikalisch?

Es gibt Kompositionen von mir und auch von Sandro, und natürlich auch Klassiker von Django Reinhardt, aber natürlich moderner gespielt. Tradition und Moderne werden gleichermaßen bedient.

ONETZ: Im vergangenen Jahr gastierten sie im legendären Ronnie Scott‘s Club. Hier gingen die Ikonen der Jazzgeschichte ein- und aus. Wie war das Konzert?

Hier spielen normalerweise die großen amerikanischen Stars, als Jazzmusiker aus Deutschland hat man dort kaum eine Chance. Wir wurden auch von der BBC zu einer Live-Show in London eingeladen, wo wir auf den Gebiet der modernen Weiterentwicklung der traditionellen Gypsy-Musik Neuland betraten. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und beide Shows waren ausverkauft!

ONETZ: Waren Sie schon einmal in Amberg?

Für Sandro und mich ist es der erste Auftritt in Amberg. Natürlich kenne ich Amberg, ich bin ja nicht weit davon aufgewachsen. Ich freue mich dass der Jazz zurückkommt nach Amberg.

Karten sind in der Tourist-Information Amberg (Hallplatz 2), Telefon 09621/101233 oder per E-Mail unter tourismus[at]amberg[dot]de erhältlich.

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