10.12.2019 - 14:42 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Musikalische Heimat Oberpfalz

Das Regensburger Vokalsextett „Stimmgold“ kommt zu einem Konzert nach Amberg. Im Interview verrät Tenor Christoph Schäfer, warum ihnen das Oberpfälzer Liedgut so wichtig ist.

"StimmGold": Jakob Steiner, Marlene Kraft, Christoph Schäfer, Christina Müller, Helene Grabitzky und Marlo Honselmann (von links)
von Anke SchäferProfil

Noch zählen „StimmGold“ zu den heißen Geheimtipps unter den Vokalensembles. Neben der klassischen Ausbildung eint die sechs Sänger die Freude am anspruchsvollen Gesang und ein bemerkenswertes Repertoire. Vor dem Konzert am Freitag, 13. Dezember um 19 Uhr in der Mariahilfbergkirche in Amberg hat die Kulturredaktion bei Tenor Christoph Schäfer nachgefragt:

ONETZ: Herr Schäfer, beim Blick auf die vielfältigen beruflichen Aktivitäten der StimmGold-Mitglieder fragt man sich mit Staunen: Wann finden Sie überhaupt noch Zeit für gemeinsame Proben?

Christoph Schäfer: Die Planung der Proben und Konzerte stellt uns in der Tat vor Herausforderungen. Aktuell leben zwei unserer Mitglieder in der Schweiz und Österreich, da muss alles sehr gut geplant und effizient vorbereitet sein. Im Vergleich zu den wöchentlichen Abendproben während des Studiums wird das Notenmaterial nun vorab versendet und an mehreren Probentagen am Stück zusammengesetzt. Dann geht es direkt los mit ersten Konzerten.

ONETZ: Das Ensemble hat sich 2014 gegründet. Wie haben Sie damals alle zusammengefunden?

Ausschlaggebend war der gemeinsame Kurs „Vokale Kammermusik“, geleitet vom ehemaligen SingerPur-Mitglied Klaus Wenk, durch den wir unter professio- neller Anleitung erste geistliche Vokalwerke zu Gehör brachten. Im Kurs merkten wir schnell, dass wir einerseits gut zusammen musizieren und uns andererseits auch außerhalb des Unterrichts privat verstanden. Da lag es nahe mehr aus dem Zusammengefundenen zu machen.

ONETZ: Bis zum gerade erst erschienenen Debüt-Album haben Sie sich fünf Jahre Zeit gelassen. Warum so lange?

Mit Ende des Studiums 2017 änderte sich die Besetzung des Vokalensembles berufsbedingt, und die Positionen Sopran 2 und Bass 1 wurden neu besetzt. Im Anschluss fanden wir zu einem neuen Ensembleklang. Ende 2018 fiel dann der Entschluss gemeinsam mit dem Label „Spektral Records“ erste Aufnahmen zu starten. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden! Ein ausgewogener Ensembleklang gepaart mit einem abwechslungsreichen Programm.

ONETZ: StimmGold zeichnet sich durch ein Händchen fürs Besondere aus. Läuft die Zusammenstellung der Programme eigentlich basisdemokratisch ab oder gibt einer den Ton an?

Das freut mich sehr, wenn StimmGold mit besonderen Werken/Programmen in Verbindung gebracht wird! Vorschläge zu Stücken bringen definitiv alle Mitglieder bei uns ein. Dann wird gesichtet, aussortiert, geordnet und am Ende zu sechst das Programm am runden Tisch diskutiert und schließlich finalisiert. Da Jakob Steiner und ich selbst als Dirigenten arbeiten, schließen wir uns meist vor diesen Prozessen zusammen und sprechen über bevorstehende Musikerjubiläen, auch Programmtitel oder tolle Literatur. Über alles was zu StimmGold passen könnte. Im Anschluss gibt es eine Grundidee. Einen Rahmen auf dem dann aufgebaut werden kann.

ONETZ: Wie wichtig sind Ihnen Reminiszenzen ans Oberpfälzer Liedgut wie sie auf dem Album und im Konzertprogramm zu finden sind?

Seit Gründung des Ensembles ist uns dieser Punkt mehr als wichtig. Heimat kann ja so vieles bedeuten. Die musikalische Heimat und Tradition spielt dabei für uns alle eine große Rolle. Auf der Debüt-CD befinden sich deshalb vier traditionelle Stücke mit Harfe- oder Hackbrettbegleitung. Zusätzlich gibt es seit Dezember 2019 zur CD ein 64-seitiges Notenheft mit uns liebgewonnen Dreigesängen, herausgegeben in Zusammenarbeit mit „Conrad & Weißkopf“.

ONETZ: Unter dem Stichwort Regensburger Kompositionswettbewerb fördern und unterstützen Sie auch die zeitgenössische Musik. Wie kam es zu diesem Engagement und welches Ziel verfolgen Sie damit?

Als junges Ensemble wollen wir nicht nur Werke aus der Vergangenheit, sondern eben auch der aktuellen Jahre oder gar der Zukunft zu Gehör bringen. Im Zuge unseres Wettbewerbs sind bisher über 150 für StimmGold komponierte Werke eingetroffen. Neben den drei Preisträgerstücken - die mit insgesamt 3.000 € prämiert werden - versuchen wir möglichst viele der weiteren Werke in unsere Programme aufzunehmen. So konnten in den letzten Jahren bereits knapp 20 Uraufführungen verzeichnet werden. Eine Erfolgsgeschichte für Komponisten, Ensemble und zeitgenössische Vokalmusik, die im kommenden Jahr unter dem Titel „Winterlichter“ in eine neue Auflage gehen wird.

ONETZ: Und wenn Sie zu Weihnachten auch einen Wunsch für die StimmGold-Zukunft frei hätten – welcher wäre das?

Ach, da wäre ich ganz bescheiden: Gesundheit ist bei SängerInnen gerade in der kalten Jahreszeit sehr wichtig. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir in der Zukunft noch das ein oder andere Land mit unserer Musik bereisen und immer mehr Menschen erreichen dürfen.

Info:

Zum Ensemble

Helene Grabitzky (Sopran) stammt aus Passau, ist freie Mitarbeiterin beim MDR Rundfunkchor, festes Mitglied bei Vocappella Innsbruck und unterrichtet an den Landesmusikschulen Ötztal und Mittleres Oberinntal.

Christina Müller (Sopran) ist in der nördlichen Oberpfalz aufgewachsen. Seit 2012 leitet sie den Gesangverein Regenstauf, 2018 übernahm sie die musikalische Leitung der Musikschule Hemau und ist zudem Lehrkraft an der Städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg.

Marlene Kraft (Alt), gebürtige Passauerin, ist Chormitglied des Heinrich-Schütz-Ensembles und der Audi-Jugendchorakademie.

Christoph Schäfer (Tenor), gebürtiger Münchner, wurde von Dirigent Enoch zu Guttenberg gefördert und leitet seit 2016 das Junge Orchester des Akademischen Gesangsvereins München, seit 2017/2018 unterrichtet er Chorleitung an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg. Im März 2019 wurde er in das Dirigentenforum aufgenommen.

Marlo Honselmann (Bariton) stammt aus Winterberg, war Mitglied der Audi Jugendchorakademie und gab sein Theaterdebüt 2018 in Fürth. Er ist Mitglied im Neuen Kammerchor Regensburg.

Jakob Steiner (Bass), aufgewachsen in München, ist Mitglied im Ensemble Cantissimo und im Schweizer Vokalconsort und arbeitet als freiberuflicher Chorleiter und Musikjournalist für die Neue Zürcher Zeitung.

Info:

Service

Das Konzert „Goldene Momente zur Weihnacht“ am Freitag, 13. Dezember in der Mariahilfbergkirche Amberg beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Am Samstag, 14. Dezember ist StimmGold um 12.05 Uhr bei der Mittagsmusik in der Niedermünsterkirche in Regensburg zu hören, der Eintritt ist frei.

Das Debüt-Album“Goldene Momente zur Weihnacht“ ist am 4. November beim Label „Spektral“ erschienen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.