26.05.2020 - 14:49 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Oberpfälzer Kreative trotzen dem Virus: Watsch'n für das Corona-Virus

Corona mit schwarzem Humor, albernen Sketchen und bunten Grillen trotzen: 18 Kreative aus der Oberpfalz geben auf #staycreativeoberpfalz ihr filmisches Statement ab: Wir lassen uns nicht unterkriegen.

Filmemacher Hubertus Hinse watscht sich selbst: Schickt eure besten Watschen-Videos an den Workshop-Leiter!
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kunstvolles Foto-Porträt der Schwarzach

Nabburg

Künstler haben beim Shut-down wenig zu lachen: Veranstaltungen mit mehr als einem Nachbarn sind abgesagt, Ausstellungen aufgeschoben, das Brotlose der Kunst ist in Corona-Zeiten wörtlich zu nehmen. Bleibt den Kreativen noch das weite Felde der sozialen Medien. Wo sich andernorts Wutbürger und Verschwörungstheoretiker ungeniert auskotzen, machen Autoren, Bildhauer, Filmemacher, Kabarettisten, Musiker und Lebenskünstler Mut, Spaß oder nachdenklich.

18-mal kreativer Oberpfälzer Humor auf YouTube

Aufruf zur Ausstellung

Mit bildnerischem Ernst macht Hanna Regina Uberaus der Not eine Tugend: "Als der Lockdown kam, waren wir gerade mit unserer zehnköpfigen Performancegruppe mitten in einer hochenergetischen Probephase für die Performancenacht ,Am Puls' - ich kam mir vor wie eingefroren, auf Null runtergebremst."

Statt in der Schockstarre zu verharren, setzt sie den tänzerischen Stillstand in einer Skulptur um,: "Die Position ist erstarrt, der Kopf in einem Karton, die Sicht stark eingeschränkt." Und liefert die Ausstellungsidee gleich mit: "In dieser besonderen Zeit, in der wir Zeit haben nachzudenken, werden sicher viele spannende Kunstwerke entstehen - deshalb planen wir in unserer Galerie, sobald es wieder möglich ist, eine Ausstellung zum Thema Corona." Eingeladen sind alle, die sich künstlerisch angesprochen fühlen: "Schickt uns eine Nachricht, wenn ihr ein Gedicht, einen besonderen Text, ein Bild oder eine Skulptur habt, die sich mit dem Thema auseinandersetzt." Die Galerie im Kunstprojekt in Aschach (bei Freudenberg) will diesen besonderen Arbeiten ein Podium geben.

Hanna Regina Uber lässt ihre Skulptur Corona tanzen.

Ohrfeigen-Musikvideo

Interaktiv geht auch Theaterpädagoge und Filmemacher Hubertus Hinsesein Solidaritätsprojekt an: "Ich sitze ein bisschen auf dem Trockenen", beschreibt der Bielefelder mit Wohnsitz in Regensburg seine Situation. "In den großen Studios steht alles still, Drehgenehmigungen sind kaum zu kriegen." Theaterworkshops könne man ebenfalls vergessen. "Eigentlich hätte ich gerade für die Acting Academy, einen wunderbaren Workshop den Aspekt Bühnenkampf übernehmen sollen." Ein sehr kontaktintensives Unterfangen: Was soll er also machen? "Ich produziere kleine Lehrvideos und Mitmachaktionen für die Teilnehmer." Ein geräuschvolles Beispiel: die Watsch'n. "Anhand der Ohrfeige kann man sehr schnell erklären, wie die Prinzipien des Bühnenkampfs funktionieren: Ich gehe behutsam mit meinem Partner um und sorge für die entsprechenden Soundeffekte."

Und dann zeigt Hinse, mit einem kleinen filmischen Trick, wie er sich selbst geräuschvoll ohrfeigt: Mit einer Hand greift er das Kinn seines Doppelgängers, holt mit der freien Hand aus und klatscht in die eigene Hand. "Das funktioniert nur, wenn beide Seiten entsprechend mitspielen." Sein Pendant schaut dabei ganz bezaubernd bedröppelt aus der Wäsche. "Jetzt seid ihr dran: Was ich mir von euch wünsche, ist eine Ohrfeigensammlung." Teilnehmer sollen Hinse ihre Ohrfeige aus allen Perspektiven einschicken: "Mal von vorne, mal von der Seite, mal von hinten - überlegt euch immer, aus welcher Perspektive es fürs Publikum am besten aussieht." Und der Profi selbst? "Ich versuche aus allen Ohrfeigen, die da so kommen, ein kleines Ohrfeigen-Musikvideo zusammenzubasteln."

So watscht man richtig!

Rock-in-Park-Festival simuliert

Auch der freiberufliche Vollzeit-Musiker Winfried Rudrof alias Winnie Wonder oder Dr. Love appelliert an die Inspiration seiner Zuschauer: "Schreibt auf, wie's euch geht, nehmt euch irgendetwas, mit dem ihr Musik machen könnt - Kochtöpfe oder eine Flöte." Auf einer Melodika von Hohner fahndet der Corona-arbeitslose Rocksänger und DJ selbst nach einer Melodie für seinen neuen Song "A new Life".

Ansonsten versucht das Amberger Original ein wenig Geld zu verdienen zum Beispiel als Online-DJ: "Ich hab' das Rock-in-Park-Festival simuliert, lege auf mit meinen Turntables, das wird abends zu einem richtigen Set mit allem, was dazugehört." Und freut sich, bald wieder mit allen zusammen auf Festivals zu feiern: "Wir stehen das durch!"

Rockmusiker und DJ Winnie Wonder alias Dr. Love.

Urlaub dahoam: Aufruf zur Expedition in die Heimat

Deutschland und die Welt

Schwaifel von Daifel

"Wenne wer einnest zou Regensburg koman", verhohnepiepelt der Rodinger Künstler Klaus Schwafi Schwarzfischer bei einer Video-Lesung aus seinem neuen Buch "Wahrheit über Regensburg" ein bekanntes Regensburger Spottlied: "Tuet nit wollan de Donau drin schwoman, tuet nit springan in disse Fluten, habet vill Furchete, zaiget nit Muten." Wenn die Variante der mitnichten mittelhochdeutsch nachgedichteten "Als wir jüngst in Regensburg waren"-Variante in den Tiefen der Donau "untan, wo Schwaifel von Daifel hot grauselik stunkan" im Lärm von Martinshorn und Babygeschrei untergeht, steigt dezent Rauch auf.

Klaus "Schwafi" Schwarzfischer dichtet fast mittelalterlich

Drei Affen

Michaela Peter gesellt sich in ihrem Kurzfilmchen bei lauter Zirkusmusik zu den sprichwörtlichen drei Affen, die nichts sehen, hören und sprechen wollen: "Daran fühle ich mich in der momentanen Situation erinnert."

Richie Neckerträgt aus seinem Home-Recording-Studio in Laaber ausnahmsweise eine bayerische Weise vor: "Mit dir am Fluss im Boot im Morgengrauen", da möchte er jetzt lieber sein.

Berufsmusiker und Gitarrenlehrer Michael Dandorfer nimmt die Zuschauer mit auf einen Tag in sein Homeoffice: Vom Frühstückskaffee, über Tontechnik, solange er vormittags noch "frische Ohren hat", und Proben eines Songs für sein neues Album bis zu Lernvideos.

Michaela Peter erinnert die Situation an die drei Affen.

Kein bierernster Backkurs

Bloggerin und Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier beklagt berufsbedingt nicht bierernst mangelnde kreative Fertigkeiten und versucht sich mit wenig kulinarischem Ehrgeiz an einem Brotback-Workshop: Das Ergebnis der kreativ variierten Rezeptur: "Kreativ durch die Krise, do hob etz i glearnt, dass ma a Brot a leffln ko", sagt die Südoberpfälzerin aus der Heimat des Nebels. "Da kriagt ma a bissl Sodbrenna draf."

Imkerin Stefanie Zehetbauer nimmt die Zuschauer mit zu ihren Bienen im Lockdown: "Ich hänge eine Futterwabe ein, dann können sich das die Bienen an den drei kalten Tagen holen."

18 Beiträge, manche so schnell, dass man sie kaum wahrnimmt: Das Zeitrafferschminken einer Make-up-Artistin, Hände am Klavier mit eingeblendetem Applaus, ein Kellner serviert sich sein eigenes Weizen im Hinterhof - und die Namen der Amberger Künstler von Achim Hüttner bis Heini Hohl. Fehlt nur noch der Mäzen, der seinen Rettungsschirm über all jenen künstlerischen Geistern aufspannt, die unser Leben bunter machen.

Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier versucht sich als kreative Brotbäckerin.

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