13.12.2020 - 17:46 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Prozess in Amberg: Keine Gnade für Berufsverbrecher

Die falschen Hunderter stammen von der Mafia in Neapel. In Spanien wechseln sie den Besitzer und werden auf einem Rastplatz neben der A 6 bei Amberg gefunden. 46 000 Euro haben zwei Rumänen dabei. Jetzt muss einer davon in Haft.

Seine Heimat wird der vor dem Amberger Landgericht Verurteilte nun lange nicht mehr wiedersehen.
von Autor HWOProfil

Die Reise, unternommen in einem Saal des Amberger Landgerichts, führte quer durch Europa. Das zu verhandelnde Geschehen spielte sich in Spanien, Italien, Belgien und Deutschland ab. Im Mittelpunkt stand ein hoch krimineller Mann aus der rumänischen Stadt Arat. Dort, wo der 35-jährige Valentin-Petru B. schon neun Jahre im Gefängnis saß, warten Frau und Sohn auf ihn. Sie werden sich ein Jahrzehnt gedulden müssen.

Länderübergreifend ermittelt

An einem Novembertag im letzten Jahr kontrollierten Zivilfahnder der Autobahnpolizei zwei Rumänen, deren Auto auf einem Rastplatz neben der A 6 bei Illschwang (Kreis-Amberg-Suzbach) stand. Die beiden Männer hatten insgesamt 46 000 Euro dabei. Die Hunderter-Scheine waren gefälscht und lösten länderübergreifende Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) aus. Der Fahrer des Wagens bekam später 18 Monate zur Bewährung vom Amberger Amtsgericht und konnte nach längerer Untersuchungshaft gehen. Er war, so stellte sich heraus, nur als Chauffeur angeheuert wurden.

Im Fokus der Nachforschungen stand Beifahrer Valentin-Petru B. Er legte angesichts seiner aussichtslosen Lage vor Vernehmungsbeamten des Landeskriminalamts ein Geständnis ab. Dabei offenbarte sich: Die falschen Geldscheine hatte er in dem bei Valencia liegenden spanischen Ort Onteniente von zwei Leuten gekauft. Für die Blüten legte der 35-Jährige 3500 echte Euro auf den Tisch und verpflichtete sich, weitere 7500 Euro in echten Scheinen nachzureichen. Dann flog er zurück nach Rumänien.

Die später bei Amberg gestoppte Fahrt hätte nach Belgien führen sollen. In Brüssel wollte der Familienvater mit dem Falschgeld Gebrauchtwagen kaufen und nach Rumänien bringen lassen. Das alles erzählte der 35-Jährige heuer im Herbst einem Amberger Schöffengericht und bekam zwei Jahre und drei Monate zum Absitzen. Mit seinem Pflichtverteidiger Helmut Miek aus Sulzbach-Rosenberg ging der Rumäne in Berufung.

Vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts wurden nun weitere Details der tief ins organisierte Verbrechen reichenden Geschichte deutlich. Zum Beispiel: Die auf der iberischen Halbinsel erworbenen Hunderter-Blüten stammten aus Kreisen der neapolitanischen 'Ndrangheta. "Eine Mafiagröße" hatte laut einem vernommenen LKA-Ermittler den Deal bei Valencia vermittelt.

Der Berufungsprozess offenbarte allerdings noch etwas ganz anderes: Eine italienische Staatsanwaltschaft wartet darauf, dass der Mann aus Rumänien, der auch einen Wohnsitz in Bayern hatte, ausgeliefert wird. Wegen Menschenhandels muss er noch acht Jahre, neun Monate und 29 Tage abzitzen. "Warum?", fragte nun der Strafkammervorsitzende Peter Hollweck. Er hörte: Es ging um junge Frauen aus Rumänien, die nach Italien gebracht und zur Prostitution gezwungen wurden.

Spätere Auslieferung

"Fällt da eine bei uns wegen Geldfälschung zu verhängende Strafe noch ins Gewicht?", fragte Verteidiger Miek und regte die Einstellung des Verfahrens an. Doch da biss er bei Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler auf Granit: "Ausgeschlossen, wir haben einen Verbrechenstatbestand." Das sah auch die Strafkammer so. Der 35-Jährige wird seine Heimat lange nicht mehr sehen. Wegen Geldfälschung bekam er vom Landgericht in Abänderung des Ersturteils zwei Jahre Haft. Wenn er sie verbüßt hat, wird der "Berufsverbrecher" (O-Ton des Oberstaatsanwalts) an italienische Behörden ausgeliefert. Das hat Oberlandesgericht Nürnberg angeordnet.

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Hintergrund:

Blüten von der Mafia

Neapel hat sich in den letzten Jahren zu einem europäischen Zentrum der Falschgeldherstellung entwickelt. Hinter der Blüten-Produktion steckt offenbar die Mafia. Beim Prozess in Amberg wurde deutlich, dass bayerische Behörden wie das Landeskriminalamt (LKA) eng mit italienischen Dienststellen zusammenarbeiten, wenn es um Falschgeldfunde und die Verfolgung von Spuren geht. Da gebe es nahtlose Kontakte, bestätigte ein LKA-Spezialfahnder. Anders sieht es aus, wenn – wie im vorliegenden Fall – Nachforschungen von deutscher Seite aus in Rumänien stattfinden sollen. Von dem aus München angereisten Beamten erfuhren die Richter: „Da schicken wir ein Ermittlungsersuchen hin und hoffen darauf, dass es irgendwann mal einer liest.“

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