Buenas noches und herzlich willkommen auf Kuba, der größten Antilleninsel! Während draußen eine mäßig kalte Amberger Winternacht herrschte, entzündeten Olvido Ruiz Castellanos und Lázara "Cachao" López am letzten Tag des Jahres im großen Rathaussaal karibisch-heiße Lebensfreude.
Kubanische Musik? Da denkt man natürlich an den Buena Vista Social Club, jenes inzwischen legendäre Projekt des amerikanischen Gitarristen Ry Cooder und diverser Altmeister der Insel. Heute führen junge Künstler diese Musik fort. Eine davon ist Sängerin Olvido Ruiz Castellanos, wunderhübsch anzuschauen und mit viel Charme und einer fantastischen Stimme ausgestattet. Neben ihr am geöffneten Flügel Pianistin Lázara "Cachao" López, Tochter von Orlando „Cachaíto“ López (Bassist und Gründungsmitglied des Buena Vista Social Clubs).
Gemeinsam brachten sie die Danzóns und Cha-Cha-Chas ihrer Heimat mit viel Gefühl und dem nötigen Feuer auf die Bühne. Eingerahmt von geschmackvollen blutroten Weihnachtsstern-Blumenarrangements, entführten sie die Zuhörer in die Straßen Havannas und in die Leidenschaft für die Musik, die dort allgegenwärtig zu sein scheint. Das etwas unterkühlte Publikum im ausverkauften Saal taute bei so viel Temperament mehr und mehr auf, was den unerschrockenen Bemühungen Castellanos zuzuschreiben war.
Charmant und mitunter augenzwinkernd unterfütterte sie die Lieder mit Informationen. Nicht immer gut zu verstehen war dieses Hintergrundwissen, dafür traf der Gesang oft überlaut durch die Lautsprecher ans Ohr. Natürlich stand die charismatische Stimme der kubanischen Sängerin im Mittelpunkt. Mal ließ sie ihr Organ kraftvoll röhren, dann wieder verführerisch schmachten oder jazzig aufheulen – immer feinfühlig und faszinierend. Dazu unterstrich sie mit der Guiro, laut Wikipedia das Perkussionsinstrument aus Spanien, das auch "Ratschgurke" genannt wird, die rhythmischen Besonderheiten.
Lázara "Cachao" López bearbeitete äußerst temperament- und kraftvoll ihr Instrument. Ihre Finger tanzten über die Tasten, ihr Spiel überzeugte mit unglaublicher Musikalität, solistischen Einlagen und jazzigen Anklängen. Doch nicht immer schienen Sängerin und Pianistin hinsichtlich der rhythmischen Ausgestaltung gleicher Meinung zu sein, aber irgendwie fanden Gesang und Instrument in Harmonie zusammen. Beide punkteten mit weniger bekannten wie auch populären Titeln wie "Quizás, quizás, quizás" („Vielleicht, vielleicht, vielleicht“) und „Bésame mucho“. Als „special guest“ ergänzte Lars Stolley das kubanische Damenduo ab und zu mit der Tres – das ist ein in der kubanischen Musik gespieltes Saiteninstrument, das von der Gitarre abstammt.
Das Publikum stimmte bei den Refrains verhalten mit ein. „Es muss nicht schön, aber laut sein“, feuerte der kubanische Star die Amberger an und hatte Erfolg. Die Temperaturen kletterten auf kubanische Höhen, die Stimmung auch, so dass der Abend gerne mit dem Liedtitel "Me gusto" ("Es hat mir gefallen") bewertet werden darf.













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