17.09.2020 - 14:32 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Stadttheater Amberg: Der Beethoven-Kreis schließt sich

Es ist immer noch Beethoven-Jubiläumsjahr. Zum Auftakt der neuen Konzertsaison im Stadttheater Amberg gibt es daher einen besonderen Klavier-Nachschlag, natürlich wieder mit dem meisterlichen Beethoven-Interpreten Herbert Schuch.

Pianist Herbert Schuch eröffnet die Konzertsaison 2020/20121 im Stadttheater Amberg.
von Anke SchäferProfil

Die berühmten 32 Sonaten liegen seit April hinter Pianist Herbert Schuch und seinem begeisterten Amberger Publikum. Ganz komplett war der Zyklus zu Ehren Ludwig van Beethovens damit aber noch nicht, fehlten doch noch die nicht minder genialen „Diabelli-Variationen“. Am Samstag, 26. September wird sich nun dieser Kreis schließen. Über das überraschend schnelle Wiedersehen freut sich auch der Künstler, wie er im Vorab-Interview verrät:

ONETZ: Herr Schuch, unser letztes Interview haben wir vor dem „Geisterkonzert“ im April geführt – wie ist es Ihnen in der nachfolgenden Zwangspause ergangen?

Herbert Schuch: Wir hatten ja das große Glück, diese so plötzliche Zwangspause mit unserem Baby verbringen zu können. Wir waren rund um die Uhr mit ihr beschäftigt, da fiel  es mir gar nicht so sehr auf, dass ich gar keine Konzerte mehr hatte! Ich habe auf jeden Fall einen Riesenrespekt vor den Familien, die diese Zeit mit Kinderbetreuung UND Homeoffice bewältigen mussten.

ONETZ: Mittlerweile liegen schon ein paar Konzerte unter neuen Bedingungen vor echtem Publikum hinter Ihnen. Wie hat es sich der Neustart angefühlt?

Herbert Schuch: Sehr intensiv. Ich hatte ein Cello- Duokonzert in der fast komplett leeren Essener Philharmonie, und selbst diese paar versprengten Menschen im Publikum spürt man dann ganz stark. 

ONETZ: Hat sich der unmittelbare Kontakt zum Publikum verändert?

Herbert Schuch: Vielleicht nicht unbedingt. Ich habe mir aber vor diesen ersten Konzerten nach der Pause immer wieder die Frage gestellt, was uns Musikern eigentlich wichtig ist, wenn wir auf die Bühne gehen. Ist es wirklich der Anspruch, keine Fehler zu machen? Oder ist die Intensität, die Kommunikation und das Risiko nicht viel entscheidender? Vielleicht liegt jetzt eine vitalere Zukunft vor uns,  nachdem wir so auf uns selbst zurückgeworfen wurden. 

ONETZ: Mit Beethoven und Ihnen ist die Konzert-Saison 2019/2020 im Stadttheater Amberg ausgeklungen, mit Beethoven und Ihnen startet die neue Spielzeit – haben Sie mit einem so schnellen Wiedersehen gerechnet?

Herbert Schuch: Nein, ursprünglich nicht, es war zwar angedacht, wäre aber normalerweise erst in einem oder zwei Jahren passiert. Das war eine wunderbare Idee von Herrn Dr. Kern, mit diesem Werk gleichzeitig den Sonatenzyklus zu beenden und in die neue Saison zu starten. Bei anderen Konzerthäusern und Veranstaltern wird es sicher ganz lang dauern, bis man wieder „drankommt“, denn die abgesagten Konzerte der meisten Musiker  sollen ja nachgeholt werden. Dann verschiebt sich ein neuer Termin noch weiter nach hinten, und wer weiss, wieviele kleinere, private Reihen dichtmachen müssen? Trübe Zeiten. Umso schöner, wenn es in Amberg gleich weitergeht! 

ONETZ: Was macht für Sie den besonderen Reiz der Diabelli-Variationen aus? Wäre der Beethoven-Zyklus ohne diese nicht komplett gewesen?

Herbert Schuch: Der besondere Reiz dieses Werkes ist erst einmal der Humor. Nie zuvor und danach hat sich jemand so geistreich, liebevoll und satirisch über ein mittelmäßiges Stück eines mittelmäßigen Komponisten (eben Anton Diabelli) lustig gemacht wie Beethoven. Und am Schluss ist man wirklich erschüttert und gerührt von der Genialität Beethovens, aus buchstäblich nichts etwas zu erschaffen. 

ONETZ: Nun ist das groß angelegte Beethoven-Jubiläumsjahr ja ziemlich unter die Räder gekommen. Auch Sie hatten spannende Projekte wie die Klavierfassung des Violin-Konzerts auf dem Plan – wie enttäuscht sind Sie jetzt?

Herbert Schuch: Ich will wirklich nicht jammern. Es gab einige Geisterkonzerte, ich war nie verzweifelt wie manche anderen Kollegen in der freiberuflichen Szene. Die Projekte werden nachgeholt, oder verschwinden halt in der Schublade. 2027 ist ja auch schon wieder Beethovenjahr, bis dahin halte ich es schon aus!

ONETZ: Auf Facebook haben Sie auch eine neue CD unter anderem mit Beethoven angekündigt. Wann genau erscheint sie und welches Programm haben Sie dafür zusammengestellt?

Herbert Schuch: Die neue CD wird im Oktober bereits im Handel sein. Drei Beethovensonaten werden mit drei kurzen Stücken aus unserer Zeit reflektiert. Ein spannendes Projekt, das beweist, wie sehr Beethoven die Komponisten von heute beschäftigt, ob sie es wollen oder nicht.

ONETZ: Beethoven hatte Sie jetzt sehr lange Zeit fest im Griff. Wird das Jahr 2021 für Sie unter einem anderen Komponisten-Stern stehen?

Herbert Schuch: Ich sehe niemanden, der auch in 2021 Beethoven ernsthaft Konkurrenz machen könnte!  

Info:

Zum Konzert

Pianist Herbert Schuch spielt am Samstag, 26. September um 16 Uhr und um 19.30 Uhr Ludwig van Beethovens "Diabelli-Variationen" im Stadttheater Amberg. Tickets ausschließlich bei der Tourist-Information Amberg, Tel. 09621/101233. Keine Abendkasse!

Weitere Informationen:

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