16.07.2019 - 14:30 Uhr
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Tod in Fahrerkabine: Prozess im Fall Sophia Lösche beginnt

Ab nächster Woche steht in Bayreuth ein Fernfahrer (42) vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, die Amberger Studentin Sophia Lösche ermordet zu haben.

In Südspanien stellte die Guardia Civil das ausgebrannte Führerhaus sicher.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Am Dienstag, 23. Juli, beginnt vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Amberger Studentin Sophia Lösche. Laut Anklage soll der Angeklagte die 28-Jährige getötet haben, weil er vorangegangene Straftaten verdecken wollte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Fernfahrer die Frau in seiner Fahrerkabine sexuell bedrängt hatte, wogegen sie sich wehrte.

Der Mitarbeiter einer marokkanischen Spedition befand sich auf der Heimfahrt von Leipzig nach Marokko, als er am Donnerstag, 14. Juni, gegen 18 Uhr auf dem Rastplatz Schkeuditz auf die Tramperin traf. Sophia Lösche, die in Leipzig studierte, suchte eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Amberg. Sie wollte nach Hause - er hatte anderes im Sinn: In der Anklage findet sich ein Hinweis, dass sich der Angeschuldigte am Vortag als Voyeurist auf dem Parkplatz Birkenwald an der A 14 bei Leipzig aufhielt. Dieser gilt als Sex-Treff.

Das letzte Lebenszeichen von Sophia Lösche ist eine Handynachricht von Donnerstag, 14. Juni, 19.55 Uhr. Die Staatsanwaltschaft legt sich mit der Tatzeit und dem Tatort nicht fest. Vermutlich sei der 42-Jährige bei einem ersten dreistündigen Halt auf dem Rastplatz Sperbes an der A 9 zudringlich geworden. Dort stand der Lkw von 21 Uhr bis Mitternacht.

Todeszeitpunkt offen

Man geht davon aus, dass die 28-Jährige noch lebte, als sie an Händen und Füßen gefesselt wurde. Der Todeszeitpunkt bleibt in der Anklage offen: Er liege zwischen Donnerstagabend, 14. Juni, dem Abend des Verschwindens, und Sonntagnachmittag, 17. Juni, an dem der Lastwagen länger auf einem französischen Lkw-Parkplatz stand. Denkbarer Tatort sei auch das Gelände einer Firma in Lauf, wo der Truck für die Nacht zum Freitag, 15. Juni, abgestellt war.

Als Waffe sei eine Eisenstange oder ein Eisenschlüssel benutzt worden. Der Angeschuldigte habe der jungen Frau ein offenes Schädel-Hirn-Trauma zugefügt, das in kürzester Zeit zum Tod führte. Die Tat sei in der Fahrerkabine begangen worden. Zusätzliche Schwierigkeit: Spuren aus dem Truck waren schwer zu sichern. Der Lkw ist völlig ausgebrannt. Wie die spanische Zeitung "El Correo" berichtet, stand am 19. Juni an der A 4 in Südspanien ein Lastwagen in Flammen. Als die Guardia Civil den Fahrer kontrollierte, bekam sie prompt den Fahndungstreffer aus Deutschland. Die Spurensicherung versuchte damals, Spuren des Verbrechens zu sichern sowie festzustellen, ob der Fahrer den Truck angezündet hat oder ein technischer Defekt zum Feuer führte.

17 Zeugen geladen

Für das Hauptverfahren hat das Landgericht Bayreuth derzeit zwölf Verhandlungstage angesetzt. Die Verhandlung findet im Schwurgerichtssaal des Justizpalastes statt. Für Pressevertreter sind 40 Plätze reserviert. Nach Auskunft des Sprechers des Landgerichts Bayreuth, Clemens Haseloff, sind 17 Zeugen geladen. Zudem werden zwei Sachverständige der Fachrichtungen forensische Psychiatrie und Rechtsmedizin sowie ein Brandsachverständiger des Landeskriminalamtes München gehört. Den Vorsitz der Kammer hat der Vizepräsident des Landgerichts Bayreuth, Bernhard Heim. Die Anklage wird voraussichtlich von Oberstaatsanwältin Sandra Staade vertreten.

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