02.09.2018 - 16:40 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Jeder Vermisste ein Einzelfall

Der Bruder der ermordeten Studentin Sophia Lösche, Andreas Lösche, hat auch in unserer Zeitung schwere Vorwürfe gegenüber der Polizei erhoben.

Polizisten der bayerischen Bereitschaftspolizei laufen über einen Waldweg bei Bad Steben (Landkreis Hof) und suchen nach der neunjährigen Peggy aus Lichtenberg.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Diese habe auf die Vermisstenanzeige hin nur zögerlich gehandelt, so dass Familie und Freunde auf eigenen Faust nach der jungen Frau hätten suchen müssen. Mit der Kritik an der Polizeiarbeit in einem offenen Brief wollen die Familie und Sophias Freunde laut Andreas Lösche erreichen, „dass es das nächste Mal in einem ähnlichen Fall besser gemacht wird“. Andreas Lösche fordert, dass der Fall aufgearbeitet wird, „am besten in der Innenministerkonferenz“. Wie die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag berichtete, hat Andreas Lösche die Vorwürfe im Fall Sophia hat Lösche inzwischen in einem Brief an Innenminister Joachim Herrmann (CSU) formuliert. Auf Nachfrage habe das Ministerium mitgeteilt, dass die Prüfung der Vorwürfe "noch nicht abgeschlossen" sei.

Wir erkundigten uns in diesem Zusammenhang beim Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg, wie das Procedere bei einer Vermisstenmeldung aussieht. Polizieoberkommissar Andreas Weidauer erklärt dazu: "Sobald eine Person als vermisst gemeldet wird, muss zunächst der Sachverhalt abgeklärt und die notwendigen Informationen, wie Lebensumstände, Personenbeschreibung, persönliches Umfeld und Kontaktadressen, erhoben werden." Parallel dazu würden unverzüglich erste Fahndungsmaßnahmen veranlasst. Welche Fahndungsmaßnahmen, wie etwa eine Öffentlichkeitsfahndung zu welchem Zeitpunkt eingeleitet werden, werde in jedem einzelnen Fall geprüft. Personen gelten laut Weidauer als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann, etwa als Opfer einer Straftat, bei einem Unglücksfall, bei Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht.

Auf welche Fahndungsarten und -hilfsmittel zurückgegriffen wird, hänge überwiegend von den Gesamtumständen ab. "Hierbei spielen selbstverständlich auch die Umstände und die Art der Vermissung eine entscheidende Rolle", betont Weidauer. Die Polizei bitte allerdings um Verständnis, dass grundsätzlich zur taktischen Vorgehensweise bei Vermisstenfällen keine Auskünfte gemacht werden können.

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