Amberg
07.01.2019 - 15:14 Uhr

Viele "Sträusse" beim Neujahrskonzert

Bei den "Nürnberger Symphonikern" kann man sicher sein, dass beim Neujahrskonzert nicht der "Mainstream" auf dem Programm steht. Heuer bilden im ausverkauften ACC zwei große Werke von Richard Strauss den besonderen Anspruch.

Einen bunten musikalischen Strauß haben die Nürnberger Symphoniker für dieses Neujahrskonzert zusammengestellt. Unter der Leitung ihres neuen Chefdirigenten Kahchun Wong präsentieren sie ein prächtiges Potpourri mitreißender Melodien. Bild: Petra Hartl
Einen bunten musikalischen Strauß haben die Nürnberger Symphoniker für dieses Neujahrskonzert zusammengestellt. Unter der Leitung ihres neuen Chefdirigenten Kahchun Wong präsentieren sie ein prächtiges Potpourri mitreißender Melodien.

Strauss? Strauss? Strauss! - so ist dieses Konzert angekündigt. Doch es sind nicht (nur) die bekannten "Sträusse" der Wiener Dynastie, sondern der Schwerpunkt im ersten Teil sind zwei große Werke des Deutschen Richard Strauss, nämlich die opulente Tondichtung "Don Juan" sowie sein als 19-Jähriger komponiertes 1. Hornkonzert. Die "Nürnberger" können instrumental "aus dem Vollen schöpfen". Ausreichend Streicher, dazu den kompletten Bläsersatz plus Schlagwerk, großer Trommel, Harfe und Triangel: Es sind wohl an die 80 Musiker, die beim "Don Juan" das große Orchester bilden. In dieser Tondichtung findet der 24-jährige Strauss zu seinem ihm eigenen musikalischen Ausdruck. Die Schwungkraft der Melodik, die klangsinnliche und ausdrucksstarke Harmonik, der stürmische Elan des Rhythmus und vor allem die üppige, leuchtende und reich differenzierte Farbenpracht des Orchesterklanges zeigt ihn auf einem Höhepunkt seines instrumentalen Schaffens.

"Immer neue Siege"

Der Komponist skizziert den Don Juan in seinem ganzen Draufgängertum und in seiner vor aggressiver Sexualität berstenden Vitalität. "Hinaus und fort nach immer neuen Siegen", so steht es in der Dichtung, die Strauss der Partitur voranstellte. Diese Kombination aus "Überdruss und Lust-Ermattung" kann der Chef-Dirigent der Nürnberger, der erst 32-jährige Kahchun Wong dem Orchester in allen Nuancen vermitteln.

Er lässt seine Streicher klanglich aufblühen, die Holzbläser eine eindringliche Melodie zelebrieren, den sauber blasenden Hörnern ihren gebührenden Raum und hat das manchmal etwas hart blasende Blech souverän im Griff. Sein Dirigat, gleichermaßen exakt wie fordernd, führt die Nürnberger zu einer eindrucksvollen Präsentation dieses großen Werkes. Übertroffen wird dieser Eindruck vom folgenden Hornkonzert. Hier ist verblüffend und faszinierend, wie der "Hornist ohne Arme" Felix Klieser, diesem Konzert Brillanz und Gestaltung verleiht. Es mutet unglaublich an: Mit dem linken Fuß, den Zehen spielend, in einer für den "normalen Menschen" unerreichbaren anatomischen Sonderstellung, bewältigt er nicht nur den virtuosen Part dieses anspruchsvollen Konzertes mit einem sauberen, weichen, stets runden Ton einfach phänomenal, sondern lässt im Andante wunderschöne melodiöse Passagen klingen und bringt im Schlusssatz mit atemberaubenden virtuosen Läufen das Publikum zum Staunen.

Auch hier führt der Dirigent das Orchester im sensiblen Zusammenspiel zu einer bewundernswerten Partnerschaft. Riesenbeifall für den Solisten ist Ausdruck der Bewunderung und Begeisterung, die er mit seiner Interpretation weckt.

Werke der "Dynastie"

Im zweiten Teil kommen dann die "Wiener Sträusse" zu ihrem Recht. Beginnend mit der schwungvoll gespielten Ouvertüre zur "Fledermaus", geht die Reise über die Polka "Außer Rand und Band" von Eduard Strauss, dem "chinesischen Galopp" von Johann Strauss (Vater) zu dessen "Erinnerung an Ernst". Diese "Erinnerung" entpuppt sich sogleich als eine Variationsfolge des Gassenhauers "Mein Hut, der hat 3 Ecken", die von den jeweiligen Instrumentengruppen genüsslich und mit erkennbarer Freude dargeboten werden.

Originelle Geschenke

"Komponierte" Variationen wie auch eigene, inspirierte Improvisationen erklingen da zum Vergnügen des Dirigenten, der die einzelnen "Hüte" mit humorigen Gesten begleitete und "Auserwählte" mit kleinen, originellen Geschenken bedenkt, und zum Jubel des begeisterten, animierten Publikums. Über den Fest-Marsch von Johann Strauss und der Winterlust von Josef Strauss (Bruder des "Walzerkönigs" Johann) geht die musikalische Reise zur "Explosions-Polka" von Johann Strauss, bei der die große Trommel mit der "Realisation" der heftigen Explosionen ihren großen Auftritt hat.

Großer Beifall führt zu drei Zugaben. Über die Stationen "Train-Toccata" des chinesischen Komponisten Liu Yuan und der "Bahn-frei"-Polka von Eduard Strauss geht es zum unvermeidlichen und erwarteten "Radetzki-Marsch", der von Orchester, Dirigenten und den Zuschauern gemeinsam regelrecht zelebriert wird.

 
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