Rache an einem Leserbriefschreiber

Wer Meinung kundtut, muss mitunter verbale Prügel einstecken. Auch Schreiber von Leserbriefen kennen das. Ihre Kritiker greifen manchmal in die unterste Schublade. Dem Amberger Peter Brunner wurde sogar der Tod gewünscht.

Eine Frau schreibt mit einem Füllfederhalter auf ein Blatt Papier. Leserbriefe und Reaktionen darauf kommen nicht nur per Mail. Und dann immer wieder mal anonym.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Peter Brunner hatte in seinem Leserbrief unter der Überschrift "Vom Freistaat zum Polizeistaat" Kritik am Polizeiaufgabengesetz und Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz geübt. Dies seien zwei "Kuckuckseier", die die CSU ins "Nest der Demokratie" lege. Die Christsozialen hätten sich den einstigen NPD-Slogan "Sicherheit durch Recht und Ordnung" auf die weiß-blauen Fahnen geschrieben, und Markus Söder "prescht damit aktuell ultrarechts an der AfD vorbei". Brunner prangerte an, dass die Polizei künftig "fast unbegrenzten Handlungsspielraum" bekomme, und zum Beispiel Menschen, die Anzeichen von Depression zeigen, zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen werden könnten.

Wohl ein Fantasie-Name

Peter Brunner sagt, er sei es ja gewohnt, Reaktionen "in jeglicher Form" auf seine Leserbriefe zu erhalten, "die auch zu 95 Prozent positiv sind". Allerdings erreichten ihn immer wieder anonyme Briefe. Bei dem Schreiben, um das es hier zunächst geht, stand auf dem Umschlag als Absender ein Felix U., den es aber nach Recherchen Brunners - zumindest in Amberg - gar nicht gibt.

Peter Brunner und auch ich als Leseranwalt von Oberpfalz-Medien halten es für wichtig, einmal aufzuzeigen, was sich da mitunter in manchen Köpfen abspielt, wenn jemand eine Position bezieht, die einem nicht passt. Es gibt da offensichtlich Menschen, die in ihrem Hass unter Umständen vor nichts zurückschrecken würden. Sie gestehen anderen Meinungsfreiheit nicht zu, die sie aber für sich selbst voll in Anspruch nehmen. Wer kritisch ist, wird gnadenlos niedergemacht. Auf eine Art und Weise, in der die Wahl der Worte mehr als verbale Übergriffe befürchten lässt. Beängstigend.

Dieser angebliche Felix U. betrachtet sich als "guten Bayern". Sein handgeschriebener Brief an Peter Brunner beginnt mit dem Satz: "Sie sollten der 1. in diesem Jahr sein, der durch einen gewalttätigen Schläger oder Terroristen sein Leben in Amberg verliert, den man vorher schon hätte festsetzen können, weil er als solcher schon amtsbekannt war."

Geschmacklosigkeiten

Der Verfasser der Zuschrift wirft Brunner vor, er stehe "auf der Seite von potenziellen Verbrechern". Und macht ihm klar: "Auf jeden Fall haben Sie die Mehrheit der Bayern gegen sich, die diese nicht in unsere Gesellschaft passenden Individuen aus dem Verkehr ziehen wollen, bevor sie zu einer Tat schreiten können, dies trifft auch für gefährliche psychisch Kranke zu, die man wegsperren muss, bevor sie etwas Schlimmes anstellen."

"Sie zwangen mich zu diesem Brief, da Sie einen zweiten Leserbrief losgelassen haben", wird Peter Brunner weiter mitgeteilt, und er muss sich am Ende auch noch das gefallen lassen: "Wenn Ihnen Bayern zu sicher gemacht wird, so ziehen Sie z. B. nach Berlin und lassen sich vom ,Amri-Nachfolger' überfahren. Sie hätten es verdient, dies ist nämlich ein gutes Beispiel für Ihre Hirngespinste."

Starker Tobak. Es kann und darf nicht sein, dass der Verfasser eines Leserbriefes derart attackiert wird. Man könnte diesem vermutlich nicht existierenden Felix U., der zu feige ist, sich zu erkennen zu geben, unterstellen, Peter Brunner einschüchtern und dafür sorgen zu wollen, dass dieser sich nicht mehr öffentlich äußert. Potenzielle Leserbriefschreiber sollten sich von diesem Vorfall grundsätzlich nicht abschrecken lassen.

Brunner soll abhauen

Inzwischen hat Brunner eine zweite anonyme Zuschrift bekommen, nachdem er sich in einem weiteren Leserbrief zum Kreuz-Erlass geäußert hatte. Der Unbekannte nennt Brunner spöttisch einen "Verfolgten des CSU-Regimes" und rät ihm, in ein anderes Bundesland auszuwandern - "nach Berlin, da passen Sie am besten hin". Dort "gibt es keine Kreuze mehr (mehr Islamisten als Christen), und die Polizei hat nicht viel zu sagen (die schauen lieber weg)". Alternativ könnte Brunner ja einen "Asylantrag in der Türkei" stellen. Dann wird Brunner noch eine mitgegeben: "Wie ich Sie einschätze, sind Sie geschieden, haben keine Freunde und lassen Ihre Wut an der CSU aus, weil Sie vor X Jahren nichts geworden sind bei der Partei."

Peter Brunners Kommentar zu den Schreibern, die ihre Namen verschweigen: "Systemangepasste Duckmäuser, die in ihren engen Lebensbereichen wohl wenig oder nichts zu sagen haben und sich deshalb nur anonym zu äußern trauen."

Info:

Sich wehren!

Ein Appell an alle, die nach dem Abdruck eines Leserbriefes in einer unserer Ausgaben ähnliche Attacken erleben sollten wie der Amberger Peter Brunner: Melden Sie sich bei der Redaktion, wir wollen wissen, wenn Leser durch gezielte Angriffe an der Ausübung ihres Grundrechts der freien Meinungsäußerung gehindert werden sollen. Nachstellungen oder Bedrohungen sind ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Eine Anzeige kann also durchaus angebracht sein. (kan)

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