18.05.2018 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

Zu wenig Zeit für Fortbildung Arbeitnehmer fühlen sich schlecht gerüstet für die Digitalisierung

Der Einzug von Robotern und künstlicher Intelligenz in Werkshallen und Büros wirft bei Arbeitnehmern bange Fragen nach der Zukunft ihrer Jobs auf. Doch gerade bei der Weiterbildung für die Arbeitswelt von morgen hapert es aus Sicht der Beschäftigten.

Kollege Roboter und die Digitalisierung bereiten vielen Arbeitnehmern Sorgen. Die überwiegende Mehrheit wünscht sich deshalb eine bessere Weiterbildung. Bild: Carmen Jaspersen/dpa
von Agentur DPAProfil

München. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland fühlt sich einer Umfrage zufolge nur unzureichend auf die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Wie der "Trend Index" zur bevorstehenden Robotik- und Automationsmesse Automatica (19. bis 22. Juni) in München ergab, hinkt die Aus- und Weiterbildung der Unternehmen bisher deutlich hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück. Nur gut ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland habe den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber entsprechende Angebote vorantreibt.

Für die Untersuchung wurden in den USA, Asien und Europa insgesamt rund 7000 Arbeitnehmer nach ihren Einschätzungen zum Einfluss von Robotern und künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt von morgen befragt - davon etwa 1000 in Deutschland. Lediglich 16 Prozent der Befragten in Deutschland gaben ihrem Arbeitgeber die Schulnote eins oder zwei für Aus- und Weiterbildungsprogramme.

Damit schneidet die deutsche Wirtschaft etwas schlechter ab als die anderer Länder. Im Durchschnitt der sieben Länder befand ein knappes Viertel der Arbeitnehmer, dass solche Ausbildungsangebote bei ihren Arbeitgebern bereits erfolgreich etabliert seien.

Auch der Maschinenbau-Branchenverband VDMA sieht Nachholbedarf: "Arbeitnehmer müssen für die Digitalisierung qualifiziert werden. Hier machen die Mittelständler schon viel, aber es muss noch mehr werden", erklärte der für Robotik und Automation zuständige VDMA-Geschäftsführer Patrick Schwarzkopf.

Vor allem in China und in den USA erwarten der Studie zufolge die Menschen positive Impulse, sich zu Robotik und Automation beruflich fortzubilden. Auf mehr qualifizierte und besser bezahlte Jobs durch Mensch-Roboter-Teams hofft etwa die Hälfte der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan. In China und den USA gehen sogar 80 Prozent der Befragten davon aus, dass solche Jobs künftig zunehmen werden. Schwarzkopf sieht das positiv: "Trotz aller Schreckensbilder haben viele Menschen eine durchaus positive Einstellung zur Künstlichen Intelligenz und deren Möglichkeiten", so der VDMA-Geschäftsführer.

Auch aus Sicht der Gewerkschaften ist mehr Aus- und Weiterbildung erforderlich. So hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kürzlich in einem auf der Homepage der Gewerkschaft veröffentlichten, internen Interview beklagt, dass in der Metall- und Elektroindustrie die Weiterbildungs- wie auch die Ausbildungsquote stagniere - trotz sichtbarer Veränderungen der Arbeit. "Solange die Auftragsbücher in den Betrieben voll sind und die Personaldecke knapp bemessen bleibt, wird allenfalls das Notwendigste qualifiziert. Das ist ein kurzfristiges Denken zu Lasten der langfristigen Perspektiven der Beschäftigten", erklärte der Gewerkschafter.

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