Optische Täuschungen verblüffen und machen Spaß, sobald man sie durchschaut. Mit einer unterhaltsamen Chronologie von altägyptischer Türillusionen bis zu den Zaubereien virtueller Welten gibt es in der Ausstellung "Die Lust der Täuschung" in der Münchener Kunsthalle allerlei Staunenswertes zu entdecken - quer durch alle Epochen, Genres, Materialien.
"Trompe-l'oeil", täusche das Auge, war schon in der Renaissance, die Devise. Durch die Zentralperspektive gelang es Künstlern Bilder und Möbelstücke zu erstellen, die weite Perspektiven vortäuschten. Aufgeschlagene Bücher entpuppen sich als Bilder, Skulpturen wie Oliver Herings "Wade 1" als zerschnipselte Fotografien. Porzellan gaukelt Früchte vor, die Mode verändert durch Muster Proportionen. Aus Marmor in Stoffoptik, Sprossen, verknoteten Seilen, vorgegaukeltem Bücherstapel entsteht eine Stuhlcollage, die Materialtäuschungen offen legt. Papiertapeten schimmern wie Samt, erscheinen als Kacheln, Landschaften, Jalousien.
Die katholische Kirche wusste diese Täuschungen zu nutzen, um dem Volk Glaubensinhalte zu veranschaulichen. Wundersam sind "Maria und Jesus" je nach Perspektive des Betrachters im Reliefbild abwechselnd zu sehen (Guido Reni, 17. Jahrhundert). "Der heilige Franz von Padua unter dem Baum liegend" (Emmanuel Maigan, 1642) erscheint nur von zwei bestimmten Standorten aus. Der Schein trügt, wohin man blickt. Doch wer genau schaut, erkennt die Unterschiede zwischen echtem und kopiertem "Schlafzimmer" van Goghs (1888), den echten von den nachgemachten "White Brillo Boxes" Andy Warhols (1964). Einmal durchschaut, ist der Effekt meistens weg, nicht aber die Idee. Georges Méllès berühmter Film, der 1896 noch glauben ließ, Züge führen direkt in das Publikum, verblüfft nicht mehr. Heute sorgen Reisen mit der 3-D-Brille für Überraschungsmomente, die man sich trotz langer Warteschlangen nicht entgehen lassen sollte.
In Laurie Andersons und Hsin-Chien Huangs spektakulären "Chalkroom" (2017) reist man durch Buchstabenwelten umhüllt von atmosphärischer Musik. Mittels 3-D-Technik fliegt der Besucher durch den Kaisersaal der neuen Bamberger Residenz. Ganz real erlebt man Lilliputisierung in Monika Sosnowskas endlos lang erscheinendem Korridor, dessen Tür in der Ferne sich überraschend schnell auf zwei Bandbreiten verkleinert, die nur schlanke Besucher am Schluss liegend erreichen. Das sind schon sehr nachhaltige und physisch fühlbare Effekte der Kunsttäuschung.
Weitere Informationen zur Kunsthalle München
Die Schau „Lust der Täuschung“ ist bis 13. Januar in der Münchener Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8 (in den Fünf Höfen), zu sehen. Das Museum ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.kunsthalle- muc.de













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.