München
07.07.2021 - 15:52 Uhr

Bayerische Polizei sagt Cyber-Attacken den Kampf an

Die Zahl der der über das Internet verübten Straftaten steigt stark an. Von Betrug über Hatespeech und Erpressung bis hin zu Kinderpornographie ist alles dabei. Bayerns Polizei rüstet nun zur Ermittlung der Täter auf.

Die Hacker-Angriffe im Internet nehmen ständig zu. Die bayerische Polizei will dieser Form der Kriminalität mit spezialisierten, mobilen Einsatzkräften entgegenwirken. Archivbild: Oliver Berg
Die Hacker-Angriffe im Internet nehmen ständig zu. Die bayerische Polizei will dieser Form der Kriminalität mit spezialisierten, mobilen Einsatzkräften entgegenwirken.

Die bayerische Polizei verstärkt ihren Kampf gegen die Internet-Kriminalität. Um schnell auf Hacker-Angriffe reagieren zu können, sind seit Anfang Juli mehrere "Quick-Reaction-Teams" (QRT) im Einsatz, die rund um die Uhr in Bereitschaft stehen. Ziel sei es, mit ihrer Hilfe so schnell wie möglich Schaden von Betroffenen abzuwenden und Daten zur Strafverfolgung zu sichern, erläuterte der Inspekteur der bayerischen Polizei, Norbert Radmacher, im Innenausschuss des Landtags. "Die polizeiliche Reaktionsgeschwindigkeit ist eine elementare Säule der Cybercrime-Bekämpfung", sagte er.

Daneben brauche es geschultes Personal und eine hochwertige technische Ausrüstung, ergänzte Radmacher. Dazu verwies er auf das mobile IT-Forensiklabor, das derzeit beim Polizeipräsidium Oberfranken in einem Pilotprojekt erprobt wird. Mit ihm könnten die Polizeiexperten schnell an den Ort eines Hacker-Angriffs fahren und dort Daten sichern und auswerten. Es sei geplant, nach dessen Abschluss weitere mobile Labore für ganz Bayern anzuschaffen. Deren Zusammenwirken mit den QRT sei eine erfolgversprechende Perspektive.

Nach den Worten von Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer stellt die Internet-Kriminalität die aktuell "bedeutendste Herausforderung" für die polizeiliche Arbeit dar. Die Zahl der Straftaten wachse dynamisch. Stark steigend sei zum Beispiel die Zahl der "Fake-Shops" im Internet, in denen real nicht vorhandene Ware verkauft werde, sowie Fälle von digitalem Identitätsdiebstahl. Die Zahl der Straftaten mit dem Internet als Tatmittel sei im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 35.652 gestiegen, die Aufklärungsquote liege bei rund 49 Prozent, erklärte Schmidbauer. Dazu kämen die Fälle von Computer-Sabotage und der Ausspähung von Daten mit einer Steigerung bei 17,2 Prozent auf 16.858 Fälle.

Als besonders lukratives Betätigungsfeld für Cyber-Kriminelle erweise sich die Infektion von Firmen- und Behördennetzwerken mit Ransomware. Oft gebe es für die Opfer eine doppelte Betroffenheit, so Schmidbauer. Zum einen würden Daten verschlüsselt, so dass ein Zugriff erst nach Zahlung einer Lösegeldforderung wieder möglich werde, zum anderen würden sensible Daten "abgesaugt" und mit ihrer Veröffentlíchung gedroht, sollte die Zahlung eines Schutzgeldes verweigert werden. "Der Banküberfall von früher ist die Online-Erpressung von heute", sagte Schmidbauer.

Um Aufklärung und Strafverfolgung zu verbessern, warben Schmidbauer und Radmacher für eine technische und rechtliche Aufrüstung der Polizei. "Wir wollen nicht zulassen, dass das Internet zu einem rechtsfreien Raum wird", sagte Schmidbauer. Es mehre sich die Zahl der Cyber-Attacken, "die wir mit dem gegenwärtigen rechtlichen Instrumentarium nicht verfolgen können". Deshalb brauche es neben einer umfassenderen Speicherung von Computerverbindungsdaten eine Entschlüsselungssoftware für von Cyber-Kriminellen verwendete Daten sowie eine Analysesoftware zur Nachverfolgung von Geldströmen in digitalen Kryptowährungen wie dem Bitcoin.

Hintergrund:

Cyber-Angriffe

  • Als Cyber-Angriff wird ein gezielter Angriff auf ein oder mehrere informationstechnische Systeme bezeichnet, der zum Ziel hat, die IT-Systeme durch informationstechnische Mittel ganz oder teilweise zu beeinträchtigen.
  • Die Zahl der Straftaten mit dem Internet als Tatmittel ist 2020 in Bayern um 20 Prozent auf 35 652 gestiegen.
  • Computer-Sabotage und die Ausspähung von Daten haben 2020 um 17,2 Prozent auf 16 858 Fälle zugenommen.
 
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