München
14.11.2022 - 15:14 Uhr

Bayerisches Baugewerbe rechnet mit Konjunktureinbruch

Bauen wird immer teurer, viele Bauherren zögern mit der Umsetzung ihrer Projekte. Die bayerischen Bauunternehmen spüren die Zurückhaltung bereits. Die zuletzt erfolgsverwöhnte Branche rechnet 2023 mit schlechteren Geschäften.

Die bayerischen Bauunternehmen sind momentan noch gut ausgelastet. Symbolbild: Carsten Hoefer/dpa
Die bayerischen Bauunternehmen sind momentan noch gut ausgelastet.

Die bayerischen Bauunternehmen sind momentan noch gut ausgelastet. Mehr als 70 Prozent der Betriebe bewerten nach einer aktuellen Verbandsumfrage ihre Lage als "zufriedenstellend" bis "gut". "In diesem Herbst kann von einem Konjunktureinbruch am Bau noch keine Rede sein", erklärte der Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen (LBB), Wolfgang Schubert-Raab, bei der Vorstellung der Daten im Münchner Presseclub. Die meisten Unternehmen leben demnach noch von Altaufträgen. Vor allem im Hochbau öffentlichen Bauträger sowie im Straßenbau verschlechtert sich die Situation aber schon. Die Konjunktur kühle sich ab, sagte Schubert-Raab, für das kommende Jahr rechneten die Unternehmen über alle Bausparten hinweg mit einem Umsatzminus von real bis zu elf Prozent und mehrheitlich mit schlechteren Geschäften. "2023 ziehen doch einige Wolken am Himmel der Baubranche auf", sagte Schubert-Raab.

Nach seinen Angaben gibt es derzeit keine nennenswerten Lieferengpässe bei Baumaterialien mehr. Allerdings seien mit wenigen Ausnahmen die Preise für Rohstoffe stark gestiegen. Zusammen mit den hohen Energiekosten habe dies in diesem Jahr zu einem Anstieg der Baupreise von 25 bis 30 Prozent geführt. Er gehe davon aus, dass dieses Niveau für private wie öffentliche Bauherren auch im nächsten Jahr bestehen bleibe. Schubert-Raab appellierte vor allem an die öffentliche Hand, ihre Bauinvestitionen an die höheren Preise anzupassen. Werde nicht mehr Geld bereitgestellt, könnten künftig auch nur 25 Prozent weniger Schulen, Kindergärten oder Straßen gebaut werden. Zudem forderte er das Absenken Vorschriften und Baustandards, um das Bauen insgesamt zu verbilligen. Hier müssten Freistaat und Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen.

Wie das Münchner ifo-Institut am Montag mitteilte, ebbt die Stornierungswelle auf dem Bau etwas ab. Im Oktober litten demnach 11,3 Prozent der Bauunternehmen unter zurückgezogenen Aufträgen, im September waren es noch 13,2 Prozent. Die meisten Stornierungen gab es im Wohnungsbau. Dies bestätigte auch Schubert-Raab. Zudem sei die Zahl der Baugenehmigungen deutlich rückläufig, im August habe sie bei minus 13 Prozent gelegen. Trotzdem wollen die Bauunternehmen ihren Personalbestand weiter erhöhen. In diesem Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten um gut 600 auf 174 100, Schubert-Raab rechnet mit weiterem Wachstum. Beleg dafür sei die hohe Ausbildungsbereitschaft in der Branche. So wollten 2023 56 Prozent der Unternehmen die Zahl ihrer Lehrlinge halten, 28 Prozent sogar erhöhen. Das sei ein "optimistisches Zeichen", urteilte Schubert-Raab.

 
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