An den bayerischen Grundschulen sowie den ersten vier Jahrgangsstufen der Förderschulen entfällt ab sofort die Maskenpflicht im Unterricht. An den weiterführenden Schulen bleibt sie dagegen bis mindestens 4. Juli bestehen. Auf diesen Kompromiss hat sich die Koalitionsregierung aus CSU und Freien Wählern am Dienstag verständigt. Außerdem werden die Besucherbeschränkungen für Sport- und Kulturveranstaltungen im Freien gelockert. Zwar bleibt es bei der Höchstzahl von 500 Zuschauern, doch dürfen 100 davon unter Einhaltung der Mindestabstände auf Stehplätze verteilt werden. Die Staatsregierung reagiert damit auf massive Proteste vor allem der Amateurfußballvereine.
In den Jahrgangsstufen 1 bis 4 können die Kinder und ihre Lehrkräfte künftig die Maske ablegen, sobald sie ihren Sitz- oder Arbeitsplatz eingenommen haben. Bereits vergangene Woche war an allen Schulen, Hochschulen und Kindertagesstätten die Maskenpflicht im Freien aufgehoben worden. Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) sprach von "kleinen verantwortbaren Anpassungen".
Maskenpflicht kann zurückkommen
Als Grund nannte er die regelmäßigen Corona-Tests an den Schulen sowie die sommerlichen Temperaturen. Die Maskenpflicht im Unterricht tritt automatisch wieder in Kraft, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis den Wert von 50 wieder übersteigt. Aktuell liegt die Inzidenz bayernweit erstmals seit mehreren Monaten mit 9,9 wieder unter 10, in der Oberpfalz sogar nur bei 6,7. Man blicke auf eine "zuversichtlich stimmende Gesamtlage", sagte Herrmann. Alle wichtigen Kennzahlen entwickelten sich in die richtige Richtung.
Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), der seit Tagen auf ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht gedrängt hatte, begrüßte die Rückkehr eines "Stücks Normalität" an die Schulen. Die Testpflicht, die strengen Hygienepläne sowie die stabil niedrigen Inzidenzwerte hätten diesen Schritt möglich gemacht. Sein Ziel sei, die Regelung mit Wirkung zum 5. Juli über die dann neu zu fassende Corona-Schutzverordnung auch auf die weiterführenden Schulen auszudehnen. Zudem kündigte Piazolo an, dass es für Schulabgänger Abschlussfeiern gebe werde. Wegen der Teilnehmerzahl sei er mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in der Endabstimmung. Klar sei, dass die Veranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen und unter Einhaltung des Mindestabstands stattfinden müssten und Besucher mit Ausnahme von Genesenen und Geimpften einen negativen Test bräuchten.
Sorge vor Delta-Variante
Sorge bereitet der Ministerrunde weiterhin die Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus. Die Zahl der Nachweise habe sich in Bayern binnen einer Woche von 132 auf 229 erhöht, berichtete Herrmann. 20 Fälle wurden bislang in der Oberpfalz registriert, 11 davon in Stadt und Landkreis Regensburg, 7 im Landkreis Neumarkt und je einer in der Stadt Amberg und im Landkreis Cham. Es bestehe "kein Grund zur Panik", man müsse aber mit Blick auf den rasanten Anstieg der Fallzahlen in Großbritannien oder Portugal weiter Umsicht und Vorsicht walten lassen, betonte Florian Herrmann. Nach Angaben Holetscheks ist die Infektionslage bei der Delta-Variante in Bayern "diffus". Es gebe aber eine "Trend, dass die Variante Fuß fasst". Ziel sei es deshalb, die Impfkampagne so zu beschleunigen, dass bis Ende September alle Impfwilligen in Bayern - das seien rund 85 Prozent der Erwachsenen - vollständig geimpft seien. So könne man "mit Vollschutz in den Herbst und den Winter gehen", sagte Holetschek. Aktuell würden in den Impfzentren die Erstimpfungen wieder aufgenommen. In der laufenden Woche seien dort 105 000 geplant, in der kommenden weitere 260 000. Zusätzlich laufe auch das Impfprogramm bei Haus- und Betriebsärzten weiter.
Bayern fördert Covid-Forschung
Der Freistaat fördert mit fünf Millionen Euro die Forschung für eine bessere Versorgung von Patienten mit dem Long-Covid-Syndrom, das sich in langfristig spürbaren Symptomen wie Erschöpfung, andauernden Atembeschwerden sowie Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen äußert. Die Erkenntnisse dazu seien bislang noch unzureichend, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Mit Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung haben etwa zehn Prozent der Infizierten zu kämpfen. In Bayern wären das bislang rund 65 000 Personen.





















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