01.04.2020 - 19:55 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Eine gute Bilanz der "Genossen"

Auch die Bayern rücken näher zusammen. Unterschiedliche Genossenschaften sind im Kommen und sparen den Verbrauchern Kosten.

Windräder drehen sich hinter einem leuchtend gelben Rapsfeld. Windkraftgenossenschaften machten im Bayern im vergangenen Jahr ein gutes Geschäft.
von Jürgen UmlauftProfil

In Bayern gründen sich immer mehr Energiegenossenschaften, die sich auf die Nahwärmeversorgung von Siedlungen spezialisieren. Inzwischen gibt es landesweit 82 dieser Versorger, fünf weitere sind in Gründung. Hintergrund ist offenbar das von der Bundesregierung in ihrem Klimapaket beschlossene Einbauverbot neuer Ölheizungen ab 2026. Als Ersatz eigneten sich Nahwärmekonzepte sehr gut, meinte der Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern (GVB), Jürgen Gros, bei der Vorlage der GVB-Bilanz für 2019. Als klassisches Einsatzgebiet für Nahwärme im Genossenschaftsmodell sieht Gros in Neubauvierteln. "Diese Art der Wärmeversorgung bietet den Nutzern eine kostengünstige Alternative zu fossilen Energieträgern", erklärte er.Insgesamt sanken 2019 die Umsätze der 256 bayerischen Energiegenossenschaften um 10,9 Prozent auf 360 Millionen Euro. Grund dafür war der sonnenärmere Sommer, was sich in den Einnahmen der Betreiber von Photovoltaikanlagen niederschlug. Die Gewinne stiegen dagegen dank der guten Ausbeute von Windkraftgenossenschaften um gut 20 Prozent auf 28,1 Millionen Euro. Gros forderte eine Intensivierung der Forschung im Bereich der Stromspeicher und der kombinierten Nutzung regenerativer Energien, um diese insgesamt attraktiver zu machen. Zudem müsse die Bürgerbeteiligung verbessert werden, um auch die Akzeptanz erneuerbarer Energieerzeugung zu erhöhen.

Besser lief es 2019 für die 141 Milchgenossenschaften in Bayern. Sie steigerten ihren Umsatz um 2,3 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro, ihr Ergebnis um 7,8 Prozent auf 51,4 Millionen Euro. Der durchschnittliche Milchauszahlungspreis lag mit 35,1 Cent pro Kilogramm Milch knapp unter Vorjahresniveau (36 Cent). Gros appellierte an die Politik, bei ihren agrarpolitischen Entscheidungen die von kleinen bäuerlichen Betrieben geprägte Milchwirtschaft besonders zu berücksichtigen und sich nicht einseitig auf die industrielle Landwirtschaft auszurichten. Einen leichten Ergebnisrückgang verbuchen mussten die ländlichen Genossenschaften. Ihnen machte der zweite Trockensommer in Folge zu schaffen. Stabil lief das Geschäft für die Raiffeisen-Warengenossenschaften. Rückgänge bei der Tierfutternachfrage konnten sie durch einen höheren Absatz bei Baustoffen kompensieren.

Insgesamt ist der Umsatz der 1029 (Vorjahr 1053) Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Freistaat mit ihren gut 21 000 Beschäftigten 2019 um 3,1 Prozent auf rund 13,1 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis legte um 5,4 Prozent auf 275 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gründeten sich 18 Genossenschaften neu, darunter aber keine in der Oberpfalz. Mit Blick auf die Coronakrise forderte Gros für die Unternehmen eine Perspektive, wie lange die derzeit geltenden Einschränkungen noch bestehen blieben. "So eine Situation kann eine Volkswirtschaft nicht beliebig lange durchhalten", erklärte er. Die Politik müsse jetzt damit beginnen, Szenarien zu erarbeiten, wie sich die Wirtschaft nach der Krise wieder hochfahren lasse. "Auch das gehört zum Krisenmanagement", betonte Gros.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.