06.05.2019 - 16:32 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Ein Lebkuchenherz für bayerische Mathe-Abiturienten

Mein schönstes Mathe-Erlebnis: Der gefürchtete Lehrer hüpft vor mir auf und ab: "So springen Sie auf Ihrem Talent herum." Ein Kommentar von Jürgen Herda.

Schüler demonstrieren vor dem Ministerium, weil sie finden, dass die Aufgaben in ihrem schriftlichen Mathe-Abitur zu schwer waren.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Ich hatte als einziger die Stochastik-Aufgabe richtig gelöst. Das Problem: Bei den zwei einfachen Algebra-Aufgaben hatte ich mich verrechnet. Ob ein Mathe-Abi schwierig ist, liegt natürlich nicht nur im Auge des Betrachters. So rechtfertigen Lehrervertreter die teils vom Lehrplan abweichende Aufgabenstellung damit, dass Abiturienten „mehr als nur rezeptartige Reproduktionstechniken beherrschen“ müssten. So weit so gut. Darauf lässt sich kontern: Dann sollten aber auch die Lehrer mehr können, als Formeln an die Tafel zu schreiben.

Astrophysiker Harald Lesch beklagt: „Wir unterrichten Mathematik viel zu abstrakt.“ In meiner Schullaufbahn gab es genau einen Referendar, der sich bemühte, den Zauber, der Mathe innewohnt, zu vermitteln: Vom Versuch der griechischen Philosophen, die Welt mit Zahlen zu beschreiben, bis zu seinen Exen, in denen er die Flugbahn von Raumschiffen berechnen ließ.

Herr Piazolo, bitte nachrechnen!

Und die bayerischen Schüler haben noch in einem anderen Punkt Grund zur Kritik: Es kann nicht sein, dass sie durch ein verschärft schwieriges Abitur bei der Vergabe von Studienplätzen mit Numerus Clausus benachteiligt werden. Bildungsminister Piazolo tut deshalb gut daran, die Aufgaben gründlich nachzurechnen: Falls er sie ohne Hilfestellung lösen kann, kann man sie ja noch einmal durchgehen lassen:

„Jeder sechste Besucher eines Volksfestes trägt ein Lebkuchenherz um den Hals. Während der Dauer des Volksfestes wird 25-mal ein Besucher zufällig ausgewählt. Die Zufallsgröße X beschreibt die Anzahl der ausgewählten Besucher, die ein Lebkuchenherz tragen. a) Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass unter den ausgewählten Besuchern höchstens ein Besucher ein Lebkuchenherz trägt. ...“

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