16.12.2019 - 17:54 Uhr
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Organisierte Kriminalität: Bayern ist ein Musterschüler – mit neuen Hausaufgaben

Kriminelle Großfamilien wie im Ruhrgebiet oder Berlin, gibt es in Bayern glücklicherweise nicht. Doch im Freistaat nehmen Betrugsfälle massiv zu. Kein Grund also für die Staatsregierung, sich in Erfolgen zu sonnen – es gibt viel zu tun.

von Tobias Gräf Kontakt Profil
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Clankriminalität ist in Deutschland besonders im Ruhrgebiet und in der Hauptstadt verbreitet. Der spektakuläre Raub einer 100-Kilogramm-Goldmünze 2017 aus dem Berliner Bode-Museum gehört zu den bekanntesten Fällen. Dahinter stehen professionell organisierte, kriminelle Großfamilien mit meist arabischen und türkischen Hintergrund, die mit ihren teils über 1000 Mitgliedern selbst vor Mord nicht zurückschrecken.

Von solchen Auswüchsen ist Bayern bisher verschont geblieben. Das zeigt die Präsentation der neuesten Zahlen zur Organisierten Kriminalität (OK) im Freistaat. Landesinnenminister Joachim Herrmann nutzt solche medienwirksamen Auftritte gerne, um darauf hinzuweisen: "In Bayern leben, heißt sicherer leben." Doch auch wenn der Freistaat bisher kaum Probleme mit Clansturkturen hat – den Blick darauf zu verengen wäre falsch.

Dass wir keinesfalls in einem Schlaraffenland leben, zeigen die Zahlen aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität. Durch Verbrechen organisierter Krimineller stieg die Schadenssumme im Freistaat auf 169 Millionen Euro – im Vergleich zu 12 Millionen im Vorjahr ein Anstieg um über 90 Prozent. Zwar verzerrt hier ein großer Anlagebetrug die Werte, doch neben diesem Einzelfall hat besonders der Callcenter-Betrug besorgniserregend zugenommen. Die Methoden, mit welchen Betrüger-Gruppen oft aus dem Ausland Senioren per Telefon täuschen, um ihnen Geld abzuknöpfen, werden immer raffinierter. Der bayerische Musterschüler hat neue Hausaufgaben zu erledigen – dringend.

79 Verfahren aus dem Bereich Organisierte Kriminalität gab es in Bayern - die Täter schlagen meist vom Ausland aus zu.

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