Politik ist wie eine Droge", sagte Horst Seehofer einmal. Selten konnte man die Auswirkungen exzessiven Drogenmissbrauchs besser beobachten als beim scheidenden CSU-Vorsitzenden. Der Mann, der mit viel Humor das soziale Gewissen der Partei verkörperte, randalierte zuletzt politisch wie ein Crystal-Meth-Junkie.
Macht ist auch für Markus Söder ein Stoff mit Suchtfaktor. Der oft laute Mittelfranke überzeugte als Landeschef der Jungen Union das blonde Fallbeil, wie Franz Josef Strauß' rechte Hand genannt wurde. Förderer Edmund Stoiber machte den selten durch Skrupel gehemmten Hünen erst zum Generalsekretär, dann zum Minister.
Beliebt hat sich der umtriebige Club-Fan nicht bei allen CSU-Kollegen gemacht. Aber auch seine Kritiker erkennen an: Söder zeigt nicht nur im Fasching Wandlungsfähigkeit - in der Landespolitik mauserte sich der Shrek der Opposition zum Prinzregenten der Gegenwart - eine Charakterrolle mit Parallelen: Hatte der Unterfranke Luitpold nicht die Entmündigung Ludwigs II. eingefädelt und ihn so zu Fall gebracht?
Luitpold aber hatte 26 Jahre Zeit, die misstrauischen Bayern zu überzeugen: Bescheidenheit und Volksnähe machten ihn zum Liebling des einfachen Volkes. Sozialer Spannungen zum Trotz blühte Bayern auf. Die Töne, die Söder bei seiner zweiten Vereidigung anschlug, weisen in diese Richtung: Auch die Opposition habe "gute Ideen", niemand "die Wahrheit gepachtet".
Die Weisheit seines Vorbildes wird er brauchen, will er als CSU-Chef die verunsicherte Partei und die gespaltene Gesellschaft einen, ohne Sparringspartner Hubert Aiwanger zu verprellen. Sonst könnte es dem noch jungen Herrscher wie den Wittelsbachern ergehen: Nach Luitpold kam nur noch Ludwig III. - und nach dem Krieg die Novemberrevolution.













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