04.04.2020 - 10:57 Uhr
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Söder kündigt Corona-Studie für den Landkreis Tirschenreuth an

Bayerns Kampf gegen das Coronavirus schlägt an. Doch die Lage ist weiter ernster als im restlichen Deutschland. Forscher sollen nun helfen, mehr Licht ins Dunkel zu bekommen. Der Landkreis Tirschenreuth wird extra unter die Lupe genommen.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht auf einer Pressekonferenz.
von Jürgen UmlauftProfil

Bayern will mit einer eigenen Corona-Studie die tatsächliche Verbreitung des Virus in der Bevölkerung erforschen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag an. Ziel der zunächst auf 3000 Haushalte in München begrenzten Untersuchung ist es, die Dunkelziffer an Corona-Infizierten zu kennen. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern werden bis zu zehn Prozent der Infektionen nicht erkannt, weil die Betroffenen keine Symptome zeigen. Geklärt werden soll mit der Studie auch, wie hoch der Anteil derer ist, die Antikörper gegen das Virus gebildet haben und damit sehr wahrscheinlich immun sind.

Positiver Trend bei Neuinfektionen

In einem weiteren Schritt soll eine Studie im Landkreis Tirschenreuth folgen, wo es nach wie vor die bayernweit meisten Corona-Fälle gibt (39 Todesfälle). "Ich bin mir sicher, dass wir für Tirschenreuth etwas Ähnliches starten und die dort gewonnenen Daten in die Auswertung einbeziehen", erklärte Söder. Nach seinen Worten gibt es auf ganz Bayern bezogen bei den Neuinfektionen einen "positiven Trend", die Ansteckungskurve flache leicht ab. "Die Maßnahmen, die wir getroffen haben, beginnen zu wirken." Sie müssten aber weiter "konsequent umgesetzt" werden, es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung. "Durchhalten lohnt sich!"

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit stieg die Zahl der Corona-Infektionen bis Freitag, 10 Uhr, um 1809 auf 20 962, die der Todesfälle um 50 auf 327. Die Zuwachsrate blieb erneut unter zehn Prozent. Stand Freitag verdoppelte sich die Zahl der Fälle in Bayern noch alle sechs Tage. Das ist zwar schneller als im Bundesvergleich (10,1 Tage), aber deutlich langsamer als vor den Schulschließungen (2,5 Tage) und den Ausgangsbeschränkungen (3,8 Tage). In Bayern gelten 3690 Patienten als geheilt.

50 Wissenschaftler und 70 Studenten

Neben der akuten Krisenbewältigung gehe es nun auch darum, "Corona langfristig in den Griff zu bekommen", erläuterte Söder. Insgesamt sollen an der Studie 50 Wissenschaftler und 70 Studenten arbeiten. Erste Ergebnisse sollen nach dem Start am Sonntag schon "in wenigen Tagen" vorliegen. Söder berief zudem einen wissenschaftlichen Rat aus Virologen, Epidemiologen und Experten aus der Praxis, der die Staatsregierung berät.

Wie der Infektions- und Tropenmediziner Michael Hoelscher erklärte, soll die Stichprobenstudie in München Aufschluss über die Dynamik des Infektionsgeschehens in einer Region geben, in der sich viele Personen unabhängig voneinander angesteckt haben.

Verschiedene Infektionsgeschehen

Dies sei anders als im Landkreis Tirschenreuth, wo eine Veranstaltung als Quelle aller Infektionen gelte. Man müsse aus den verschiedenen Infektionsgeschehen lernen, betonte Hoelscher. Deshalb sei es wichtig, die Erkenntnisse aus Hotspots wie dem Landkreis Tirschenreuth einzubeziehen.

Laut Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München, werde man die Erfahrungen einer Studie aus dem Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen auswerten, um diese für das weitere Vorgehen im Kreis Tirschenreuth zu nutzen. Nach Einschätzung Protzers hätte es in Deutschland ohne die strengen Maßnahmen bis zu einer Million Corona-Tote geben können. Nun bestehe die Chance, "dass wir diese Zahl deutlichst unter 100 000 senken können, hoffentlich unter 20 000", sagte sie.

Die Expertenstudie soll nun die hohe Dunkelziffer im Kreis Tirschenreuth aufklären.

Regensburg
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