18.03.2021 - 18:46 Uhr
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Trotz Corona: Zahl der Suizide steigt nicht

Rund 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben. Die Coronakrise stellt eine zusätzliche Belastung dar, trotzdem bleibt die Zahl der Suizide im vergangenen Jahr stabil.

Die Isolation und Einsamkeit während der Coronakrise stellt für viele Menschen eine psychische Belastung dar. Trotzdem steigt die Zahl der Suizide bislang nicht.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Aus Zahlen der Kriminalstatistik 2020 des Landeskriminalamtes (LKA) Bayern geht hervor, dass es im vergangenen Jahr nur geringfügig mehr Suizide und Suizidversuche gegeben hat als im Vergleich zum Vorjahr 2019, in dem die Corona-Pandemie noch nicht präsent war. Die andauernden Kontaktbeschränkungen und die Isolation durch den Lockdown gaben vor allem Gegnern der Maßnahmen Anlass zur Sorge, es könne in Folge der psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie zu mehr Suiziden kommen.

Suizide 2020 leicht unter Mittelwert

Die Zahlen der Kriminalstatistik bestätigen diese Entwicklung bislang nicht. Zwar sind die absoluten Zahlen geringfügig gestiegen, im Hinblick auf den Fünf-Jahres-Schnitt liegt die Zahl der Suizide im Jahr 2020 allerdings sogar leicht unter dem Mittelwert und ist damit stabil. Insgesamt haben sich zwischen Januar und Dezember 2020 1695 Menschen das Leben genommen. 2168 Menschen versuchten es.

"Jede Selbsttötung ist eine zu viel"

Wie eine Grafik mit Suizidzahlen der vergangenen fünf Jahre zeigt, stellen die Zahlen 2020 keine Ausreißer nach oben dar. Sichtbar wird trotzdem: Der deutliche Abwärtstrend – vor allem bei den Suizidversuchen – wird 2020 unterbrochen. Aus dem Landeskriminalamt heißt es dazu auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Jede Selbsttötung ist natürlich eine zu viel." Eine statistische Aussage zu den Zahlen zu treffen, sei der Polizei nicht möglich. "Natürlich sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen", erklärt ein Pressesprecher. Die Hintergründe der Zahlen und den Zusammenhang mit der Coronakrise könne die Polizei jedoch nicht beurteilen.

Warum die Umstände der Corona-Pandemie trotzdem eine Belastung für die menschliche Psyche darstellen können und wie sich Angehörige gegenüber suizidgefährdeten Personen verhalten sollten, erklärte Professorin Monika Sommer aus Regensburg, Vorstandsmitglied bei der Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

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Info:

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken, oder kennen Sie eine Person, der es so geht? Hilfe bietet die Telefonseelsorge anonym und rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter www.telefonseelsorge.de Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/

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