18.03.2020 - 14:43 Uhr
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Vernunft und Zwang in der Coronakrise: "Bitte bleibt für uns daheim"

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Der Shutdown ist ein Schock: Die Coronakrise gefährdet Wirtschaft und Demokratie. Es kommt auf jeden einzelnen an, wie viel Zwang nötig ist. Mobile Tafeln würde mehr helfen als Besserwisser-Posts. Ein Kommentar von Jürgen Herda.

Ausnahmezustand auch für die Polizei: An einer Zufahrtsstraße zur Ostseehalbinsel Fischland-Darß-Zingst kontrolliert die Polizei, ob die Fahrzeuge die Berechtigung zum Befahren des Gebiets haben. Alle norddeutschen Küstenländer haben den Tourismus wegen der Ausbreitung des Coronavirus stark eingeschränkt.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Das Dilemma freier Gesellschaften: Im Krisenfall freiwillig das Vernünftige zu tun. Immer mehr Einsatzkräfte des BRK und der Polizei rufen via Facebook & Co. dazu auf: "Bleibt ihr bitte für uns daheim", steht auf einem Schild, das ein lächelnder Polizist hochhält. Auf dem anderen seiner Kollegin daneben ist zu lesen: "Wir sind für euch da."

Je vernünftiger, desto weniger Zwang

Es ist ein Balanceakt, den Politik, Gesundheitsexperten und wir alle jetzt leisten müssen: Die Ansteckungsgefahr soweit wie möglich zu verringern, ohne einen Zusammenbruch unseres Gemeinwesens zu riskieren. Die Pandemie soweit zu verlangsamen, dass sich die Kliniken bestmöglich auf den Ansturm schwerer Fälle vorbereiten können.

Eine einfache Faustregel: Je flächendeckender wir uns an die bestehenden Regelungen halten, desto weniger Zwang ist erforderlich. Wer meint, rücksichtslos sein vermeintliches Individualrecht auf Hamsterkäufe, Kneipenbummel oder Corona-Parties ausleben zu müssen, zwingt die Politik zur nächsten Eskalationsstufe: die Ausgangssperre.

Mobile Tafeln statt Besserwisser-Posts

Der teilweise Shutdown ist ein Schock, der Existenzen bedroht. Er bietet aber auch die Chance, unser Verhalten neu zu bewerten: Wir können - unbürokratische staatliche Finanzhilfe vorausgesetzt - die Weichen für das Leben nach der Pandemie stellen. Im Home-Office unser Unternehmen am Laufen halten oder für spätere Aufträge in Stellung bringen.

Wir können die sozialen Medien nutzen, um soziale Kontakte zu pflegen, statt uns gegenseitig besserwisserisch zu diffamieren. Und wir können die an manchen Stellen gewonnene Freizeit nutzen, um Hilfe für die Schwächsten zu organisieren: Mobile Tafeln, die bei Hilfsbedürftigen und Risikopatienten Lebensmittelpakete abstellen, würden zeigen, dass unsere Gesellschaft in der Krise über sich hinauswachsen kann.

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