16.11.2020 - 15:00 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Wirtschaft in Bayern bleibt weiter im Stimmungstief

Im Freistaat hofft die Wirtschaft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Dafür würde sie sogar für den November verschärfte Corona-Regeln akzeptieren.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Wirtschaft (VBW), Bertram Brossardt.
von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) würde eine weitere Verschärfung der Corona-Einschränkungen befürworten, wenn damit eine rasche Eindämmung des Infektionsgeschehens verbunden ist. "Lieber jetzt nochmal intensivieren, als zu Weihnachten die Rechnung bezahlen", erklärte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei einer Video-Pressekonferenz mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Dieses betreffe nicht nur den Geschenkekauf, sondern auch eine zumindest teilweise geöffnete Gastronomie und Hotellerie. "Wir hoffen und erwarten, dass wir über Weihnachten einige Lockerungen erleben", sagte Brossardt.

Auch eine Umstellung des Schulbetriebs auf Wechselunterricht hält die VBW für akzeptabel, selbst wenn das für Mitarbeiter mehr Kinderbetreuung zu Hause und Home-Office bedeuten würde. Dies sei im Sinne der Pandemie-Bekämpfung hinnehmbar, dürfe aber "keine Dauerlösung" sein, betonte Brossardt. VBW-Präsident Wolfram Hatz ergänzte, man unterstütze den Kurs von Bundes- und Staatsregierung. "Der Teil-Lockdown trifft viele hart, aber wenn wir die Infektionszahlen nicht in den Griff bekommen, wird es die Wirtschaft noch viel härter treffen", sagte Hatz. Sinkende Infektionszahlen wären die "Basis für eine dauerhafte Erholung".

Ausweislich der VBW-Herbstumfrage zur konjunkturellen Entwicklung hat sich die Lage in der bayerischen Industrie nach dem tiefen Einbruch im Frühjahr stabilisiert. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage stieg der VBW-Lageindex von 51 auf 64 Punkte, lag damit aber weiter deutlich unter dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre von 115. Immerhin blicken die Unternehmen wieder optimistischer in die Zukunft. Der Prognoseindex für das erwartete Wachstum stieg von 35 auf 92 Punkte, der für die Beschäftigtenentwicklung von 34 auf 67. Hatz warnte aber vor einer "trügerischen Einschätzung". Je schlechter die Lage sei, desto eher erwarte man eine Verbesserung.

Für das Jahr 2020 geht die VBW von einem Rückgang der bayerischen Wirtschaftsleitung um 6,5 Prozent aus. Dies gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass der Teil-Lockdown nach dem November ende und das Weihnachtsgeschäft durch die Pandemie nicht zu stark eingeschränkt werde, warnte Hatz. "Wenn dies nicht gelingt, dann sehen wir eher eine Sieben hinter dem Minuszeichen." Der Aufholprozess werde "langwierig". Er gehe davon aus, dass das Vorkrisenniveau erst Ende 2022 wieder erreicht sei. Das gelte vermutlich auch für den Arbeitsmarkt. Für Unwägbarkeiten sorgten neben Corona weiter der Brexit und die weltweite Tendenz zu mehr Handelszöllen.

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