Bayreuth
17.05.2022 - 13:55 Uhr

Nur 650 Gramm bei der Geburt: Nach harten Monaten darf Frühchen Felix die Klinik verlassen

Nur eine Wehe in der 25. Schwangerschaftswoche: Felix kommt in der Kinderklinik Bayreuth viel zu früh auf die Welt, wiegt nur 650 Gramm. Für ihn und seine Eltern beginnt eine lange Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Jetzt darf er heim.

Nach gut fünf Monaten haben es Felix und seine Eltern mit Hilfe des Teams der Kinderklinik der Klinikum Bayreuth GmbH geschafft. Sie dürfen nach Hause. Felix war bei der Geburt nur 650 Gramm schwer. Bild: Klinikum Bayreuth
Nach gut fünf Monaten haben es Felix und seine Eltern mit Hilfe des Teams der Kinderklinik der Klinikum Bayreuth GmbH geschafft. Sie dürfen nach Hause. Felix war bei der Geburt nur 650 Gramm schwer.

Als Felix das Klinikum Bayreuth gemeinsam mit seinen Eltern verlässt, wiegt er 3610 Gramm. Doch das Gewicht, das andere Babys bereits bei der Geburt haben, musste sich Felix über Monate erkämpfen.

Er kommt am 14. Dezember 2021 zur Welt. Sein erstes Weihnachten, seinen ersten Jahreswechsel, die kommenden fünf Monate verbringt er im Krankenhaus. Denn bei seiner Geburt ist Felix gerade einmal 650 Gramm schwer, kommt viel zu früh auf die Welt. Von der Geschichte von Felix und seinen Eltern Miriam und Mathias Oehming berichtet das Klinikum Bayreuth in einer Pressemitteilung.

„Die Ärzte haben alles versucht, die Geburt hinauszuzögern“, sagt Miriam Oehming. Am Ende schaffen sie es gerade so über die Schwelle zur 25. Schwangerschaftswoche. „Ich hatte Riesenglück. Glück, dass ich bereits in der Klinik war, Glück, dass in diesem Moment eine Schwester und eine Hebamme nach mir sahen und ich nicht alleine war. Glück, dass alle in der Kinderklinik bereits informiert waren und sich so schnell um Felix kümmern konnten.“ Denn Felix rutscht in nur einer Wehe der Krankenschwester unvorbereitet quasi in die Hände. Der Mutter bleibt nur wenig Zeit, das zu realisieren. Krankenschwester und Hebamme reagieren sofort und goldrichtig. Felix wird direkt in die Kinderklinik gebracht und auf der Intensivstation versorgt.

Felix – der Name kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „der Glückliche“ oder „der vom Glück Begünstigte“. Miriam und Mathias Oehming hatten den Namen für ihren Sohn bereits vor der Geburt ausgewählt. Dass er so gut passen würde, war ihnen da noch nicht klar.

Keine falschen Versprechen

Der Zustand des Frühchens ist nach der Geburt mehr als kritisch. Miriam und ihr Mann blenden das größtenteils aus, funktionieren. „Ich habe mich in dieser Zeit vor allem darauf konzentriert, was mein Kind braucht, was ich tun kann und wie ich ihn unterstützen kann.“ Die beiden entscheiden bewusst, nicht über Nacht in der Klinik zu bleiben. Sie verbringen dort jeden Tag mehrere Stunden, nehmen sich aber auch Auszeiten daheim. Den jungen Eltern ist klar: Sie werden ihre Kraft brauchen. „Die Ärzte haben uns nichts vorgemacht. Manche Wahrheiten müssen einfach ausgesprochen werden. Auch wenn sie hart sind“, sagt die Mutter. Gerade weil ihnen niemand falsche Versprechungen gemacht hat, vertrauen sie den Ärzten und dem Pflegeteam am Klinikum Bayreuth. „Wir hatten zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass unser Kind hier in den besten Händen ist. Viele der Ärzte und Pflegekräfte sind uns in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen. Sie waren eine große Hilfe und Stütze für uns.“

Dr. Winfried Rauch, Leitender Oberarzt in der Kinderklinik und im Perinatalzentrum des Klinikums Bayreuth, betreut die Familie von Anfang an. Er gilt als Spezialist für Neugeborene – auch für die kleinsten unter ihnen. Die Freude darüber, dass Felix mit seinen Eltern die Klinik verlassen kann, ist Rauch anzusehen. „Noch vor drei Wochen haben wir diesen Tag nicht konkret vor Augen gesehen“, sagt er. Und er bleibt ehrlich: „Wir wissen nicht, wie die Entwicklung weitergehen wird. Aber die Voraussetzungen sind besser, als es zu hoffen und abzusehen war.“ Felix habe beinahe alles an Komplikationen „mitgenommen“, was bei so früh geborenen Kindern auftreten kann. „Aber die wirklich schlimmen Dinge, die hat er glücklicherweise dann doch ausgelassen.“

Zwei Operationen

Dennoch hat die kleine Familie in den fünf Monaten viele Tiefs erlebt. Nach der Geburt stabilisiert sich Felix zunächst, die Lunge entwickelt sich aber zögerlich. Dazu kommt: Seine Kreislaufsituation ist besonders. Was für ungeborene Kinder zur Versorgung im Mutterleib unerlässlich ist und sich normalerweise binnen Stunden oder Tagen bei Neugeborenen verwächst, ist für Felix nun ein lebensbedrohliches Problem. Wenn er eine Chance haben soll, muss er schnellstmöglich operiert werden, trotz des Risikos für den so kleinen Körper. „Anfangs war Felix‘ ganze Hand nur so groß wie der Daumennagel meines Mannes“, erinnert sich Miriam Oehming.

Das Herz übersteht die Operation gut, aber die Lunge ist schwach. Sie ist unterentwickelt. Von nun an ist er wieder voll auf die Beatmung angewiesen und kommt über Monate davon nicht mehr los. In der Folge beginnt die Netzhaut der Augen sich abzulösen. Die nächste OP. Dann wieder aufatmen. Er wird sehen.

Eltern erkranken an Corona

Zur besonderen Belastungsprobe für die Familie wird der Januar. Miriam und Mathias erkranken an Corona. Der tägliche Besuch bei Felix wird damit unmöglich, Kontakt halten die Eltern über das Telefon. Aber der echte Kontakt fehlt. Felix geht es zusehends schlechter. „Die Schwestern und Ärzte haben uns nichts verschwiegen. ‚Wir stehen mit dem Rücken zur Wand', haben Sie gesagt.“ Nachdem die Corona-Erkrankung ausgestanden ist, erholt sich Felix langsam, aber stetig. Die Nähe zu seinen Eltern tut ihn gut. Das macht auch Miriam und Mathias Oehming Mut.

Als das erste Mal die Möglichkeit einer Entlassung im Raum steht, gehen die Ärzte dennoch davon aus, dass das nur mit Hilfe von Monitorüberwachung und Sauerstoff möglich sein wird. Doch sie sollten nicht Recht behalten. Als er das Klinikum mit seinen Eltern verlässt, liegt er zufrieden in seinem Babysafe, Miriam und Mathias Oehming wirken entspannt und dürfen es auch sein. „Sie sind in den vergangenen Wochen richtige Spezialisten geworden, wenn es um ihr Kind geht“, sagt Dr. Rauch.

In den kommenden Wochen werden Krankenschwestern die junge Familie daheim noch unterstützen. Über den "Bunten Kreis" ist diese Nachsorge, die es speziell für Frühgeborene und Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen gibt, bereits organisiert. Damit die Oehmings nun genießen können, worauf sie so lange warten mussten: die erste gemeinsame Zeit daheim – glücklich.

BildergalerieVideoOnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz25.02.2020
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.