Sein Verhältnis zur Musik von Richard Wagner beschreibt Heinz Rudolf Kunze als eher distanziert – für seinen Auftritt am 3. Mai im Bayreuther „Zentrum“ (20 Uhr) soll dies aber kein schlechtes Omen sein. Der 62-Jährige gehört mit Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Peter Maffay zur „alten Garde“ der deutschsprachigen Sänger. In Bayreuth macht er Station mit seinem Soloprogramm, im Interview mit der Kulturredaktion plaudert er über das „Schicksal“, das ihn zum Musiker werden ließ und eben nicht zum Gymnasiallehrer.
ONETZ: „Schöne Grüße vom Schicksal“ heißt das aktuelle Album. Wie definieren Sie Schicksal?
Heinz Rudolf Kunze: Schicksal ist für mich ein bunter Strauß von Möglichkeiten. Die meisten Menschen verstehen Schicksal ja eher negativ, aber das stimmt ja nicht. Schicksal hat eine sehr große Spannweite von optimistisch-hell bis pessimistisch-dunkel. Auf jeden Fall ist Schicksal für mich das Gegenteil von Zufall, also vielmehr eine Art Plan, eine Fügung, eine Vorhersehung. Den Zufall halte ich für eine sehr seltene Sache.
ONETZ: Ist das Musikmachen denn Ihr „Schicksal“? Sie hätten ja eigentlich auch Gymnasiallehrer werden können…
Das hätte ich aber nie werden wollen. Dass mir die Musik in den Weg kam, damit konnte ich nicht rechnen. Ich wollte den Abschluss machen als Gymnasiallehrer und dann zurück an die Uni, um Germanist zu werden. Und die Musik mein Schicksal? Ja, ich glaube schon, dass mir das bestimmt war. Ich habe kurz vor Ende des Studiums durch eine Verkettung von Umständen so viel Glück auf einmal gehabt, dass ich dann doch noch als Musiker entdeckt wurde. Das kann ich mir nur als Schicksal erklären.
ONETZ: Sie klingen ganz zufrieden mit Ihrem Schicksal...
(lacht) Der große Vorteil ist: Zu mir kommen die Leute abends um acht und bezahlen dafür. In der Schule kommen sie um acht Uhr morgens und haben keine Lust
ONETZ: Sie gelten als Vielschreiber. Was muss passieren, dass aus einem Text auch ein Song wird?
Ich habe mir vergangenes Jahr mal den Spaß gemacht nachzuzählen: 2018 habe ich allein 305 Songtexte und 195 Sprechtexte geschrieben. Daran können Sie sehen, wie wenige davon überhaupt das Licht der Welt erblicken und die Öffentlichkeit überhaupt zu sehen oder zu hören bekommt. Aber ich gestehe auch: Ich weiß nicht, warum mich der eine Text dazu reizt, Musik zu machen und der andere eben nicht. Das ist eine instinktive Sache, ich lese mir das durch und dann passiert etwas im Kopf.
ONETZ: Sie kommen mit Ihrem Solo-Programm nach Bayreuth. Was macht den Reiz eines rein akustischen Auftritts aus?
Bis vor drei Jahren konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass das die Leute interessiert. Aber dann war die Resonanz einfach so überwältigend, dass ich es seither nicht mehr seinlassen kann. Die Leute scheinen es zu mögen, dass sie das Lied so hören können wie ich es mir selber in meinem Arbeitszimmer vorspiele, wenn es gerade frisch fertig ist. Näher kommt man an die Entstehungsgeschichte von Liedern gar nicht ran.
ONETZ: Wie hält es denn Heinz Rudolf Kunze mit Richard Wagner?
(lacht) Das wusste ich, dass die Frage kommt. Ich halte es da mit Karlheinz Stockhausen: Richard Wagner ist toll, solange keiner den Mund aufmacht. Mit opernhaftem Gesang konnte ich noch nie etwas anfangen, das ist jetzt gar nicht auf Richard Wagner allein gemünzt. Aber dass Wagner ein bahnbrechender Harmoniker war und großer Erneuerer der Tonkunst, ist mir nicht verborgen geblieben. Aber da ich in der Klassik nur Instrumentalmusik aushalte, ist es mit Wagner und mir nicht so weit her.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.