München
03.10.2018 - 18:00 Uhr

Bodenständige Raumfahrt

Zugegeben, wer hört, dass Bayern in die Raumfahrt investiert, der stutzt. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart die neue Strategie "Bavaria One" viele praktische Vorteile für das Leben im Freistaat.

Das bayerische Kabinett hat den Plänen von Ministerpräsident Markus Söder für das Raumfahrtprogramm "Bavaria One" zugestimmt. Kernpunkte sind die Gründung der europaweit größten Raumfahrtfakultät am Campus Ottobrunn der Technischen Universität München (TUM) mit insgesamt 50 Professuren und knapp 2000 Studienplätzen sowie der Bau des Erdbeobachtungssatelliten "BayernSat", der in spätestens fünf Jahren in eine Erdumlaufbahn geschossen werden soll. Der Freistaat will für das Programm in den kommenden zehn Jahren insgesamt 700 Millionen Euro ausgeben. Ergänzt wird das Programm durch die Förderung von Firmengründungen im Bereich Luft- und Raumfahrt.

"Bavaria One" ist laut Söder "kein Hirngespinst, sondern ein wissenschaftlich durchdachtes Technologiekonzept", das Bayern wieder zur führenden Standort für Luft- und Raumfahrt machen soll. Man knüpfe damit an die Grundidee des früheren Ministerpräsident Franz Josef Strauß, die in den vergangenen Jahren "etwas ins Hintertreffen geraten" sei. Man wolle aus dem Weltraum heraus Lösungen für bayerische und ganz praktische Probleme finden. Mit der Erdbeobachtung könne es zum Beispiel gelingen, den Katastrophenschutz zu verbessern oder in der Landwirtschaft den Düngemitteleinsatz zu reduzieren, erläuterte Söder. Dank der Forschungsanstrengungen soll der Freistaat die Technologieführerschaft bei der Entwicklung von Kleinsatelliten, Weltraumrobotik, Trägerraketen und Raumfahrtkomponenten übernehmen.

Der Opposition mit ihrem Spott über seine Weltraumambitionen warf Söder fehlende Weitsicht vor. "Der Standort Bayern wird nur erfolgreich bleiben, wenn wir den Blick in die Zukunft wagen", sagte Söder. Man müsse dabei auch an Dinge denken, an die vorher noch keiner gedacht habe. "Wir machen hier kein Star Trek, sondern gehen ins Weltall, um einen besseren Blick auf Bayern zu haben. Ziel sei "nicht die Milchstraße". Deshalb werde bei Ottobrunn auch eine 400 Meter lange unterirdische Teststrecke für Hyperloop-Transportsysteme gebaut und unter anderem die Entwicklung von Flugtaxis gefördert.

Als fachlicher Pate von "Bavaria One" fungiert der ehemalige Astronaut und derzeitiger Inhaber des TUM-Lehrstuhls für Raumfahrttechnik, Professor Ulrich Walter. Er erklärte, allein die Ankündigung des Programms habe eine "Sogwirkung nach Bayern" ausgelöst. "Es gibt ein riesengroßes Interesse bei Unternehmen, Investoren und Hochschulen", erklärte er.

SPD-Landeschefin Natascha Kohnen hielt es für "grundsätzlich richtig", den Luft- und Raumfahrt-Standort Bayern zu fördern. Sie forderte aber eine andere Prioritätensetzung. "Mir ist mehr Nahverkehr und schnelles Internet auf dem Land wichtiger als ein Raumfahrtprogramm", erklärte Kohnen.

 
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