29.07.2019 - 18:54 Uhr
BruckDeutschland & Welt

Vom Rockerboss zum Buchautor

"Duff Kong" veröffentlicht seine Memoiren. Der frühere Rockerboss lässt dabei nichts aus, "wovor Eltern und Schule warnen". Auch seine kriminelle Karriere nicht.

"Duff Kong" heute. So richtig erkannt werden will er nicht, auch mit Rücksicht auf seine Angehörigen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

"Duff Kong" ist zu hören, ehe er zu sehen ist. Es grollt, als käme ein Gewitter. Dann biegt die Harley in den Hof einer Ausflugsgaststätte bei Bruck ein. Der weiße Pferdeschwanz flattert im Wind. Kurze Hosen, Lederstiefel. Aus dem Sattel schwingt sich der ehemalige Rockerboss, heute 61 Jahre alt.

Der Mann ist eine Legende. In Rockerkreisen - und in Verbrecherkreisen. 13 Jahre seines Lebens hat der Brucker in Haft verbracht. 2018 wurde er entlassen. Im Gepäck hatte er Notizen. In der Zelle hat "Duff Kong" begonnen, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Jetzt sind sie als Buch erhältlich. "Tanz der Rocker", 315 Seiten (ISBN 978-3-9820443-0-9). Der Klappentext: "Der vorliegende Tatsachenbericht schlägt jedes Drehbuch und lässt nichts aus, wovor Eltern und Schule warnen."

Sex, Drugs, Rock'n'Roll

Darf man einen Artikel schreiben über einen Mann, der wegen Drogenhandels einsaß? Dem eine Schießerei eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags einbrachte? "Ich habe für all meine Sünden bezahlt", sagt "Duff Kong", der seinen Namen mit Rücksicht auf seine Familie nicht gedruckt sehen will. "Ich habe teuer bezahlt." Er legt auch Wert auf die Tatsache, dass er nicht das "alte Mutterl" überfallen hat.

Die 70er, 80er Jahren waren die Hoch-Zeit der Rockerclubs in der Oberpfalz. "Desperados", "Born Free", "Road Riders". Der Brucker war Präsident des MC Falkenstein. Zu den Rallys rollten tausende Maschinen. Alkohol floss in Strömen, Stripperinnen traten auf. Immer endete die Nacht in einer Prügelei. Ein Staatsanwalt verpasst "Duff Kong" seinen Namen, als dieser in Rötz einem anderen den Maßkrug überzieht. Der Angeklagte erinnere ihn an den thailändischen Kampfboxer.

Mit 35 rutscht der Rocker-Präsident in die Schwerkriminalität ab. Er selbst bringt dies mit seiner ersten Inhaftierung in Verbindung. 1994 sitzt er wegen Verdachts auf Drogenhandel ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Letztlich endet die Sache mit Freispruch und Entschädigung. "Aber da kommst zu 80 Prozent als Ganove wieder raus." Der 61-Jährige warnt, junge Leute zu schnell einzusperren. "Das einzige, was die dort bekommen, sind Connections."

2000 schießt "Duff Kong" einen verfehdeten Rocker nieder. Noch während der Haftverbüßung kommt eine Anklage hinzu. 2005 wird "Duff Kong" wegen Drogenhandels im 1000-Kilo-Bereich verurteilt. Gesamtstrafe: zwölf Jahre.

Bereut er seine Taten? Den Drogenhandel schon. "Das hätte nicht sein müssen. Das nagt schon." Das wilde Leben wohl eher nicht. "Das ist mir in die Wiege gelegt." Das Buch enthält ein Foto, das ihn als kleinen Buben mit seinem Bruder zeigt. Fest umklammert er seine damalige Trophäe: ein Holzrad seines Dreiradels, mit dem er das Treppenhaus der Eltern hinuntergerockert war. "Ich bin schon mit dem Dreirad gerast."

Der Autor (rechts) mit seinem Bruder. In der Hand hält er ein Rad seines Dreirads, Trophäe seines ersten Unfalls.

Erste Maschine: Kreidler

Ein Blitzerbild der Polizei - ohne Helm.

Nicht missen möchte er auch die Erinnerungen an die erste Moped-Clique. Die Kreidler Florett unterm Hintern. 20, 30 Mopeds knatterten allabendlich durch Bruck und Nittenau. Der Wirt des Ausflugslokals erinnert sich noch an die Musikbox, die so manipuliert war, dass sich auch ohne Einwurf die Scheiben drehten.

Heute sitzt der 61-Jährige hier bei einem Glas Mineralwasser. Er pflegt noch Kontakte zu Freunden von einst, kürzlich besuchte er "Desperados" in Neustadt. "Die Szene ist ruhiger geworden." Er schreibt an Band 2 seiner Memoiren, der die Schießerei in Premberg und seine Prozesse zum Thema hat. Ansonsten genieße er sein "letztes Drittel": "Ich kann sagen: Versäumt habe ich nichts."

In früheren Jahren auf einem Motorradtreffen.
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