06.11.2018 - 15:33 Uhr
BurglengenfeldDeutschland & Welt

Ein Malerpirat in Burglengenfeld

Oberpfälzer Volkskundemuseum widmet Hermann Böbel zu dessen 100. Geburtstag eine Ausstellung

Der Künstler Hermann Böbel wird in der Burglengenfelder Ausstellung eingebettet in die Geschichte der Stadt.
von Susanne WolkeProfil

Die Kriegsverletzung am Auge war für Hermann Böbel Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist es für einen Maler natürlich ein besonderer Schlag, das Sehvermögen um die Hälfte beeinträchtigt zu wissen. Andererseits: Die schwarze Augenklappe, die Hermann Böbel fortan trug, machte ihn zur Marke.

Dass der verwegen aussehende Künstler im Burglengenfeld der Nachkriegszeit Aufsehen erregte, klingt einleuchtend. Die Faszination, der der Lebemensch, der acht Jahre in dem Oberpfälzer Städtchen verbrachte, dort ausübte, ist bis heute bemerkbar.

Bevor der gebürtige Ingolstädter später nach München weiterzog, malte er in Burglengenfeld Portraits und Landschaften - und Blumenstillleben, aber diesem Broterwerb ging er verschämt unter einem falschen Namen nach. Erzählt wird zudem von einer künstlerischen Clique, die der Bohème um sich aufbaute, von Operettengesängen, Wein und Zigarren und Aktsitzungen, bei denen die männlichen Gäste nach Hause geschickt wurden.

Margit Berwing-Wittl weiß davon aus zweiter Hand zu berichten. Die Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums in Burglengenfeld würdigt den Maler nun zu dessen 100. Geburtstag. Eine Ausstellung widmet sich dort vor allem den Schaffensphasen Hermann Böbels in Burglengenfeld.

Bei den Gemälden und Zeichnungen handelt es sich vor allem um Portraits und Landschaftsbilder, mit und ohne Menschen, die das Burglengenfeld der 50-er Jahre spiegeln. Künstlerisch gesehen ließ sich Böbel zu dieser Zeit vom deutschen Expressionismus und - unverkennbar sein großes Vorbild - von Picasso inspirieren. Einen Ausblick auf sein späteres Schaffen in München gibt ein weiterer Raum der Ausstellung.

Reizvoll für Burglengenfeld ist vor allem der lokale Bezug. Die Rückbesinnung auf Hermann Böbel, der hier ein Atelier und ein Fotogeschäft unterhielt, gilt gleichsam der Atmosphäre in der Stadt zu dieser Zeit. "Burglengenfeld mit einer blühenden Szene für Kunst, Theater, Musik und Geselligkeit bildete trotz der schwierigen Nachkriegsumstände ein lebendiges, kreatives und fröhliches Umfeld", heißt es in einem Text zur Ausstellung.

Die Bilder, die in dieser Zeit entstanden sind, werden nun zum Teil erstmals in Burglengenfeld gezeigt. Einige von ihnen sollen nach der Schau in den Besitz des Volkskundemuseums übergehen.

"Dort werden sie einen würdigen Platz finden", verspricht Margit Berwing-Wittl. Einen, der der imposanten Erscheinung Hermann Böbels gerecht wird.

___Die Ausstellung über Hermann Böbel zu dessen 100. Geburtstag läuft bis zum 11. November im Oberpfälzer Volkskundemuseum, Bergasse 3 in Burglengenfeld. Öffnungszeiten sind Mittwoch, Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 09471 602583). Am 11. November sind ab 14.30 Böbels Sohn und weitere Familienangehörige des Malers zu Gast im Museum.

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