Popstar aus der Oberpfalz – Leony im Interview

Leonie Burger kommt aus dem Landkreis Cham und startete 2021 als "Leony" so richtig durch. Die Sängerin blickt im Interview auf ein unglaubliches Jahr zurück und erzählt, wie sich ihr Leben durch den Erfolg verändert.

Die Oberpfälzerin Leonie Burger ist gefragt. Hier ist Leony, so ihr Künstlername, bei der Ankunft zur Verleihung des Medienpreises Goldene Henne in Leipzig zu sehen, wo sie als Aufsteigerin des Jahres nominiert war und sich am Ende nur Nachwuchsfußballer Jamal Musiala geschlagen geben musste.
von Redaktion ONETZProfil

Von Michaela Sturm

ONETZ: Leony, wenn man auf Ihr Jahr 2021 blickt, dann war bei Ihnen ganz schön viel los. Was war Ihr Highlight in diesem Jahr?

Leony: Es gab so viele Highlights. Da ist es schwierig, das auf nur eines einzugrenzen. Die ganzen Fernsehshows, die Live-Auftritte, die Goldene Henne ... Jetzt war ich für die 1Live-Krone nominiert, den wichtigsten Radiopreis in Deutschland (als bester Dance Act des Jahres und für die Single des Jahres, Anm. d. Red.). „Faded love“ läuft ja immer noch im Radio, was mir so viele Türen geöffnet hat. Vor Kurzem bin ich dann noch zusammen mit Katja Krasavice und unserer Single „Raindrops“ auf die Eins gegangen. Eigentlich war das ganze Jahr super schön und aufregend.

ONETZ: Hätten Sie sich das jemals so vorgestellt?

Nein. Natürlich habe ich, seit ich ein kleines Kind war, davon geträumt. Und ich habe in den vergangenen Jahren ja auch darauf hin gearbeitet. Aber dass das durch eine Nummer – "Faded love" – so durch die Decke geht, hätte ich mir nicht vorstellen können. Trotzdem lebt man ja jeden Tag sein Leben weiter. Man realisiert das gar nicht so. Manchmal sitzen wir im Studio und sagen uns: Krass, was gerade passiert. Das fühlt sich dann fast so an, als wenn man jemand anderem von außen zuschaut.

ONETZ: Was hat sich bei Ihnen in diesem Jahr durch den Erfolg verändert?

Ich bin viel mehr unterwegs als vorher. Ich bin bei Radiosendern zu Gast, gebe dort Interviews und habe auf Konzerten der Sender gespielt. Dann war ich in Fernsehstudios, zum Beispiel bei der Ultimativen Chartshow bei RTL, was ich früher immer im Fernsehen geschaut habe. Jetzt war ich selber dabei. Mein Leben ist stressiger geworden, aber im positiven Sinne. Ich darf unterwegs sein und Leute kennenlernen. Jetzt sehe ich auch die Menschen, die meine Musik hören, an der ich jeden Tag im Studio gearbeitet habe, und erlebe sie nicht mehr nur als Hörer auf Spotify.

ONETZ: Haben Sie denn unter den vielen Songs in diesem Jahr einen Lieblingssong?

"Faded love", der mir so vieles ermöglicht hat. Aber auch jetzt "Raindrops" mit Katja Krasavice, mein erstes Feature mit einer Frau. Das ist so eine schöne Erfahrung gewesen und die Katja ist so eine liebe Person. Jetzt sind wir sogar auf die Eins gegangen. Eigentlich aber mag ich jeden Song.

ONETZ: "Faded love" ist ein Coversong, hieß früher einmal „Dragostea din tei“ und war ein Sommerhit 2004. Die Älteren werden sich erinnern. Kannten Sie das Original?

Ja klar. Ich war da sieben Jahre alt und hab damals schon immer mitgesungen und dazu getanzt. "Faded love" kam ganz spontan zustande. Wenn wir abends im Studio sitzen, hören wir manchmal Musik. Und dann lief da auch der Song. Vitali, mein Manager und Produzent, hat sich die Gitarre geschnappt und dazu gespielt. Und ich habe zu der Melodie gesungen. Einfach nur einen Fantasie-Text. So ist das entstanden. Wir haben dann ganz schnell entschieden, "Faded love" zu veröffentlichen.

ONETZ: Es scheint momentan ein Trend zu sein, alte Songs mit neuem Text wieder aufzulegen. Inwieweit lässt man sich von solchen Entwicklungen in der Branche leiten?

Natürlich beobachten wir andere Künstler und man sieht, was bei den Leuten gut ankommt. Auf diese Weise erleben manche Lieder jetzt einen zweiten Frühling. Ich hör selber sehr gerne Coversongs. Das Original bleibt natürlich das Original. Aber wenn es für alle passt und es sich für alle gut anfühlt, ist das schon in Ordnung.

ONETZ: Sie schreiben seit vielen Jahren Songs – auch für andere Künstler. Macht das einen Unterschied, für wen Sie schreiben?

Manchmal sind andere Künstler bei uns im Studio und wir arbeiten direkt für sie. Dann ist das tatsächlich was anderes. Weil man auf sie eingeht und schaut, was ihnen gefällt. Da bin ich wie eine Dienstleisterin. Normalerweise aber schreiben wir im Studio einfach einen Song und entscheiden am Ende, für wen er ist. Wenn wir – Vize oder ich – ihn nicht selbst nutzen, dann schickt man ihn an andere Künstler. Wir geben ihn sozusagen frei. Beim Schreiben ist in dem Fall kein Unterschied. Man gibt immer sein Bestes bei einem Song. Es passiert ja auch, dass ein Song für mich gar nicht passt. Aber es ist schön, wenn man ihn dann bei einem anderen Künstler hört. Da ist ja ein Teil von mir mit drin.

ONETZ: Das erste Jahr der Corona-Pandemie haben Sie viel im Studio verbracht. 2021 waren dann Konzerte wieder möglich. Wie haben sich die Auftritte vor Publikum angefühlt?

Im August habe ich in der Schweiz vor 40.000 Leuten in einem Stadion gespielt. Dort zu stehen und die Leute zu sehen, die meine Lieder mitsingen, eine direkte Resonanz zu bekommen und nicht nur Klickzahlen am Computer zu sehen, das war schön. Genau wie den anderen Künstlern dort zuzuhören. Menschen, die sich umarmen... Jetzt hoffe ich, dass sowas dieses Jahr auch wieder möglich ist. Die Branche hat es hart getroffen. Es geht ja auch um die ganzen Mitarbeiter im Hintergrund. Die waren teils am Existenzminimum. Es wäre schön, wenn es bergauf ginge. Ich hoffe, dass alle zusammenhalten, damit solche Konzerte 2022 wieder möglich sind.

ONETZ: Die Nominierungen und Preise, überhaupt der Erfolg: Ist das für Sie mehr Ehre oder eher Druck?

Die Preise und Nominierungen sind eine Ehre. Ich freue mich über, man könnte sagen, die Lorbeeren für die Arbeit der vergangenen Jahre. Wenn wir über die nächste Single reden: Klar, da ist schon das Gefühl, man muss nachlegen, einen draufsetzen. Aber solange ich das machen kann, was ich liebe, macht es Spaß. Das ist das Wichtigste. Und dann wird es auch gut. Wenn die nächste Single nicht funktioniert, dann eben die übernächste. Musik ist Leidenschaft und Emotion. Wenn das eine berechnende Sache wird, dann macht es auch keinen Spaß mehr.

ONETZ: Wie sieht bei Ihnen die nähere Zukunft aus?

Anfang des Jahres kommt die nächste Solo-Single raus. Es sind auch einige Auftritte geplant, sofern die möglich sind. Wegen Corona kann man momentan nicht so gut vorausplanen. Und es wird auch wieder einige Features geben.

ONETZ: Sind Sie denn auch hin und wieder noch in Chammünster?

Ich versuche, spätestens alle zwei Monate für ein Wochenende nach Hause zu fahren. Aber das hat nicht immer so gut geklappt, weil auch viele Auftritte an den Wochenenden waren. Das wird schon schwieriger. Und es ist ja auch nicht die nächste Strecke zu fahren. Von Berlin aus fährt man schon fünf Stunden. Aber ich bin mit meinen Eltern jeden Tag und auch mit meinen Freunden in Kontakt. Wir telefonieren oder sprechen über Facetime. Und meine Eltern besuchen mich auch in Berlin.

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Schwandorf
Hintergrund:

Zur Person: Leony

  • Die 24-Jährige heißt eigentlich Leonie Burger.
  • Sie kommt aus Chammünster (Kreis Cham), lebt aber mittlerweile in Berlin.
  • Im Frühjahr 2021 landete sie mit "Faded love" einen der großen Radiohits des Jahres.
  • Nominierungen für die Goldene Henne und den New Faces Award.
  • Im November 2021 Nummer eins der Charts mit "Raindrops", ein Song mit Katja Krasavice.
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