Spaziergang mit Dorie

Knopfaugen blicken vertrauensselig ins Weite. Genüsslich kaut Alpaka-Dame Dorie an einem Bündel Heu herum. Maria Oberleitner ist mit ihr spazieren gegangen. Oder in anderen Worten: Flausch, flausch, flausch – und nochmal flausch.

Kuschelnd trotzen sie der Hitze: Die beiden Alpakas Dorie und Ohlala.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Ja, Dories Fell ist tatsächlich so weich, wie es aussieht. Und das obwohl sie eigentlich gerade erst geschoren wurde. Nur am Kopf hat sie ihre „Frisur“ noch. Zwei Jahre alt ist Dorie, zu Hause ist sie in Trefling bei Cham: Auf der Alpaka-Farm „Sun Star Alpakas“ von Daniel Weinfurter und Cornelia Kerscher.

Man möchte sie direkt knuddeln. Streicheln lässt sich Dorie allerdings ungern. Das liegt nicht nur daran, dass sie schwanger und deshalb gerade recht schreckhaft ist. Sie hat, wie alle ihre Artgenossen, einen ausgeprägten Fluchtinstinkt und bemüht sich, Distanz zu halten.

Das erklärt zumindest Cornelia Kerscher, die mir ihre Leine in die Hand drückt. Die kommenden Stunden ist Dorie meine Wander-Partnerin. „Am besten geht man ganz ruhig mit den Tieren um und baut langsam Vertrauen auf“, erklärt Kerscher. Alpakas seien sehr friedfertige Tiere mit freundlichem Gemüt. „Einfach zum Liebhaben.“

Das Thermometer zeigt 29 Grad. Ich ziehe leicht an der Leine. Wäre ich ein Alpaka, könnte ich mir schöneres vorstellen, als bei dieser Hitze über Feldwege zu laufen. Aber Fehlanzeige. Die Tiere sind absolut anpassungsfähig. „Deshalb ist das Klima für die Tiere hier in der Oberpfalz nahezu perfekt“, klärt Daniel Weinfurter auf, als wir den Schatten des Waldes erreichen. Alpakas könnten sich in Australien oder in Texas genauso wohlfühlen wie bei minus 40 Grad in Kanada.

Dorie erschrickt. Im Gebüsch hat sich etwas bewegt. Sie steht auf der anderen Seite des Weges im Moos, versucht mit dem Hinterbein eine Pferdebremse loszuwerden und blickt scheu um sich. Nur langsam kann ich sie überreden, weiterzulaufen. Schließlich mit Erfolg. Eigentlich ist sie heute die Anführerin der kleinen Herde – alle anderen folgen ihr. Vor allem die junge Ohlala genießt ihren Windschatten sehr. Immer wieder drückt sie ihren Kopf gegen Dories Fell. „Wir sind den Alpakas schon lange verfallen“, sagt Weinfurter, „durch ihre Präsenz im Internet werden momentan immer mehr Leute auf die wunderbaren Tiere aufmerksam.“ Erst kürzlich habe ich gelesen, Alpakas wären die neuen Einhörner. Ich muss schmunzeln. Da könnte was dran sein.

Sechs Oberpfälzer sind jenem unbedarft-knuddeligen Charme erlegen und extra für einen Spaziergang mit Alpaka angereist. Die Wanderungen bieten Weinfurter und Kerscher mittlerweile samstags und sonntags an. „Es kommen Stadtmenschen, Landmenschen, Pärchen, Kinder und Senioren: Es finden einfach alle die Alpakas toll“, sagt der 33-Jährige Weinfurter.

Weinfurter arbeitet eigentlich im Vertrieb, Cornelia Kerscher als Disponentin. 2011 kamen die beiden auf die Idee, selbst solche Tiere zu halten – beim Fernsehen. „Wir haben uns dann zwei tragende Stuten gekauft: Ines und Minou.“ Nach ein oder zwei Jahren haben sich die beiden Oberpfälzer allerdings für einen Neubeginn entschieden. „Es gibt qualitativ solch große Unterschiede“, sagt die 31-Jährige. Und weil sie nur mit den besten Tieren züchten wollten, importierten sie Tiere aus Neuseeland, Australien, den USA und Kanada – und verkauften Ines und Minou weiter.

Weitere Bilder von den Alpakas

Inzwischen ist ihre Herde so hochwertig, dass sie mit den Tieren auch an Wettbewerben teilnehmen. In ihrem Hofladen in Trefling reiht sich Pokal an Pokal. „Wir nehmen im Jahr an etwa zehn Wettbewerben teil“, sagt Weinfurtner. Einige besuchen sie mit den Tieren, einige nur mit deren Fell. Der 33-Jährige nennt es „Vlies“. Alpaka-Wolle ist bis zu fünf mal wärmer als Schafswolle. Außerdem kratzt sie nicht und ist sehr weich – eine der edelsten und kostbarsten Fasern der Welt.

„Bei einer großen Herde ist ständig etwas los. Am interessantesten finde ich aber die Fohlensaison“, sagt Daniel Weinfurtner. „Man weiß nie, was kommt“, ergänzt Cornelia Kerscher, „Stute oder Hengst? Welche Farbe hat das Tier? Wie wird die Wolle sein?“ Ist das kleine Alpaka sechs Monate alt, beginnen die beiden mit dem Halftertraining. „Davor machen wir kleinere Anfass-Übungen, damit die Tiere sich langsam daran gewöhnen können“, sagt Kerscher. Apropos gewöhnen: Ich habe das Gefühl, Dorie akzeptiert mich langsam. Der Sicherheitsabstand wird immer kleiner, während wir nebeneinander durch den Wald laufen. Seit wir an einer kleinen Lichtung kehrt gemacht haben, läuft sie schneller. Sie hat wohl im Gefühl, dass sie bald wieder zu Hause ist. Noch einmal die Straße überqueren, dann ist der Futternapf in greifbarer Nähe.

Cornelia Kerscher setzt den Eimer mit dem Mineralfutter ab und deutet quer über die Wiese: „Dort drüben wollen wir nächstes Jahr unser Alpaka-Café eröffnen.“ Bald wollen sie mit dem Bau beginnen. Kerscher ist sich sicher, dass das ein Highlight wird: „Ein solches Café gibt es in ganz Deutschland noch nicht.“

Dorie findet übrigens bald ein neues Zuhause in Delmenhorst. Weinfurtner und Kerscher haben sie in den hohen Norden verkauft. Zum Abschied winke ich ihr zu. „Servus, Dorie!“ Sie blickt mich an – und kaut weiter.

Daniel Weinfurter und Cornelia Kerscher auf ihrer Alpaka-Farm

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