Die Welt wird zur Bühne

Ausstellung "aspekte - inszeniert" in der Städtischen Galerie im Cordonhaus in Cham spielt mit den Vorführungsorten

Juliane Ehrenberg hat Kreuzwegstationen mit Alltagsgegenständen gefüllt.
von Susanne WolkeProfil

"Unser Leben wird zur Inszenierung." Aus dem Munde von Thomas Zink gewinnt diese Aussage eine doppelte Bedeutung. Einerseits spielt der Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrums (DEZ) in Regensburg natürlich an auf Instagram, Facebook und andere Portale der Selbstdarstellung. Andererseits vermerkt erin Hinblick auf die in seiner Obhut liegende Ladenmeile: "Ein Shopping-Center als Markt- und Schauplatz bietet sich hier regelrecht an." Und zwar wenn es genau um das eine Thema geht: "Inszeniert."

Brücke zur Kunst

So lautet auch der Titel einer Ausstellung, die bis vor kurzem im DEZ zu sehen war. Dass die Überlegungen der Schau "aspekte" auch im traditionellen Museumsbetrieb funktionieren, zeigt Anjalie Chaubal nun in ihrem eigenen Haus in Cham. Die Leiterin der Städtischen Galerie im Cordonhaus hat die Ausstellung für das DEZ kuratiert und bringt sie nun eine Station weiter. Wahrhaft oder inszeniert?, so lautet die Frage angesichts der präsentierten Gemälde, Fotografien und Collagen. Wobei Chaubal gleich zu Beginn die Richtung weist. "Die Inszenierung schlägt eine Brücke zur Bildenden Kunst", diese Bemerkung gibt sie dem Publikum mit auf den Weg.

Beeindruckend hervorgehoben sind denn auch die Arbeiten dieser opulenten Schau. Astrid Behrens (Braunschweig), Barbara Sophie Höcherl (Wörth), Susanne Neumann (Waldsassen), Barbara Regner (Furth i. W.), Birgit Szuba (Jena), von der Akademie im Andreasstadel Regensburg Juliane Ehrenberg und Florian Gröschl und die Choreographin Anna Konjetzky (München) mit der Tänzerin Sarah Huby (Brüssel) schöpfen hier so richtig aus dem Vollen.

Effekthascherei ist bei einer Schau, die schon den Namen "inszeniert" trägt, einmal ausdrücklich erlaubt. So zieht Barbara Sophie Höcherl mit einer Skulptur aus echten Vogelkörpern die Aufmerksamkeit auf sich. Präsentiert ist das Wesen in einer Art Guckkasten. Auch Susanne Neumann und Juliane Ehrenberg verstehen es, Fundstücke aus Natur und Alltag so richtig in Szene zu setzen. Für Neumann kam der mit Moos bewachsene ausrangierte Autositz, den sie einmal im Wald gefunden hat, hier gerade recht. Juliane Ehrenberg, hat zehn Kreuzwegstationen mit persönlichen Gegenständen bestückt. Die meisten davon sind in der Ausstellung als Fotografie zu sehen.

Aufrüttelnd und komisch

Barbara Regner inszeniert in ihren Fotoserien historisch überlieferte - kämpferische - Frauenpersönlichkeiten. Hier gibt es die Südtirolerin Katharina Lanz, die ihr Dorf einst gegen die Franzosen verteidigte. Barbara Regner stellt sie mit Heugabel und zum Schrei aufgerissenen Mund dar.

Natürlich wird die allgegenwärtige Inszenierung unserer Welt in der Schau auch auf den Arm genommen. Astrid Behrens kombiniert eigene Fotos mit Bildern aus der Presse. Die daraus entstehende Widersprüchlikeit - ein Model vor einer Naturkatastrophe oder Arnold Schwarzenegger am Strand - ist manchmal aufrüttelnd, manchmal komisch. Bearbeitete Bilder zeigt auch Birgit Szuba. Sie verändert historische Ansichten, vor allem Familienfotos mittels Computer. Florian Gröschl ergänzt seine eigenen Bilder und Zeichnungen durch Wörter und Texte. Die Choreographin Anna Konjetzky beschäftigt sich mit dem Wechselspiel zwischen Raum und Bewegung. In der Ausstellung ist die Performance, umgesetzt von der Tänzerin Sarah Huby, in Form eines Videos zu sehen.

Info:

Service

Die Ausstellung "aspekte - inszeniert" wird am Samstag, 25. Mai (19 Uhr) im Cordonhaus (Propsteistraße 46) in Cham eröffnet und geht bis 30. Juni im . Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag von 15 bis 19 Uhr. An Pfingsten ist die Schau zu allen Feiertagen jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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