12.02.2019 - 20:19 Uhr
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"The Chris Squire Tribute": Verbeugung vor dem Yes-Giganten

2015 starb Chris Squire, Mitbegründer und legendärer Bassist der Rockband Yes. Vor seinem Tod bestimmte er seinen Freund Billy Sherwood zu seinem Nachfolger. Der hat jetzt eine starbesetzte Hommage an den Bass-Giganten veröffentlicht.

Chris Squire bei einem Yes-Konzert 2011 in Wien. 2015 starb der legendäre Musiker.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Chris Squire war eine beeindruckende, wuchtige Erscheinung: Bei Konzerten seiner Band Yes dominierte er den rechten Bühnenrand - überragend, cool, lächelnd, tänzelnd. Gut, seinen Modegeschmack konnte man kritisieren, denn Männer seiner Statur sollten vielleicht nicht unbedingt hautenge Leggins und Stiefel tragen. Aber wenn Chris Squire seinen Bass spielte, als wäre er der eigentliche Leadgitarrist, wenn er mit seinem Harmoniegesang den perfekten Gegenpart zur Stimme von Sänger Jon Anderson bildete, konnte man ihm seine Klamotten nicht übelnehmen. Squire war ein Gigant am Bass, er war das Herz und die Seele von Yes. Und er war das einzige Mitglied in der bewegten Bandgeschichte, das immer dabei war - bei jeder Tour und jedem Album.

Vor dreieinhalb Jahren starb der Brite im Alter von 67 Jahren an Leukämie. Seinen Platz in der Band, die Squire vor 50 Jahren mitgründete, übernahm auf seinen eigenen Wunsch hin sein Freund, der langjährige Yes-Alumnus Billy Sherwood, der bis heute mit den Progressive-Rockern auf Tour ist. Der 53-Jährige war bereits Mitte der 90er Jahre mit Yes im Studio aktiv, gegen Ende der Dekade stand er als zweiter Gitarrist und Backgroundsänger mit auf der Bühne.

Sherwood hat jetzt ein Tribut-Album zur Erinnerung an seinen Freund produziert: Auf "A Life in Yes - The Chris Squire Tribute" sind alte Yes-Weggefährten zu hören, dazu einige exquisite Gastmusiker. Aus der Garde der ehemaligen und gegenwärtigen Yes-Mitglieder sind der aktuelle Sänger Jon Davison, Schlagzeuger Alan White sowie die Keyboarder Patrick Moraz und Tony Kaye angetreten. Weitere Mitwirkende: Alan Parsons, Steve Porcaro (Toto), Steve Hogarth (Marillion), Steve Stevens (Billy Idol), Brian Auger, Candice Night (Blackmore's Night), Todd Rundgren und Dweezil Zappa, Sohn von Frank Zappa. Auf der extrem gelungenen Coverversion von "Owner of a lonely Heart", dem größten Yes-Hit überhaupt, ist zudem Chris Squires Ex-Frau Nikki als Leadsängerin zu hören, die mit Esquire seit den 80ern ihre eigene Band hat.

Oberpfalz-Medien hat mit Billy Sherwood über die Arbeit am Tribut-Album und die Zukunft von Yes gesprochen.

ONETZ: Wie war das, Chris' Solo-Songs und den Yes-Katalog für diese Tribut-CD zu durchstöbern?

Billy Sherwood: Ich bin sehr vertraut mit dem Yes-Material und mit Chris' Solo-Arbeiten, also war es für mich eher einfach. Ich hatte ein ganz gutes Gefühl, was die Fans wohl gerne hören würden. Ich habe mich einfach an meine persönlichen Lieblingssongs gehalten, weil ich ein Hardcore-Fan der Musik bin, und habe mir gedacht, dass gleichgesinnte Fans meine Auswahl wohl gutheißen würden.

ONETZ: Erinnern Sie sich an besondere Dinge, die Chris tat, wenn Sie gemeinsam im Studio waren, oder bevor es bei einem Konzert auf die Bühne ging?

Billy Sherwood: Mit Chris im Studio zu arbeiten, war immer sehr simpel und locker. Wir hatten ein großartiges freundschaftliches Verhältnis, das machte die Arbeit wirklich einfach. Was Sound und die Art des Materials anging, hatten wir ohnehin einen sehr ähnlichen Geschmack. Was Live-Shows angeht: Er und ich waren auf der Bühne meistens sehr nahe beieinander platziert, also haben wir oft herumgeblödelt, und vielleicht fanden nur wir beide unsere Gags lustig (lacht). Wir haben dauernd Unfug auf der Bühne getrieben, aber eben eher subtile Blicke, die wir uns zuwarfen, oder Gesten. Albernes Zeug alles, aber wir beiden hatten damals eine Menge Spaß.

Chris Squires Solo bei "The Fish (Schindleria Praematurus)", Yes live in Montreux 2003

ONETZ: Hatte Chris Squire irgendwelche Marotten oder Macken, die typisch für ihn waren?

Billy Sherwood: Chris war immer der Letzte auf der Bühne, er tauchte sozusagen immer erst auf, kurz bevor der Vorhang aufging. Irgendwie wollte er einfach nicht mit seinem Bass im Bühnenaufgang herumstehen, er wollte lieber einfach direkt durchrauschen und sofort loslegen. Das sorgte allerdings auch immer ein bisschen für Anspannung, weil wir nie wussten, ob er es rechtzeitig schafft. Er hat es natürlich immer rechtzeitig hinbekommen, aber trotzdem ... es war einfach so ein Ding von ihm.

ONETZ: Chris Squire hat Sie persönlich als seinen Nachfolger bei Yes ausgesucht, bevor er starb. Wie kann man sich auf solch eine Herausforderung vorbereiten? Geht das überhaupt?

Billy Sherwood: Wenn man will, könnte man sagen, ich habe mich schon mein ganzes Leben darauf vorbereitet. Ich habe schon in meinen früheren Bands immer und immer wieder gehört, dass ich wie Chris Bass spiele. Auf der anderen Seite habe ich mir Yes ohne Chris niemals vorstellen können, sein Tod war eine der schwersten Situationen, mit denen ich mich je auseinandersetzen musste.

Yes war Chris' Leben, seine Liebe und seine Leidenschaft, deshalb ist dies eine große Ehre. Und natürlich auch, dass ich den Segen der anderen Jungs in der Band bekommen habe. Meine Karriere hatte so ihre Wendungen und Wandelungen, aber dass Chris mir seine Rolle in Yes übertragen hat, das war das überraschendste Ereignis überhaupt. Das hat mich mit Demut erfüllt.

Yes mit Billy Sherwood und Trevor Horn: "Tempus Fugit", live 2018 in London

ONETZ: Wie sehen Sie Ihre Zukunft in der Band?

Billy Sherwood: Ich bin hier, um der Band zu dienen und den Fans. Ich liebe die Musik von Yes, und die Bandmitglieder sind im Prinzip meine erweiterte Familie. Ich kann mir nichts besseres vorstellen, als Mitglied meiner Lieblingsband zu sein.

ONETZ: Werden Sie mit Steve Howe, Alan White, Geoff Downes und Jon Davison auch neue Musik aufnehmen?

Billy Sherwood: Ich hoffe es doch sehr, und ich denke, die Fans wollen es auch. Bis jetzt haben wir alle geglaubt, dass Chris' Tod noch nicht lange genug her ist, um auch nur darüber nachzudenken, wieder ins Studio zu gehen. Aber die Zeit ist eben der große Gleichmacher, und jetzt sind ein paar Jahre vergangen. Dass wir ein neues Album aufnehmen ist derzeit wahrscheinlicher, als dass wir es nicht tun. Wir sind alle kreative Künstler, und wir wollen mehr Musik erschaffen.

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