27.03.2020 - 18:25 Uhr
Deutschland & Welt

Die Coronakrise wird Tausende traumatisieren

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Wenn die Pandemie irgendwann vorbei ist, werden viele Menschen psychotherapeutische Hilfe brauchen. Sie werden sehr, sehr lange darauf warten müssen. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Während der Coronakrise fällt vielen Menschen die Decke auf den Kopf.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Die Coronakrise zeigt Schwachstellen in unserer Gesellschaft deutlicher auf als alle mahnenden Worte und Forderungen von Interessenverbänden oder Politikern. Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen sind so schnell nicht zu erwarten. Das hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann am Freitag in Weiden bekräftigt. Aber je länger das dauert, desto mehr Risse tun sich auf.

Auf die von jahrelangem Kostendruck gebeutelten Krankenhäuser kommt noch ein großer Belastungstest zu, sollte die Zahl der Neuinfektionen nicht zumindest vorübergehend sinken. Ist die Coronakrise irgendwann vorbei, kann nach und nach wieder Normalität einkehren. Vielleicht hat sich dann endlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Gesundheitssystem nicht weiter krankgespart werden darf.

Psychotherapie: Wie Corona auch die Seele angreift

Weiden in der Oberpfalz

Auf die Psychotherapeuten, so die Prognose, kommt jedoch erst nach der Pandemie die Flutwelle zu: Die Viruskrise mit ihren nicht abzuschätzenden Auswirkungen könnte hunderttausende Deutsche schwer depressiv oder traumatisiert zurücklassen. Sie werden auf der Suche nach Hilfe auf einen Teil des Systems treffen, in dem Wartezeiten von mehr als einem halben Jahr für einen Termin gang und gäbe sind. Die Kassenärztlichen Vereinigungen verweisen seit Jahren stur auf ihre Zahlen, sehen den Bedarf an Psychotherapie gedeckt. Wahr ist: Schon heute verschlechtert sich der Zustand vieler Kranker, weil sie zu lange auf Behandlung warten müssen. Ein Spiel mit Menschenleben ist das, und Corona wird es noch gefährlicher machen.

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