04.08.2021 - 17:42 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

CSU und Grüne nach Umfrage fast gleichauf

Die Zeit der CSU-Übermacht in Bayern scheint gebrochen. Nach einer von der Hanns-Seidel-Stiftung in Auftrag gegebenen Politik-Studie sinken Zuspruch und Kompetenzzuweisung an die CSU. Davon profitieren die Grünen, aber auch die FDP.

Markus Söder spricht im bayerischen Landtag.
von Jürgen UmlauftProfil

München. Die Grünen haben in Bayern inzwischen ein fast gleich großes mögliches Wählerpotenzial wie die CSU. Das geht aus einer Wähleranalyse des Marktforschungsinstituts GMS Dr. Jung GmbH im Auftrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung hervor. Demnach können sich mit Blick auf die Bundestagswahl 62 Prozent der bayerischen Wähler vorstellen, die CSU zu wählen, 60 Prozent die Grünen. Bei der konkreten Wahlabsicht liegt die CSU aber noch deutlich in Führung. 31 Prozent der Befragten erklärten, sie würden die CSU "ganz bestimmt" wählen, bei den Grünen waren das 23 Prozent. "Unter Umständen" könnten sich weitere 31 Prozent der Befragten vorstellen, für die CSU votieren, 37 Prozent für die Grünen. Für die Umfrage wurden zwischen dem 6. April und dem 7. Mai 2169 zur Wahl berechtigte Bayern ab 17 Jahren befragt.

"Die Grünen haben ihre Koordinaten in Richtung bürgerliches Lager verschoben", folgerte GMS-Chef Helmut Jung aus den Umfragedaten. Zudem verliere die CSU ihre frühere Dominanz in fast allen Altersgruppen. Nur bei den über 75-Jährigen sei die CSU die Partei mit dem absolut höchsten Zuspruch. Neben den Grünen haben laut den Daten noch Freie Wähler und die FDP ihr mögliches Wählerpotenzial ausgebaut, während SPD, Linke und AfD aus einem stetig schrumpfenden Reservoir schöpfen müssen. Nach Einschätzung Jungs sind die Grünen inzwischen dabei, die Position der SPD als zweite Volkspartei in Bayern zu übernehmen. Die AfD habe ihren Zenit vorerst überschritten.

Im Umfragezeitraum rund um das Ende des zweite Lockdowns war die Corona-Pandemie und ihre Überwindung das mit Abstand wichtigste Thema für die Bayern. Danach folgte der Bereich Klima/Umwelt/Energie. Nach Einschätzung Jungs dürfte sich das nach den Unwetterkatastrophen im Juli allerdings wieder etwas verschoben haben. Die Themen Innere Sicherheit und Migration spielen bei den Bayern derzeit eine untergeordnete Rolle. Bis auf den Bereich Umwelt- und Klimaschutz, den die Bayern mit Abstand am besten bei den Grünen aufgehoben sehen, weisen die Wähler der CSU in allen anderen Problemfelder die höchste Problemlösungskompetenz zu. Allerdings schrumpfte der Vorsprung in allen Bereichen zum Teil deutlich. "Das Kompetenzmonopol der CSU ist nicht mehr vorhanden", erklärte Jung.

Die Umfrage bestätigte einen weiteren Trend, der den Wahlkampf für die Parteien zunehmend schwieriger macht. So bezeichnen sich in Bayern nur noch 45 Prozent der Wahlberechtigten als Stammwähler einer Partei, 50 Prozent als Wechselwähler. Zudem steigt die Zahl der Briefwähler auf vermutlich über 40 Prozent und die der Personen, die ihre Wahlentscheidung erst kurz vor der Wahl oder gar erst am Wahltag treffen, auf gut 30 Prozent. Für die Parteien bedeute dies, eigentlich zwei Wahlkämpfe führen zu müssen, sagte Jung. Die Mobilisierung von Briefwählern müsse anders aussehen als die von "Last-Minute-Wählern".

Söder gegen Aiwanger: Die bayerische Koalition wackelt

München
Hintergrund:

Wunsch-Koalitionen der Bayern im Überblick

Mit Blick auf die Bundestagswahl wünschen sich die Bayern am ehesten eine stabile Zweier-Koalition.

  • 54 Prozent würden ein schwarz-grünes Bündnis präferieren,
  • 42 Prozent ein schwarz-gelbes aus Union und FDP,
  • 39 Prozent die Fortsetzung der aktuellen großen Koalition.
  • Mögliche Dreier-Bündnisse:
  • 29 Prozent der Bayern könnten sich mit "Jamaica", also einer Koalition aus Union, FDP und Grünen anfreunden,
  • 22 Prozent mit einer "Ampel" aus SPD, Grünen und FDP,
  • 12 Prozent mit einem rot-rot-grünen Linksbündnis.
  • Konkrete Wahlabsichten:
  • 32,4 Prozent - CSU (6,4 Prozent weniger als bei der Bundestagswahl 2017)
  • 23,4 Prozent - Die Grünen (+13,6%)
  • 10,6 Prozent - FDP (+0,4%)
  • 10,1 Prozent - AfD (-2,3%)
  • 9,3 Prozent - SPD (-6%)
  • 4,9 Prozent - Die Linke (-1,2%)
  • 4 Prozent - Freie Wähler (+1,3%)

Zu beachten ist allerdings, dass die Befragung bereits Anfang Mai endete.

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