Desinformationen durchdringen Gesellschaft weltweit

Erstmalig werden in einer Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung Aussagen zu "Corona-Fakes" auf internationaler Ebene ausgewertet. Die Ergebnisse sind beunruhigend.

Bei einer Demonstration vor dem Reichstagsgebäude in Berlin hält ein Teilnehmer der Demo ein Schild mit der Aufschrift „Gib Gates keine Chance – Widerstand 2020“ in den Händen.

Bill Gates habe die WHO gekauft und das Coronavirus sei eine chinesische Biowaffe. Die "Infodemie" bringt eine Vielzahl hanebüchener Falschmeldungen hervor. Mit weitreichenden Folgen, wie eine repräsentative, globale Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit nun belegt. Erstmalig würden gezielt Aussagen zu "Corona-Fakes" auf internationaler Ebene ausgewertet, heißt es dazu in einer Presse-Info der Stiftung.

Rund 7300 Menschen aller Altersklassen hat das Meinungs- und Marktforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit weltweit zu ihrer Mediennutzung und Falschmeldungen während der Corona-Epidemie befragt. In Deutschland, den USA, Indien, Mexiko, Jordanien, Südafrika und auf den Philippinen.

Mangelnde Medienkompetenz

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Die überwiegende Mehrheit der Befragten gibt zwar an, "sehr gut" und "eher gut informiert" über die Corona-Pandemie zu sein. In Kontrast zu dieser subjektiven Einschätzung steht aber eine Reihe von anderen Ergebnissen der Studie. 54 Prozent der Befragten empfinden es als schwierig, zwischen Nachrichten und bewussten Falschmeldungen zu unterscheiden. 74 Prozent der Befragten zeigen sich über die Zunahme von bewussten Falschmeldungen beunruhigt. Die Deutschen sind mit knapp 53 Prozent am wenigsten beunruhigt.

Der Aussage, Medien würden auf Druck der Regierung in den jeweiligen Ländern Tatsachen über das Coronavirus verschweigen, stimmen in Deutschland sogar 34 Prozent der Befragten zu. In den USA, Mexiko und Südafrika unterstützen diese Aussage mehr als die Hälfte aller Befragten.

Haupt-Informationsquelle ist weiterhin das Fernsehen (77 Prozent), gefolgt von Social Media (68 Prozent), Zeitungen oder Zeitschriften im Internet (55 Prozent) und sonstigen Quellen im Internet (46 Prozent). In deutlich geringerem Ausmaß werden Radio (34 Prozent) oder Printmedien (25 Prozent) genutzt. Vor allem die Jüngeren - weltweit, aber insbesondere in Deutschland -, informieren sich vorrangig im Netz.

Corona als Waffe

Der vermeintlich gute Informationsstand zur Corona-Epidemie bestätigt sich erst recht nicht in den einzelnen Aussagen zu vermeintlichen Fakten über das Virus. Beunruhigend sind die Antworten nach der Herkunft des Virus. Ein Viertel aller deutschen Befragten gibt an, das Coronavirus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet worden. In Indien sind 79 Prozent der Menschen davon überzeugt. Aber es geht noch abstruser: 38 Prozent der weltweit Befragten (und hierbei 72 Prozent in Indien und 52 Prozent auf den Philippinen, aber "nur" 13 Prozent in Deutschland) glauben, dass es sich beim Coronavirus um eine chinesische Biowaffe handle.

Feindbild: Bill Gates

Auf vielen Kanälen kristallisiert sich ein klares Feindbild heraus: Microsoft-Gründer Bill Gates. 50 Prozent der Befragten weltweit meinen, er fordere eine Zwangsimpfung aller Menschen; 39 Prozent sagen, er habe in ihrem Land mehr Macht als die Regierung; 31 Prozent glauben, Gates wolle den Menschen zur Bekämpfung des Virus Mikrochips einpflanzen; 20 Prozent meinen, Gates habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gekauft.

Bei der Unterstützung dieser seltsamen Aussagen tun sich insbesondere die Menschen in Jordanien und in Südafrika hervor, während die Deutschen hier den ersten beiden Aussagen "nur" zu einem Viertel, der Frage nach den Mikrochips zu 16 Prozent und der Frage nach der WHO zu 12 Prozent zustimmen.

5G und Corona

Der zunächst in Großbritannien, Zypern und den Niederlanden verbreitete Mythos, es gäbe einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau des 5G-Internet-Netzes und der Corona-Epidemie, hat allein im Vereinigten Königreich bereits zu mehr als 60 Brandanschlägen auf Mobilfunk-Masten geführt. Auch in Deutschland stimmen 21 Prozent der 18- bis 34-Jährigen der Behauptung zu.

"Das Meinungsbild der Umfrage zeigt: Noch ist das Gefühl, gut informiert zu sein, nicht fundamental erschüttert. Die Umfrage dokumentiert eine substanzielle Vertrauenskrise der Medien. Die Demokratie kann sich eine Glaubwürdigkeitskrise der Medien nicht leisten", so Professor Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Erschüttert zeigt sich Paqué über das Feindbild Bill Gates: "Ausgerechnet Bill Gates, der viel Gutes für die Gesundheit leistet, mutiert zum globalen Feindbild. Der Desinformationswahn muss von allen demokratischen Kräften gemeinsam bekämpft werden", fordert Paqué.

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