Faktencheck: Zerstört Cola einen Corona-Test?

In den sozialen Medien wurde das Video eines österreichischen Politikers geteilt, der mit einer Cola-Probe einen scheinbar positiven Test erwirkt. Das Video wird im Faktencheck der Deutschen-Presse-Agentur überprüft.

Cola zerstört Corona-Test - kein gültiges positives Ergebnis.
von Agentur DPAProfil

In der Corona-Pandemie kommen neben PCR-Tests verstärkt Antigentests zum Einsatz, die deutlich schneller ein Ergebnis zeigen. Der österreichische FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz soll mit einem Experiment im Nationalrat bewiesen haben, dass diese Tests stark fehlerhaft seien. In den sozialen Medien wure das Video des Politikers geteilt, der mit einer Cola-Probe einen scheinbar positiven Test erwirkt. "Cola ist Corona Positiv (sic!)", schreibt eine Facebook-Nutzerin über den Vorfall. In einem weiteren Kommentar heißt es über das Infektionsgeschehen: "Die Zahlen entstehen aufgrund des Coca Cola- Test! (sic!)"

BEWERTUNG

Der Test liefert kein technisch korrektes positives Ergebnis, wenn man Cola aufträgt. Die säurehaltige Flüssigkeit zerstört die Struktur der Proteine und macht so die Linien auf dem Test sichtbar. Beim Versuch im österreichischen Nationalrat wurden zudem wichtige Arbeitsschritte nicht beachtet.

FAKTEN

Die Funktionsweise eines Antigentests ist schnell erklärt. Informationen bietet etwa die Packungsbeilage des "SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test" von Hersteller Roche. Auf dem Test befindet sich eine Membran. Auf dieser Membran sind zwei Linien vorhanden, die mit Proteinen beschichtet sind. Die eine Linie ist die Kontrolllinie C, die andere die Testlinie T. Beide sind vor der Auswertung der Probe nicht sichtbar.

Enthält die beim Menschen entnommene Probe Sars-CoV-2-Antigene, dann reagieren diese mit den Proteinen auf den Linien. Dadurch treten die Linien farblich hervor.

Da die Struktur von Proteinen aber etwa durch Säure zerstört werden kann, können auch einige Tropfen Cola die Linien sichtbar machen. Cola hat laut Hersteller Coca-Cola einen pH-Wert von 2,5 und ist damit ziemlich sauer. Säure kann bei einem Protein zu einer strukturellen Veränderung führen. Dies nennt man Säuredenaturierung, wie das Chemie-Fachportal "chemie.de" erklärt.

Die Säure könne die Proteine auf dem Teststreifen zersetzen, an denen eigentlich die Proteine des Virus andocken sollen, bestätigt der Leiter des Bereichs für patientennahe Diagnostik bei Siemens Healthineers, Christoph Pedain.

Kurzum: Schnedlitz weist also lediglich nach, dass die Proteine am Teststreifen zerstört sind.

"Durch das Zersetzen entstehen viele Bindungsstellen für die Farbpartikel im Test, und die Streifen werden sichtbar", so Pedain. Für die Test-Praxis bei Menschen habe das allerdings keine Relevanz, "solange man keinen Patienten hat, der sich vorher mit Cola die Nase gespült hat". Der Experte weist zudem darauf hin, dass man so auch bei einem Schwangerschaftstest ein quasi positives Ergebnis erzeugen könne - ohne schwanger zu sein.

Auf der Homepage der Ärztekammer Tirol finden sich Anwendungshinweise zu einem Antigen-Test von Siemens. Zwischen dem Abstrich und dem Auftragen der Probe auf dem Reagenzträger ist das "Lösen der Probe in Extraktionspuffer" als Zwischenschritt vorzunehmen: "Tupfer mindestens 6 mal im Puffer drehen, 1 Minute stehen lassen, Tupfer am Rand andrücken und entnehmen, Tropfkappe aufsetzen". Diese Flüssigkeit - und nicht die Probe selbst - wird dann auf den Test geträufelt. Bei den Tests von Roche darf die Probe ebenfalls nicht direkt auf den Teststreifen aufgetragen werden.

Der sogenannte Puffer dient laut "chemie.de" dazu, starke Schwankungen des pH-Werts zu vermeiden. Auch im menschlichen Körper regulieren Puffer den pH-Wert.

Im Experiment von Schnedlitz wurden also nicht nur die Proteine des Antigentests der säurehaltigen Cola ausgesetzt. Es wurde auch ein notwendiger Zwischenschritt ausgelassen, der den pH-Wert der Säure reduziert hätte. Auch der Hersteller des im Nationalrat verwendeten Tests, Dialab, hat diesen Vorgang in einer Stellungnahme auf Facebook erklärt.

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