Kommentar: Leere Worte zum Lehrermangel

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Markus Söder verspricht Prämien für Schulleiter und sagt offen, dass es den Lehrermangel gibt. Schön und gut, kommentiert Wolfgang Ruppert, den Grund, warum so wenig Jugendliche Lehrer werden wollen, verschweigt der Ministerpräsident aber.

Sagen, dass immer weniger junge Menschen Lehrer werden wollen, ist schön und gut. Dann sollte man sich aber auch Gedanken machen, warum das so ist, findet Wolfgang Ruppert
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil
Kommentar

Ministerpräsident Markus Söder hat es in der Regierungserklärung am Mittwoch zum wiederholten Mal selbst gesagt: Es gibt einen Lehrermangel im Freistaat. Dass er das offen anspricht, ist begrüßenswert. Als Grund nennt er, dass es zu wenig junge Menschen gibt, die den Beruf ergreifen wollen. Allerdings sollte er sich dann auch die Frage stellen, warum das so ist.

Lehrer wird man nicht über Nacht. Wer das werden will ,muss sich jahrelang durch die Uni kämpfen. Und wozu? Dafür, dass am Ende der Studienzeit ein Examen – eine Prüfung, die von der Tagesform abhängt – darüber entscheidet, ob sich die vergangen Jahre rentiert haben? Was soll das überprüfen? Ob man mit Kindern kann und sie gerne hat? Sicher nicht.

Wer den Irrsinn überstanden hat, dem winkt zur Belohnung das Referendariat. Eine Zeit der ständigen Leistungskontrollen, an deren Ende – wer hätte das gedacht – ein zweites Staatsexamen steht. Ob man danach überhaupt einen Job bekommt, kann keiner wissen. Schweinezyklus lässt grüßen. Wenn es klappt, dann kann man sich darauf einstellen, die nächsten Jahre weit weg von Familie und Freunden zu leben. Auf Lebzeit verbeamtet wird sowieso nicht sofort, schließlich muss man erst mal beweisen, dass man als Lehrer auch was taugt.

Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, ist das der Grund, warum die Lehrerlaufbahn so unattraktiv ist. Vielleicht sollte sich Söder Gedanken machen, das Übel bei der Wurzel zu packen, anstelle über wuchernde Zweige zu sprechen.

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