Kommentar: Der letzte Weckruf – nicht nur für die USA

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Donald Trump ist offenbar auf dem Weg der Besserung. Bei aller Kritik und Antipathie ist das eine gute Nachricht, meint Frank Werner. Aus vielerlei Gründen.

Das Standbild aus einem Twitter-Video zeigt den US-Präsidenten Donald Trump. Trump hat nach einer Corona-Infektion die zweite Nacht in Folge in einem Militärkrankenhaus verbracht.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Es ist sehr verlockend, sich über Donald Trump lustig zu machen. Seine Corona-Erkrankung ist nach all seinen Verharmlosungen der Pandemie auch ein Treppenwitz der Geschichte. Und doch ist Schadenfreude nicht angebracht. Man sollte auch dem umstrittenen US-Präsidenten jene Empathie entgegenbringen, die er so oft im Umgang mit seinen Gegnern hat vermissen lassen.

Mehr als 200 000 Tote hat das Virus allein in den USA gefordert. Ihr Präsident hat im Kampf gegen Covid 19 auf ganzer Linie versagt. Vielleicht ist Trumps Erkrankung auch ein letzter Weckruf an die Welt. Ein Schlag ins Gesicht an all die Zweifler und Verschwörungstheoretiker. Es besteht allerdings genauso die Gefahr, dass Trump bei einem milden Verlauf ähnlich wie Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro die Krankheit kleinreden und versuchen wird, politisches Kapital daraus zu schlagen.

Der Wahlkampf in den USA hat ohnehin eine finale Dramatik bekommen. Die Polarisierung der Lager nimmt weiter zu. Die Unsicherheit, ob die Abstimmung überhaupt geregelt über die Bühne gehen kann, lähmt das ganze Land. An einer Staatskrise in den USA kann niemand Interesse haben, auch nicht der härteste Trump-Gegner. Schon deshalb ist zu wünschen, dass der 74-Jährige die Krankheit übersteht. Und zu hoffen, dass vielen seiner Anhänger die Augen geöffnet werden.

Donald Trump im Krankenhaus

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