18.06.2019 - 17:06 Uhr
Deutschland & Welt

Dialektförderung von "Dschamsterer" bis "Zwirmesgirgl"

Das Projekt "MundART WERTvoll" will Dialekt als Stärke und Bereicherung, als Ausdruck von Lebensgefühl und Vielfalt etablieren. Ganz vorne dabei: Oberviechtach.

In der Abteilung „Handwerk und Hausnamen“ des Oberviechtacher Museums wird dem Dialekt ein gebührender Platz eingeräumt.
von Autor SLUProfil

Zeitgleich zur Globalisierung ist eine Art "Gegenbewegung" festzustellen, die sich am besten als "bewusste Regionalität" bezeichnen lässt: Der vertraute und überschaubare Lebensraum - und damit auch der Dialekt - gewinnt immer mehr an Bedeutung. Unterstützt wird dieser Trend durch die Politik, im Freistaat vor allem durch das von Horst Seehofer im Jahr 2010 ins Leben gerufene "Wertebündnis Bayern".

Das Projekt "MundART WERTvoll" will die Verbundenheit zu Dialekt Heimat aufgreifen, neu wecken und fördern. Neben der Liebe zur bayerischen Heimat und zu ihren - nicht nur sprachlichen - Traditionen will das Projekt auch die Wertschätzung anderer (Regional-)Kulturen und ihrer Sprecher fördern sowie den Wert kultureller Vielfalt unterstreichen. Dialektsprecher sollen mit der Wahrnehmung ihrer sprachlichen und künstlerischen Ausdrucksfähigkeit Selbstbewusstsein und Kreativität entfalten. Als Kernelement von Heimat und Brauch und gleichzeitig als Teil eines frischen und populären bayerischen Lebensgefühls soll Mundart in ihrer Bedeutung für Zusammenhalt und Gemeinschaft in einer sich wandelnden Gesellschaft erlebt werden.

Aus der Oberpfalz gestalteten das Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach (zusammen mit dem Karl-von-Closen-Gymnasium Eggenfelden), das Gymnasium Neutraubling und die Gregor-von-Scherr-Schule/Staatliche Realschule Neunburg vorm Wald im Schuljahr 2015/16 jeweils einen "MundART WERTvoll"-Beitrag. Als Dokumentation der durchgeführten Projekte und zugleich als Lehrerhandreichung erschien im März 2019 die Publikation "Lebendige Dialekte an bayerischen Schulen", die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus herausgegeben wurde. Erarbeitet wurde sie von Studienrat Stefan Schießl (Eggenfelden) als Leiter und Studiendirektor a. D. Ludwig Schießl (Oberviechtach) in Zusammenarbeit mit dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung.

Die Schüler aus Neunburg vorm Wald mit Fachoberlehrerin Maria Schießl arbeiteten für ihr Projekt mit Christian Ferstl, dem Vorsitzenden der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft mit Sitz in Tirschenreuth, und Ludwig Schießl, dem Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Oberviechtach (HKA) und Leiter des Oberviechtacher Dialektforums zusammen. Beide Institutionen kooperieren eng miteinander und haben sich Dialektförderung auf die Fahnen geschrieben. Während die Schmeller-Gesellschaft heuer ihr 40-jähriges Bestehen feierte, ist der Heimatkundliche Arbeitskreis Oberviechtach seit 1996 auf diesem Sektor tätig. Das Hauptziel des HKA besteht in der Erstellung eines "Oberviechtacher Wörterbuchs". Dafür wurden bei 129 Dialektabenden von 1996 bis 2016 rund 5000 Mundartausdrücke gesammelt - ab Herbst 2019 stehen dann Ausdrücke wie veicherblaugschoind und Zwirmesgirgl, balfern, Brenesterer, gààch, Dschamsterer, Gesdhintre, Koudridscherl oder sodern in einem onoma-semasiologischen Ortswörterbuch. Parallel dazu erscheint in der Heimatzeitung die Dialektkolumne "So sogn mir" von Ludwig Schießl, in der originelle Dialektwörter und Redewendungen beleuchtet werden, wie etwa "Es henkt niad 100 Joa àf oi Seitn" oder "iwers Gschei àssekumma".

Ein Alleinstellungsmerkmal in Sachen museumspädagogischer Dialektpflege hat Oberviechtach mit der Abteilung "Handwerk und Hausnamen" im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum. Durch die ganze Abteilung zieht sich ein "Hausnamenband" mit 133 Oberviechtacher Namen und liefert dadurch nicht nur einen Einblick in die ehemalige Sozialstruktur des Ortes, sondern auch - zusammen mit einer Informationstafel - einen Überblick über die in der Stadt gesprochene Mundart.

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