05.08.2018 - 23:54 Uhr
Deutschland & Welt

Dienstpflicht 2.0 würde keine Lücken schließen

Generationen von 18-Jährigen blieb nur eine Wahl - zwischen Wehr- und Zivildienst. Nun gibt es Gedanken, die ausgesetzte Dienstpflicht neu zu beleben. Doch die vermeintlichen Vorteile sind keine. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier

Mit Blattwerk und Gras getarnte Wehrpflichtige.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Bund oder Zivi? Das war die ungeliebte Frage, die sich Männer mehrerer Generationen stellen mussten. Natürlich sofern sie keinen Weg fanden, sich ausmustern zu lassen. Nun soll die ausgesetzte Wehrpflicht wiederbelebt und auf Frauen ausgeweitet werden. Zumindest wenn es nach einigen CDU-Abgeordneten geht.

Auch wenn sie wie ein veritables Sommerloch-Thema anmutet, klingt die Idee auf den ersten flüchtigen Blick verführerisch. Rekrutierungsengpässe in der Bundeswehr würden sich auflösen, zudem hätten Bereiche wie Pflege oder Technisches Hilfswerk als Ersatzdienste die Aussicht auf Abertausende Arbeitsstunden der Billigkräfte.

Doch der angenehme Gedanke einer einfachen Lösung gleich mehrerer Probleme verflüchtigt sich schnell. Ungeachtet der kaum zu überwindenden rechtlichen Hürde des Zwangsarbeitsverbots oder des bürokratisch-strukturellen Rattenschwanzes, den eine allgemeine Dienstpflicht 2.0 nach sich ziehen würde, - dem Konstrukt mangelt es entscheidend an Nachhaltigkeit und Qualität.

Weder der spezialisierten Berufsarmee noch der professionellen Pflege wäre mit ungelernten Zwölf-Monate-Kräften wirklich geholfen. Im Gegenteil. Es würden Reformen blockiert und vermieden, Geld in die Hand zu nehmen, um Perspektiven für gut ausgebildete Fachkräfte zu schaffen. Den 18-Jährigen aber, die Erfahrungen machen, sich engagieren oder beruflich orientieren wollen, bietet sich das immer beliebtere, vielschichtige "Freiwillige Soziale Jahr" an. Die stark angestaubte Dienstpflicht kann daher getrost ad acta gelegt bleiben.

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Das wäre nichts anderes als staatlich verordnete Zwangsarbeit und ein Eingriff in die persönliche Freiheit.
Wer das macht sollte es freiwillig machen. Man könnte es ja mit einem Rentenbonus oder sonstigem garnieren, denn ansonsten ist das ein Jahr lang Dumping und Ausbeutung.

Mag ja sein, dass sich viele gerne an die Zeit zurück erinnern. Aus meiner Sicht war es eine pure Zeitverschwendung.

Man kann doch keinem zu seinem Glück zwingen und was hilft es wenn man dann unmotivierte Leute in der Pflege hat? Das schadet mehr als es hilft.

Zudem wäre das ein Offenbarungseid für unsere Demokratie, wenn man Leute zu etwas zwingen müsste. Das wäre ein Sargnagel für unsere Freiheit.

06.08.2018