09.06.2026 - 10:34 Uhr

Drei statt acht: Gemälde viel älter als gedacht

Das italienische Kulturministerium verschätzt sich schwer beim Alter eines Madonna-Bildes: Es stammt nicht aus dem Jahr 1850 – sondern 1350. Und ist plötzlich sehr viel mehr wert.

Das Gemälde darf nun versteigert werden. (Symbolbild) Bild: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Das Gemälde darf nun versteigert werden. (Symbolbild)

Keine Acht, sondern eine Drei: In Italien ist ein Gemälde von Experten des Kulturministeriums wegen eines Zahlenfehlers um 500 Jahre zu jung datiert worden. Die Madonna mit Jesuskind stammt nicht – wie anfangs vermutet – aus dem Jahr 1850, sondern von 1350. Damit ist das Werk eines anonymen Meisters aus der norditalienischen Region Emilia-Romagna auch erheblich mehr wert. Statt der ursprünglich geschätzten 38.000 Euro wird es von internationalen Experten auf mehr als eine halbe Million Euro taxiert.

Der Fehler ereignete sich nach einem Bericht der Tageszeitung „Corriere della Sera“ bereits vor einigen Jahren: 2020 gab das Ministerium in Rom die Erlaubnis, das Gemälde „Madonna mit Kind“ in die Schweiz auszuführen. Die Experten urteilten, dass es sich um ein Kunstwerk „geringer Bedeutung“ handele und gaben es frei. Grundlage dafür war auch eine Inschrift auf der Rückseite: „Gemalt von Alfonso Martorelli Fiori, Bologna im Jahr 1850“.

Kulturministerium scheitert vor Gericht

Bei der Restaurierung im Ausland stellte sich jedoch heraus, dass das Gemälde von 1350 stammt – geschaffen von einem unbekannten Maler, der im 14. Jahrhundert in Parma tätig war. Dem „Meister von 1302“, wie er genannt wird, wird eine weitere „Madonna mit Kind“ zugeschrieben, die heute im Baptisterium von Parma zu sehen ist. Das Auktionshaus Christie's schätzte seinen wahren Wert auf 400.000 bis 500.000 Pfund (bis zu 580.000 Euro).

Das italienische Kulturministerium versuchte daraufhin, die Freigabe rückgängig zu machen, scheiterte damit jedoch vor Gericht. Damit darf das Gemälde nun versteigert werden. Aus der Opposition im Parlament von Rom gibt es nun Forderungen, das eigene Kulturgut besser zu schützen. Die Abgeordnete Vincenza Aloisio kritisierte: „Wir haben nicht nur ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert verloren, sondern wurden auch Zeugen einer ineffizienten und chaotischen Vorgehensweise der zuständigen Behörden.“

© dpa-infocom, dpa:260609-930-194477/1

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