13.03.2020 - 16:20 Uhr
EbermannsdorfDeutschland & Welt

Smarthome als "unendliches Projekt"

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Bei seinen Arbeitskollegen ist Reiner Schirm als Technikfreak bekannt. Über sich selbst sagt er, das "Krankheitsbild" sei schon "stark ausgeprägt". Zu Besuch bei einem Ebermannsdorfer mit smartem Hobby.

In allen Stockwerken seines Hauses hat Reiner Schirm Bildschirme montiert. Damit kann er jederzeit – auch per Smartphone von unterwegs – auf die acht Außen- und fünf Innenkammeras des Smart Homes zugreifen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Er hat die beiden Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien schon längst entdeckt. Noch bevor Reporter und Fotograf die Klingel erreichen, öffnet Reiner Schirm seinen Gästen die Tür. Sich unbemerkt dem Haus zu nähern, ist kaum möglich: Acht Außen- und fünf Innenkameras beobachten das Grundstück. "Alle sind mit Infrarot ausgestattet, damit funktionieren sie auch in der Nacht", erklärt der 48-Jährige schmunzelnd. Selbst wenn Schirm nicht zu Hause ist, kann er damit per Smartphone jederzeit einen Blick auf sein Eigenheim in Ebermannsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) werfen – "das gibt einfach ein Sicherheitsgefühl".

Der gebürtige Amberger hat das große Einfamilienhaus aus den 60er Jahren 2014 gekauft, kernsaniert und modernisiert. In der Umbauphase fällt der Entschluss, das Eigenheim zum Smart Home aufzurüsten. Als gelernter Elektrotechniker arbeitet Schirm als Produktmanager bei Conrad in Hirschau. "Daher kommt auch meine Begeisterung für Technik", erklärt er. Das Wissen kam ihm zu Gute – und sparte bares Geld: "Man braucht schon ein gewisses Know-how, um ein Smart Home selbst umsetzen zu können. Wenn sie das in dieser Ausbaustufe einen Elektriker machen lassen, ist es unbezahlbar."

Selbst einen modernen Partykeller mit Barhocker, Kühlschrank und Smart-TV gibt es in dem Ebermannsdorfer Smart Home. Vom Mischpult aus steuert Reiner Schirm das bunte Discolicht, die Nebelanlage und legt Musik auf. Mit seinen Freunden hat er hier schon die eine oder andere lange Nacht verbracht.

Sparen durch intelligente Heizung

Schirm legt Wert auf Energieeffizienz. Wettersensoren am Dach spielen zusammen mit Thermostaten in jedem Raum zur Erfassung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlenmonoxidkonzentration. Die Fußbodenheizung wird durch Computerprogramme gesteuert. "Wenn ich zur Arbeit fahre, regelt sich das ganze Haus von selbst runter. Ab 17 Uhr, wenn ich nach Hause komme, ist es bereits wieder schön warm." Über fünf im ganzen Haus verteilte Alexa-Sprachboxen kann sich der Hausherr Nachrichten oder seinen Terminkalender vorlesen lassen, das Licht oder die Rollos steuern. Eine lichtabhängige "Astro-Version" steuert die Jalousien: Bei starker Sonneneinstrahlung oder wenn die Temperatur 22 Grad übersteigt, beschattet das Haus automatisch die Räume. Morgens und abends fahren die Rollos hoch oder runter. "Das Schlafzimmer ist allerdings davon ausgenommen" - auch Smart Home-Besitzer wollen einmal ausschlafen.

Die Sprachsteuerung zu benutzen ist einfach praktisch.

Reiner Schirm (48)

Reiner Schirm (48)

Hinzu kommt der Sicherheitsgewinn. Ein automatisches Türschloss entsperrt und verriegelt die Haustür. Sensoren an den Fenstern überprüfen, ob diese offen, geschlossen oder gekippt sind. Versucht jemand mit Gewalt einzudringen, erkennen das die Sensoren - und schlagen akustisch Alarm. Zudem hat Technikfreak Schirm in jedem der zwei Stockwerke sowie im Keller Bildschirme montiert. Damit hat er jederzeit im Blick, was die Kameras aufzeichnen. Mögliche Sorgen von Nachbarn oder Passanten entkräftet Schirm: "Alle Kameras sind nur auf das eigene Grundstück ausgerichtet. Niemand wird überwacht oder heimlich gefilmt."

Keine Angst vor Hackern

Auf mögliche Risiken durch die starke Vernetzung des Smart Homes angesprochen, bleibt Schirm gelassen. "Ich habe versucht, den Zugriff auf meine Systeme über das Internet abzuriegeln, so gut es geht." Ein Smart Home unterscheide sich hier nicht so sehr von einem normalen Haus, findet der 48-Jährige: "Wenn jemand genügend kriminelle Energie aufbringt und unbedingt irgendwo reinkommen will, dann schafft er das wohl auch. Angst habe ich deswegen keine."

Reiner Schirm in seiner Werkstatt im Keller. Dort ist der Elektrotechniker in seinem Element. Fast alle Reparaturen oder Installationen kann der technikbegeisterte Ebermannsdorfer selber erledigen – und spart so viel Geld.

Dass Hacker die Alexa-Sprachbox von Amazon manipulieren und als Mikrofon zum Abhören missbrauchen, beunruhigt Schirm nicht. "Das wäre rein theoretisch möglich", sagt er. "Aber wer davor Angst hat, darf auch kein Smartphone benutzen. Denn das kann ich genauso hacken und damit Abhören."

Für den Single hat sich die Umrüstung auf ein Smart Home rentiert, er schätzt besonders den Komfortgewinn: "Für meine Bedürfnisse überwiegen die Vorteile eindeutig. Allein wenn ich mit voll beladenen Tellern ins Wohnzimmer gehe und keine Hand frei habe, um das Licht auszuschalten – dann kann ich die Sprachsteuerung benutzen. Das ist einfach praktisch."

Partykeller mit Discoflair

All die Technik lässt bei Reiner Schirm den Spaß nicht zu kurz kommen – das beweist sein Partykeller. Mit Barhockern, Kühlschrank und großem Smart-TV ist er vom Feinsten. Wenn der Ebermannsdorfer hinter dem Mischpult steht und Musik auflegt, kommt schnell Stimmung auf. Disco-Strahler mit Lichteffekten, Nebelmaschine, automatische Verdunklung - "hier feiere ich öfter mit Freunden oder Kollegen", sagt Schirm mit stolzem Lächeln. "Das Smart Home ist mein Hobby. Mir fällt immer was neues ein, das ist ein unendliches Projekt."

Vom PC aus hat Reiner Schirm alle Daten seines Smart Homes im Blick: Ob die Verbräuche von Heizung oder Strom, die Temperatureinstellungen oder Alarmsignale - der Elektrotechniker kennt sich aus mit Daten und Programmieren.
Unter dem Dach befindet sich das Gehirn von Reiner Schirms Smart Home. Die Technik läuft oft versteckt im Hintergrund.
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